Interview mit Screed

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Nachdem hier vor ein paar Monaten eine vielversprechende DEMO-CD der Münchner Band SCREED im Briefkasten lag, mit der Botschaft 'Wir wollen spielen, spielen, spielen!' und rundum rasend schnell etliche Konzerttermine für die Band vermeldet wurden, war ich sehr gespannt, was die vier sympathischen Jungs auf der Bühne präsentieren. Zum ersten Mal erwischte ich sie live bei der Soilent Gelb Punkwiese im Sunny Red, danach gleich noch einmal bei der Midnight-Gig Reihe im Backstage. Mit Screed hat München eine junge Band, die fetzigen, frischen Punkrock macht - unbedingt hörenswert! Die Band bringt ihre erste Veröffentlichung im Eigenverlag an den Start, mit Release-Konzert am 16.10.09 in der Münchner Tonhalle. Hier ein Interview vom 03.10.09 ...

Dieses Interview erscheint auf der Punk-in-München Seite, daher lauten die ersten paar Fragen:  Was fällt euch zum Thema Punk ein? Was zum Thema München? Und was schließlich konkret zum Thema Punk in München?

Stocki (Bass / Gesang): Punk ist für mich in erster Linie die Musikrichtung, das stockibedeutet für mich am meisten, und in dem Sinne ist Punk für mich also ‚Punkrock’. Früher, so mit 14, da war ich wirklich so ein kleiner Punk, da bin ich mit gefärbten Haaren durch Würzburg gerannt. Irgendwann dachte ich mir aber: ‚Naja, die ganze Rebellion, das ist ja alles schön und gut...’ – und mit zunehmendem Alter, ich bin jetzt 27, da bin ich dann etwas gesetzter geworden... Aber die Musikrichtung, das ist mir auf jeden Fall geblieben. Was kann ich zu München sagen, hm. Von außerhalb hört man ja immer, dass in München alle so oberflächlich sind, alle sind Snobs und so weiter – aber sobald man in München wohnt, merkt man, dass es eigentlich gar nicht so ist. Klar, es gibt immer ein paar Leute, wo man sicht denkt: ‚Mensch, mit dem kann ich jetzt einfach nichts anfangen, das ist ein Schnösel – oder sonst was.’ Aber generell ist München eine schöne Stadt zum Leben, ein bisschen teuer vielleicht... Ich mag München auf jeden Fall, ich lebe jetzt seit sechs Jahren hier. Was ich an der Punkszene oder an der Punkmusik-Szene in München schade finde ist, dass es wenige englischsprachige Punkbands gibt. Ich habe das Gefühl, das beschränkt sich hier hauptsächlich auf den Deutsch-Punk – das finde ich sehr schade, denn ich kann mit englischsprachigem Punk einfach viel mehr anfangen. Ansonsten – na ja – wenn man mal weiß, wo man hingehen kann, ist die Szene hier schon ganz schön. Es gibt so ein paar Orte, wo man immer wieder mal gerne hingeht, zum Beispiel das Kafe Marat...

Flo (Gitarre / Gesang): Punk ist auch für mich hauptsächlich die Musik, und nicht unbedingt mehr die Aussage dahinter oder sagen wir mal: die Inspiration für Punkmusik,flo die damals so dahinter steckte, als alles in den Anfängen war. Bei mir war es so, dass ich über meine älteren Brüder in den 80er Jahren so Sachen wie die Toy Dolls mitbekommen habe. Das war Musik, die mir damals schon sehr gut gefallen hat – und da bin ich dann drauf hängen geblieben. Später, in den 90ern, kamen dann NOFX, Lagwagon, Pennywise – die ganzen kalifornischen Punkbands eben dazu. Das hat sich so durch meine ganze Jugend gezogen, hatte ja eigentlich in der Kindheit schon angefangen... Es ist so, dass mir wirklich eher die Musik gefällt, dass ich nicht unbedingt sagen würde: ‚Ich hab jetzt da auch eine politische Ausrichtung gefunden, der ich mich total anschließen würde.‚ Bei mir steht die Musik im Vordergrund. Natürlich habe ich kein Problem damit, wenn Leute im Punk diesen politischen Hintergrund finden und vertreten. Aber, was ich schade finde – und damit sind wir auch schon beim Thema Punkszene in München: Wenn ich auf Konzerte gehe, werde ich manchmal schon despektierlich angeschaut, nach dem Motto ‚Was willst denn du Spießer hier!’ Das finde ich wirklich schade, dass das so läuft. Ich bin auf vielen Konzerten, gehe viel auch selbst so weg – das ist nur sehr blöd, dass man sich allein wegen seines ‚normalen’ Aussehens dann wirklich ein bisschen ausgeschlossen vorkommt. Ich finde, das ist auch eine Uniformierung, so muss man aussehen, sonst gehört man nicht dazu oder was... Das will ich nicht, ich will ich selber sein. Die Leute sollen mich so tolerieren, wie ich bin. Zu München grundsätzlich: Das ist die Stadt, in der ich geboren und aufgewachsen bin, ich bin ziemlich extrem ‚München-Fan’. Konkret komme ich aus Moosach – bin sozusagen auch ‚Moosach-Fan’… Achja, mein Alter: ich bin 29.

