Marionettes

The Marionettes - Steckbrief

SIGI POP:
THE MARIONETTES-Steckbrief:

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Ich glaub es ist das Beste, nach all der langen Zeit - immerhin 35 Jahre(!) - mal was anderes als üblich für den Steckbrief zu schreiben. Nämlich über all die 15 kultigen und strangen Konzerte, die wir mit THE MARIONETTES 1978-79 gaben:

Begonnen hatte es tatsächlich mit dem Ur-Samen im August 1977, als ich als junger Punk in der Doom-Metal Band CRASHIN HEAVE (zu dt. "Krachende Kotze") einstieg, wo ich auch den späteren und ständigen Mitstreiter GÜNTHER B. an der Gitarre kennenlernte, mit seinen 17 jungfräulichen Jahren. Unsere Songs waren weniger Punk und hießen übersetzt "Höllenfeuer" oder "Sarg".

Als ich als Punk-DJ im schwulen Mandys-Club auflegte, lernte ich eines Abends den legendären Sänger und Chaoten TOMMY DAVIS kennen und lieben. Ein unglaublicher Shouter und Halbamerikaner mit einer unglaublichen Stimme - von Iggy Pop über Bryan Ferry bis John Fox. Er brachte seinen Drummer BIFFI von ihrer Wave-Combo TV PHONE mit, und wir begannen im Sommer 1978 in Ottobrunn zu üben.
An Bord war noch Gitarrist ACHIM - der später ein grosser Studiomusiker in England wurde und gar mit Allan Parson-Projekt arbeitete. Ihm war's aber zu wild, zu laut, zu unmusikalisch mit uns... und er ging wieder schnell von Bord, da wir nicht ständig (seinen) Reaggae spielen wollten.

Wir orientierten uns klar an den angesagten Combos wie Stooges, Wire, Roxy Music, Clash und Pistols. Aber vor allem an den alten - damals noch kompromisslosen - ULTRAVOX.

Schnell stiegen wir als Münchens Kultband und Geheimtip der Stunde auf und waren verbandelt mit der Klaus Lemke-Filmchaostruppe. Die Münchner Blätter schrieben euphorisch über uns, und Lemke engagierte uns unmittelbar für 2 seiner verrückten Spielfilme ("Ein komischer Heiliger" und "Der Allerletzte"). Was er nachher sehr bereute (lach), denn als wir in der Nobeldisco "Sugar Shake" die "harten Punks" miemen sollten - die aus einer 8-türigen weißen Stretch-Limousine ausstiegen, um Party zu machen... war nach kurzer Zeit schon 800 Mark Zeche gemacht durch uns samt Roadcrew und unseren Chicks. Und am HBF nahmen uns die Bullen fast fest, da sie nicht glaubten, dass wir hier für nen Film unterwegs waren... hahaha.

Alles entwickelte sich günstig. Wir hatten sogar einen Manager, und Amon Düül-Mann LOTHAR MEID nahm sich unser an, organisierte die Support-Gigs vor JAPAN und POLICE für uns. Nahm uns ins teure Arco-Studio und produzierte ne komplette LP mit Tom Winter - dem Toningeneur der Boomtown Rats - die aber niemals erschien. Da er dann doch lieber seine (erfolglose) Solo-Karriere vorantrieb und vor allem diesen noch unbekannten Ruhrpott-Sänger, namens Marius-Müller-Westerhagen entdeckte, mit dem er eine LP produzierte und bekanntlich einen Riesenerfolg hinlegte... THE MARIONETTES allerdings waren für immer vergessen!