Mark (Schlagzeug): Bei mir ist es so, dass Punk auf jeden Fall eine Lebenseinstellung ist und die Punkmusik auf jeden Fall das Mittel, um diese Lebenseinstellung unters Volk zu bringen. Punkmusik hat für mich mit 14 angefangen, da bin ich in die Punkszene gekommen – das war’s dann. Angefangen hab ich mit Deutschpunk, danach bin ich auch zum englischsprachigen Punkrock gekommen. Ich bin dementsprechend mit Iro rumgelaufen und – na ja – mit allem, was halt so dazugehört. Irgendwann, so mit 18, hab ich mir den Iro markabrasiert, bin ein bisschen neutraler geworden und hab mich auch um andere Sachen in meinem Leben gekümmert – statt immer nur zu trinken oder sonst was zu machen. Punk in München – das ist schwer zu sagen. Ich bin erst vor eineinhalb Jahren nach München gekommen, stamme aus Arnsberg, das ist so 50 Kilometer südlich von Dortmund, also grob gesagt Ruhrgebiet, aber da möchte ich mich eigentlich nicht dazuzählen lassen, denn das ist ja schon Sauerland... Im Sauerland, da gibt es ziemlich viele Punks. Man wird zwar überall blöd angeschaut, aber irgendwo respektieren einen die Leute einfach. Punk in München, das sieht man sehr, sehr wenig! Also, wenn ich so durch München laufe, ich glaub, ich hab echt in den eineinhalb Jahren nur drei oder vier Punks gesehen. Gut, wenn man am Tierpark, an der Isar spazieren geht, da sieht man die Kiddies dort rumhängen – aber es ist eben nicht wie in Berlin oder Hamburg oder Köln. Dementsprechend kann ich Punk in München relativ schlecht beschreiben, ich finde, Punk ist hier nicht up front, ist nicht repräsentativ. Ich finde das ehrlich gesagt ein bisschen schade, aber vielleicht liegt es auch daran, dass München so als ‚schicki-micki’ betitelt ist. Das war das Erste, was ich gedacht hab, als ich hierher kam: ‚Oh Fuck, die totale Spießerstadt – magst du hier überhaupt wohnen?’ Mittlerweile will ich hier überhaupt nicht mehr weg, ich fühl mich hier wohl, ich habe in den eineinhalb Jahren auch Leute kennen gelernt, die mir echt ans Herz gewachsen sind, mit denen ich mich super verstehe. Man muss irgendwie erstmal länger hier sein, um quasi Anschluss zu finden und um akzeptiert zu werden. Ich bin der Jungspund der Band, 22 Jahre jung.

Benni (Gitarre / Gesang): Ich bin - ähnlich wie der Stocki - so mit 12, 13, 14 Jahren mit Iro und Lederjacke und allem, was dazu gehört rumgerannt. Ich bin ursprünglich aus Karlsfeld, bin da über die Skaterszene so in den Punkbereich reingekommen. Hab Mitte bennibis Ende der 90er Jahre auch angefangen, das ganze kalifornische Punkzeug so ziemlich alles abzugrasen. Relativ bald hab ich dann damit angefangen, selbst Punk zu machen, also selbst in Bands zu spielen. Zum Abi hab ich dann eine kleine Pause mit Bandtätigkeit eingelegt, und bin in der Zeit auch etwas gesetzter geworden, was Kleidung und ähnliches betrifft. München ist meine Heimatstadt, auch wenn ich eigentlich Dachau zugehörig wäre, fühle ich mich doch München sehr viel mehr verbunden. Zur Punkszene in München, die find ich eigentlich ziemlich cool, auf Konzerten und so trifft man immer relativ sympathische Leute. Der einzige Wermutstropfen ist, dass man ab und zu wirklich das Gefühl hat, dass die Toleranz, die gepredigt wird, nicht tatsächlich umgesetzt wird von den Leuten selbst. Das heißt, man wird schon ein bisschen komisch angeschaut, wenn man zum Beispiel nicht mit den abgefucktesten Klamotten ankommt oder so. Wenn das Eis mal gebrochen ist, wenn man dann mal ins Gespräch gekommen ist, dann ist das aber immer wieder super – da kann man überhaupt nichts sagen.

Mark (Schlagzeug): Also das mit den Vorurteilen, von wegen: ‚Hey, du siehst nicht aus wie ein Punk, also verpiss dich!’ – also das kann ich leider nur bestätigen. Gerade, wenn man nicht Punkrock-like aussieht, also Skater, Hip-Hop, normal oder was immer, wird man schon schnell komisch angeschaut und auch nicht wirklich akzeptiert. Wenn man aber mit älteren Leuten zu tun hat, die früher auch als Punks rumgelaufen sind, mit Nietenjacke, gefärbten Haaren, Iro und so – die hatten damals alle ihren eigenen Style, im Gegensatz zu dem, was heutzutage eben teilweise zu sehen ist. Man putzt sich heutzutage total raus als Punker, Hauptsache, der Iro steht top, Hauptsache auffallen. Aber wenn man mit älteren Leuten zu tun hat, da merkt man, dahinter steckt verdammt viel mehr als einfach nur das Aussehen. Es geht um das, was im Kopf los ist, und nicht nur darum, was man nach außen trägt. Deshalb finde ich es wirklich blöd, dass man in der Szene teilweise eben nicht akzeptiert ist, weil man normal aussieht.

Wie sieht euer musikalischer Hintergrund aus, in welchen Bands habt ihr vorher gespielt?

Stocki (Bass / Gesang): Also ich habe in Würzburg schon seit ich 17 war in einer ähnlichen Band wie Screed gespielt, also englischsprachigen Punkrock gemacht, 'Fate in SixPaxx' hießen wir damals, haben auch mehrere Konzerte gespielt und mussten uns dann auflösen, weil ich nach München gegangen bin und unserer Schlagzeuger nach Zürich. Das war so meine Banderfahrung, dann hatte ich zwei Jahre Pause, bevor wir uns mit Screed zusammengetan haben.

Flo (Gitarre / Gesang): Ich hab mit 13 klassische Gitarre gelernt, dann war mir das aber zu langweilig. Ab 14 hab ich dann mit einem Spezl, der Bass gespielt hat, und einem anderen, der irgendwoher ein Schlagzeug anschleppte, bei meinen Eltern im Keller ein bisschen gejammt. Das war nicht wirklich ne Band, da gab es nicht wirklich ein Ziel und wir haben auch keine Lieder geschrieben, sonder eher Coverversionen gespielt von irgendwelchen Songs, die uns gefielen. Das lief ne Zeitlang und dann verlief es wieder im Sande. Dann hab ich ziemlich lange alleine immer Gitarre gespielt – hatte auch viel Hausarrest in der Zeit ... Jaaaa, ich hatte wirklich lange Zeit, Gitarre zu lernen, indem ich mir irgendwie ne CD von Millencolin reingeschoben hab, mir das angehört hab, mir die Akkorde abgehört etc. – das war meine Band sozusagen, diese CD, die ich zuhause hatte. Erst mit 20, 21 hat mich dann eine Freundin angesprochen, die meinte, sie will jetzt Gitarre lernen, ob ich nicht Bock hätte, in einer Band mitzuspielen, sie hätte auch schon einen Schlagzeuger an der Hand und einen Bassisten. Da war ich dann sehr froh, denn ich hatte früher immer ein Problem, Leute zu finden, die mit mir spielen – ich hatte schon immer Lust dazu gehabt, aber das hat sich nie ergeben. Also fingen wir an, so zu spielen, dann hat sich der Schlagzeuger verabschiedet, dann kam ein neuer, dann ging der Bassist, es kam ein neuer – ständig gab es irgendwelche Wechsel. Bis dann der Stocki dazukam und sich nach und nach alles fügte, bis wir in der jetzigen Formation zusammen waren. Ich muss dazusagen, es ist heutzutage schon um einiges leichter, z.B. über Lokalisten oder andere Internet-Portale nach Musikern zu suchen, als es früher irgendwie war. Da hab ich echt händeringend nach jemandem gesucht, aber außer Zeitungsanzeigen gab es nicht viel.