Wir spielten wilde Konzerte, vor fast jedesmal(!) komplett unterschiedlichem Puplikum. Damals gab es weder eine große Punkszene noch passende Auftrittsmöglichkeiten in München 1978/79. Tolle Songs entstanden, wobei viele auf den späteren MARIONETZ-LPs/Singles verwendet wurden - jedoch mit deutschen Texten, wie z.B. Gas Gas Gas, Lebendig, 100000 Phon, Die Nachbarn, Musikbox oder Susi Schlitz, welches ich schon 1978 nachts im Bierzelt schrieb, das ich als Wachmann auf der Wiesn bewachte :-)

Wir spielten wie aus einem Guss und die Kreativität kannte scheinbar keinerlei Grenzen. Durch die provizierenden und zum Teil gefährlichen Auftritte - allen voran TOMMY, der das Puplikum, egal wo, ständig bis aufs Blut provozierte - entfremdeten wir uns immer mehr voneinander, trotz dem gegenseitigem Riesenrespekt.Als Drummer Biffi dann auch noch zum Bund musste und wir mit dem Amon Düül-Drummer Deny Fischelscher die letzten beiden Gigs spielten - zerbrach die Band punk-traditions-gemäss, um für jeden von uns selber glaubwürdig zu bleiben. Zudem wollte TOMMY weg vom Punk und mehr in die düstere Avantgarde wie Roxy Music oder Talking Heads. Ich dagegen wollte Power & Fun wie die Ramones oder Damned. Die letzten Songs wie Gas Gas Gas oder Lebendig sang ich eh schon meist selber, da Tommy kein grosses Intresse daran hatte. Mein letzter Song in dieser Ära war dann eine Nummer, die später sehr bekannt wurde unter dem Titel "Ich bin ein T-Shirt". Da war der Ofen aus... und der Song ging später eine viertel Million mal über die Ladentheke )))
Wir arbeiteten eng mit den recht coolen AMON DÜÜL-Leuten zusammen, die auch öfters unsere Konzertagentur waren.

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Und es begann:

Okt. 1978 / Klappe (Filmpublikum)

Es begann wie ein Paukenschlag - einem Sargnagel auf das Grab des Münchner Krautrock. Pflügten PACK schon einige Monate vorher den musikalischen Boden kräftig um, waren wir zu Lemkes Filmparty samt seinen verkoksten Kumpanen ins Schwabinger Szenelokal KLAPPE eingeladen.
Wir wollten unsre 16 Sonx in den rauschenden Sumpf brettern, doch schon nach 4 Smashern kam die Polente - und zog den Stecker raus. Debüt gelungen - Patient tot !

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Nov.1978 / Sportscheck (Tennispublikum)

Wir durften im Squashcenter vom Sport Scheck in Unterföhring Vorband vor den "bekannten" ERDINGER MOOSROCKER machen. Auweh, keine Reaktion. Wir schrien rum, rockten, provozierten und ich rollte mich am Boden samt Bass... Naja, wir überlebten.

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Dez.1978 / Hilton Hotel (Komparsen+Hotelgäste)

Die Vollgaudi! Wir spielten "Smiling Slits" (späteres "Susi Schlitz") wieder & wieder im Foyer für den Lemke-Film vor hundert tobenden Komparsen, erstaunten Nobelhotelgästen und witzigerweise vor einigen Krautrock-Gästen von Kraan, Eloy & Scorpions, die bewundernd irritiert zuglotzten. Wir wurden so wild, dass Günther B, voll in ne Kamera rotzte. Danach gings samt Anhang zum Büffet wo wir mit einem gebratenem Truthahn durch die Flure Fussball spielten. Das wars dann mit der Filmkarriere. Lemke meldete sich NIE mehr ! hahaha )))

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Jan.1979 / ASV Halle Dachau (Krautrockpublikum)

Diesmal waren wir als Vorgruppe von FRANZ K. ("Wir haben Bock auf Rock") in einer Riesenhalle gebucht, die grad mal ca. 70 Leute dann drin hatte. Die ollen Krautrocker waren eben langsam Out of Time und wir rotzten ein kompakten Gig runter samt Zugaben erstmals !

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Jan.1979 / Rigan Club (Literatenpublikum)

Marianne Sägebrecht machte immer den MAD MONDAY im Rigan Club und präsentierte Skuriles. Diesmal sollten wir (ganz leise) improvisierend die literarischen Underground-Lesungen vom angesagten Szeneautor RICHARD L. WAGNER mit Klängen(!) untermalen. Da wurd aber nix draus, denn wir bretterten wie gewohnt los und niemand hörte mehr das zarte Flüsterstimmchen des verzweifelten Autors. Dann wollte das Publikum nur noch uns und Wagner schlich deppremiert von der Bühne. Unser größter Erfolg bisher, und nun waren wir in der Oberliga. Richard Rigan wedelte aufgeregt mit einem Hunderter(!) vor unsrer Nase und flehte: "Spuits no zwoa Stücke, sonst hauns ma den Laden zam !"

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Feb.1979 / Rigan Club (Flamencopublikum etc.)

Pate Richard Rigan hatte uns daraufhin sofort für den nächsten Monat gebucht und der Laden war glaub ich platzend voll. Es spielte mit uns eine spanische Flamencogruppe. Kamen nur mittelmässig an - vergessen, verdrängt...

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Feb.1979 / Heidenheim-HG Aula (Hippies + Schülerpublikum)

Unser erster auswärtiger Auftritt sollte zum Prototyp unserer Punkrock-Mission werden. Die Düüls hatten ihn vermittelt aus ihren alten Erfolgstagen. Und da standen wir auf der Bühne und legten den Arsch los vor einem auf Schulstühlen sitzendem Heer in grünen Parkas steckenden, langhaarigen Gymnasiasten. Auf ihren Jacken mit Filzer stand Jethro Tull oder Genesis geschmiert. Das sollte ihnen schnell vergehen! Ich spielte wütend in meinem gewohnten SS-Ledermantel mit dem Rücken zum Puplikum. Unsre Roadies malten die Tafeln voll und begannen, die Leute völlig surrealistisch zu "unterrichten"(!), und Tommy Davis sprang nach kurzem in die träge Meute, und riss jeden vom Stuhl hoch und pogte mit ihm. Wie eine Seuche, eine Kettenreaktion durchzuckte die Punkrock-Energie die kleinen Leiber und alles tobte, pogte und haute die Stühle zu Klump. Die Lehrer flüchteten vor Angst vor ihren eigenen entfesselten Schülern. Später erfuhren wir, dass viele davon danach Punks geworden sind. (nicht die Lehrer, ihr Kannen)

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Feb.1979 /Stadt AU/ Discothek IN IN (Discopublikum)

Wow, hier gabs Mücke (800 Mark) - irgend ne windige Konzertagentur probierte uns mal aus. Bauerndorf-Disco, wo wir total untergingen und nicht einen Blumentopf ernteten im Discorund auf der Tanzfläche vor entsetztem und genervtem Glitzerpuplikum. Statt Blumentopf versuchten Biffi und ich besoffen noch, einen Riesengoldspiegel "abzustauben". Doch der Besitzer griff unmissverständlich ein, und wir waren froh, keine Schläg bekommen zu haben - dafür ne Menge Geld für kleine, lustige, irre Punks )))

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(???) 1979 / CRASH (kein Publikum)

Wir waren so krass chaotisch, das wir doch glatt den gebuchten Auftritt im Rock-Club CRASH (mit DJ Thomas Gottschalk) VERGASSEN(!!!). Ich las es ein paar Tage später in nem Stadtmagazin, das wir dort spielen sollten - die andern Bandkumpels wussten gar nix. Jedoch die paar Münchner Punks, die dort verzweifelt auf uns warteten - vergeblich. That's Punkrock! Drauf gschissn...
Der selbe Scheiß ereignete sich kurze Zeit später, als in den Zeitungsanzeigen THE MARIONETTES im Cirkus Krone-Bau spielen sollten. Wir lachten nur herzlich drüber !

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März 1979 /2 x Loft (Punk + Skapublikum)

Einer der grandiosen Höhepunkte unserer kurzen Laufbahn. Die Stadtzeitung sponserte ein 2-Tages-Festival mit der angesagten Ska & Reaggaecombo THE NIGHTHAWKS, und den Pubrockern TONY TITT & THE TORPEDOS (bei denen ich später 3 Jahre mitspielte). Wir hatten schon einen kleinen Kultstatus, und die Hütte - eine Art Kunstartelier - war knallvoll. Wir spielten um unser Leben und räumten beide Tage ab, wie wir es noch noch nie erlebt hatten. Die anderen beiden Bands hatten keine Chance, und ein orgiastisches Pogo-Happening zwischen Puplikum und uns brach den ganzen Abend hindurch. Welch ein Wahnsinn! Jetzt standen wir dort oben und schenkten den Kids ein. Noch vor einem Jahr standen wir selber noch da unten und linsten mit offenen Mündern Bands wie The Clash, Damned, Pack, Stranglers oder Ultravox. Erinnerungen die ich mein ganzes Leben nicht vergessen werde. Eine skurrile Subkultur entfaltete sich unaufhaltsam. A New Generation was born !
(und das Loft musste alles neu tapezieren - veranstaltete 20 Jahre keine Punkkonzerte mehr).

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März 1979 / Schwabingerbräu / mit JAPAN / (Glampublikum)

Lothar Meid checkte den Riesengig als Support vor den symphatischen aber strangen Glam & Avantgarderockern JAPAN aus England, die alle aussahen wie aufgebretzelte Tussis. So einen brutalen, verzerrten, megalauten Sound hatten wir noch nie. Kam gut an - und wir merkten, dass wir uns auch auf einer grossen Bühne wohl fühlten und souverän aufspielten.

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April 1979 / Rigan-Club / (Teddyboypublikum)

Zusammen mit den TORPEDOS spielten wir wieder im kultigem Rigan-Club. Teddyboys, Petticoats, Zuhälter & Säufer waren zugegen. Aber ihnen gefiel's - und uns auch. Es gab dank unseren Verbündeten-Kommunikationen nie einen Krieg zwischen Teds & Punks. Wir vertrugen uns (auch wenn jeder den anderen leicht lächerlich fand) grins...

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April 1979 / Rigan-Club Dachau (Rockerpublikum)

Ein kultiger - für viele heute noch unvergesslicher - Nachmittagsauftritt(!) in der Dachauer Rockn Roll-Boatzn. Heute waren die Kuttenträge und Clubjacken dran mit ihren bedrohlichen Rockervisagen und Iron Maiden oder Judas Priest-Aufnähern. Zuerst wollten uns einige von ihnen prügeln, mitten unterm Auftritt. Nur Pech für sie, dass unser Roadie MIREK (späterer Sänger von THE WANKERS mit Tommy Tosser und ZSD-Seppi) ein gnadenloser Hauer war, und so "schlugen" sie sich lieber auf unsre Seite und einige wurden unsere treuesten Fans. Kult! Immer wieder gab es bei diesem voll nach vorn gespielten Power-Gig Unterbrechungen zwecks Raufereien, wo wir die Meute beruhigen mussten. Aber es gab keinen Kompromiss, und wir putzten ihnen allen die schmutzigen Ohren... bis sie uns wie Hündchen aus der Hand fraßen. CONDOM und SCUM waren auch zugegen - sie sind unser Zeuge (lach). Unsre Botschaft war PUNKROCK - obwohl wir unseren Sound immer NO WAVE nannten !

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Juni 1979 / MILB (Alternativpublikum)

Das Milbertshofener Stadtteilzentrum lag 20 Meter gegenüber unseres Übungsbunker - und was lag näher als dort einmal aufzuspielen? Das versiffte Teil war damals noch nix Punk sondern von BLATT-Leuten und politischen Freak-Anarchos besetzt. Wieder mal Arsch abgespielt und keine Reaktion kommt. Da wurd ich so wütend, dass ich auf meine riesigen Bassreflexboxen kletterte und beim Spielen ihnen meinen nackten Arsch entgegenstreckte. Ohne Erfolg - ohne Reaktion. Die Kasperln waren sicher nicht unsre Freunde - und für mich elitär und tot. Jahre später gings ganz anders im Milb ab und es wurde ein geiles Punkzentrum - bis die "Sons of Devil"-Rockerbande alles zertrümmerten, samt vielen unschuldigen kleinen Punks. FUCK OFF!

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Juli 1979 / DAMAGE-CLUB / (Punkpublikum !!!)

Sage und schreibe zum ersten und einzigen (!) Mal spielten wir heute vor einem reinen taffen Punk-Puplikum. Im legendärem Punkrock-Club DAMAGE beim Schlachthofviertel. Einige Wochen vorher rockten schon die Kollegen von SCUM erfolgreich eine kultige Punkperformance. Ich war im Damage sonst ja eh DJ und freute mich, voll dort loszulegen. Doch, oh Graus... unser leicht psychophatischer Sänger begann das Publikum übel zu beschimpfen ("ihr Modewichser, ihr lächerlichen Pseudopunks"). Leider war er da im völlig falschen Film und hatte wohl schlechtes Koks geschnupft. Jedenfalls mussten Roadieschrank MIREK und ich, mit ausgeholtem Bass, Tommy aus dem Mob retten, der wütend den Depp beinah "lynchen" wollte. Es war so endpeinlich - danach hatten wir einen Scheißruf in der Szene als arrogante Modepunks - Scheiße, scheiße !

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Juli 1979 / Erding / Tiffany-Disco (Bundeswehrsoldatenpuplikum)

Das war der Knaller. Wieder über diese spezielle Disco-Agentur landeten wir abermals für ne Wahnsinnsgage in einer gschissnen Dorfdisco, wo heute zudem eine Marilyn Monroe-Wahl stattfand. Das Publikum bestand zum Großteil aus angesoffenen Bundeswehrsoldaten in weißen Hemden, aus der nahegelegenen Kaserne. Ein Schock - nix passte weniger als THE MARIONETTES dort hin. Und es wurde ein Skandalkonzert, wo ich mich auch noch prügelte unterm Spielen mit (dem einzigen) Punk auf der Tanzfläche (er hatte mir vorher den Bass um "die Ohren" gehaut). Danach warn wir wieder gut - aber das Publikum nicht - und der Discobesitzer schon überhaupt nicht. Denn unser US-Tommy beschimpfte brüllend wie verrückt alle Leute als "ihr Bauerndeppen" und bespuckte sie! Die Misswahl wurde ein Desaster, und wir mussten durch einen Spalier von weißen, zornigen Bundeswehrhemden wie bei einem Spießrutenlauf unsere Amps raustragen. Der deppert Tommy - der den Bus fuhr - rumpelte auch noch kräftig gegen einen Pkw. Nix wie weg! Das wir nicht dort ermordet und verscharrt worden sind, grenzt an ein Wunder (lach). Der Besitzer ging dann an die Presse und berichtete erzürnt über alles was geschah. Ab da waren wir wieder beliebter und hatten unsern "guten" Ruf wieder zurück.

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August 1979 / Yes-Disco (Zuhälter)

Der letzte gut $$$-dotierte Discogig der strangen Agentur war in Schwabings Zuhälter-Treff YES - das ehemalige Big Apple aus Hippiezeiten. Nun spielte auch schon DENY mit an den Drums für Biffi, der ja nun Soldat für 18 Monate war. Zum Glück hielt Tommy diesmal seine Schnauze, und wir spielten lieber etwas gesitteter + rockiger auf, um nicht im Rollstuhl zu enden. Den Luden taugte es. Denen is eh alles wurscht, solang ihre Hasen gut anschaffen.

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September 1979 / Schwabinger Bräu / mit POLICE (Reaggae + Wave + Poppublikum)

Der letzte Schrei! Wir hatten uns schon untereinander zerstritten. Der so wichtige Drummer und das Herz der Band BIFFI, war beim Bund, TOMMY DAVIS nahm zuviele Drogen und wurde arrogant, und die fertig aufgenommene LP kam auch nicht raus. Wir waren voller FRUST! Dieser sollte sich heute entladen, und zwar als Vorband von POLICE, die gerade übel angesagt waren und noch eine Art "Punk-Image" innehatten. Zuerst mal mussten wir 100.- Mark für Licht & Mixer blechen, da wir ansonsten im Publikum spielen hätten können und nicht auf der Bühne (Abzocker). POLICE waren unnahbar, arrogant und zum Kotzen. Wir spielten teuflisch gut an diesem Abend und die über 1000 (!) Leute waren begeistert. "Blöderweise" sah ich auch noch aus wie STING, mit meinen blonden Stachelhaaren im grünem Fliegeroverall am Bass. Es war das letzte Aufbäumen, das letzte Brüllen einer fantastischen und grossen Band. Das ist keine Angabe. Selbst die späteren, weitaus erfolgreicheren MARIONETZ, stufe ich nicht so hoch ein wie die Ur-THE MARIONETTES (mit dem selben Schicksal, sich wie auch Amon Düül I.+II. später in 2 verschiedene Bands zu splitten). THE MARIONETTES waren der betonierte Grundstein für alles, wahrlich alles, was ich später und bis heute musikalisch kreirt habe. Obwohl ich nie mehr diesen typischen Stil spielte und obwohl die Band nur ein gutes Jahr bestand, war das Erleben und all die Erfahrungen unvergleichlich. Und POLICE spielten wir fast an die Wand. Erst nach einiger Zeit konnte sich das Puplikum halbwegs auf die englische Supergroup einstellen. Wir pissten ihnen ins Waschbecken ihrer Garderobe, soffen ihren Cognac, duellierten uns mit ihren Trauben... und flogen raus. Mussten im Puplikum bleiben, und die gesamte Tour - auf der wir als Support gebucht waren - wurde gecancelt... und wir lösten uns auf - für immer !
STING sagte noch abwertend, dass wir eine schlechte drittklassige Kopie der Sex Pistols wären. Einen besseren Grabsteinspruch hätte man uns kaum geben können.

THE MARIONETTES WAREN TOT !
= R.I.P.=

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HEUTE:

Spielt Biffi Bass bei den RHYTHMISCHEN BEOBACHTERN, die niemals Konzerte geben.
Gitarrist+Kumpel GÜNTHER B. traf mit 34 Jahren der Schlag (beim Abspülen).
Ich hab mich mehr oder weniger musikalisch "zur Ruhe" gesetzt und TOMMY DAVIS ist längst wieder in Los Angeles, wo er zwischen "Psychatrie" und Superstars recht crazy lebt. (Er rannte mal mit gezücktem Revolver wild durchs ganze Haus, bis die Familie floh und die Bullen ihn festnahmen).
Er trifft sich regelmässig mit Slash, Iggy Pop oder David Bowie und sagt, wenn wir mal telefonieren, immer noch: "Sigi, jetzt gehts los. Jetzt überziehen wir die Welt mit THE MARIONETTES und Punkrock !"

"Träum weiter, alter Freund!"

Sigi

Besetzung

Tommy Davies - Voc., Git.
Befeen - Drums
Günther B. - Git.
Sigi Pop - Bass, Voc.

Diskographie

Album

  • Memories 1978-79 LP, Hörsturzproduktion 2014

EP

  • The Bad White Punks 7", Incognito Records 1993 

Compilations

  • Muenchen: Reifenwechsel leicht gemacht LP, Lächerlich 1981
  • München In Punk-Rock 1979-82 LP, Loud, Proud & Punk Records 1996
  • Freizeit '81 CD, Schlecht & Schwindlig 1996
  • Mia san dageng! Single-CD, Aggressive Noise 2007
  • Mia san dageng! Teil 1 Hits und Schmankerl CD, Aggressive Noise 2007
  • Mia san dageng! Teil 2 Raritäten und Spezialitäten CD, Aggressive Noise 2007
  • Mia san dageng! Punk in München DVD, Aggressive Noise 2008

Weblinks

https://www.facebook.com/MarionetzFanseite

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