Benni (Gitarre / Gesang): Ja, da hat man am schwarzen Brett in der Schule was ausgehängt und wenn sich keiner meldete, hatte man echt ein Problem!

Mark (Schlagzeug): Bei mir hat es so mit 14, 15 angefangen, da hab ich auch mit ein paar Freunden zusammengespielt, Coverversionen gemacht von allen möglichen Punkbands bis hin auch zu normaler Musik, Rockgeschichten. Mit 17, 18 will man dann irgendwie was Ernsthafteres machen, bei mir waren das die Diletantitos - abgeleitet von Dilettanten. Das hat sich eigentlich erst aufgelöst, als ich nach München gegangen bin. Wir hatten auch was aufgenommen, das war auch gut, ist aber nie groß gepresst worden oder so. Dann kam ich nach München und wurde vom Benni über Lokalisten angeschrieben – und seitdem bin ich bei Screed in der Band.

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Benni (Gitarre / Gesang): Ich hab mit 11 oder 12 angefangen Gitarre zu spielen, auch die schöne klassische Variante. Das war mir aber bald zu langweilig, also bin ich auf E-Gitarre umgestiegen. Mit einem Kumpel hab ich dann auch im Keller angefangen Musik zu machen, er hat Bass und ab und zu ein bisschen Schlagzeug gespielt, wir haben halt auch gecovered. Irgendwann kamen ein fester Schlagzeuger und ein zweiter Gitarrist dazu, und wir hatten als No Excuse auch ein paar Auftritte im Dachauer Landkreis und in Karlsfeld. Als der Schlagzeuger zum Bund musste, hat sich das zerschlagen, weil es keinen passenden Ersatz gab. In Karlsfeld hab ich dann mit einer anderen Band ne Zeit lang Musik gemacht, das ging aber dann schon fast so in die Metal-Richtung, aber wir kamen nie aus dem Proberaum raus, hatten uns, glaub ich, nicht mal nen Bandnamen überlegt. So mit 18, für Abi und Ausbildung und so weiter, hab ich, wie gesagt, mal ne Pause eingelegt, bis ich irgendwann zu den Jungs stieß – na ja, und jetzt halt Screed. Der Mark ist etwa eineinhalb Jahre dabei, wir drei anderen spielen jetzt etwa knapp drei Jahre zusammen, hatten vorher einen anderen Schlagzeuger. 

Was in München gerade bei den jüngeren Bands auffällig ist zur Zeit: die Lücke ‚Amerikanischer Punkrock’ wird momentan schön langsam gefüllt. Zum Beispiel gibt es ja die Gumbabies, die natürlich ganz anders klingen als ihr und eine andere Ecke besetzen, eher so in Richtung amerikanischer New Punk. Bei euch fallen einem eher Queers oder Screeching Weasel ein ... Woher kommt dieser relativ neue Trend zum amerikanischen Punk, was meint ihr?

Mark (Schlagzeug): Momentan ist es generell sehr populär, so Skatepunk und Streetpunk zu machen, weil das einfach auch durch die ganzen Labels gefördert wird. Die Teenies fahren da voll drauf ab, fühlen sich wohl, weil sie auch rumlaufen können, wie sie wollen. Es fällt auch diese Abgrenzung weg, von wegen: da ist der Star und da bin ich. Die Bands sind einfach Leute wie du und ich.

Stocki (Bass / Gesang): Zum andern werden die Leute einfach auch älter. Es wächst eine Generation von Musikern nach, in der die 90er Jahre Musik präsent ist, weil genau das der Sound ist, den wir in unserer Jugend gehört haben. Genau deswegen spielen wir das auch, denke ich. Vor 10 Jahren war die amerikanische Punkrockszene total stark – momentan hat sie ziemlich abgebaut, finde ich – aber jetzt sind wir halt soweit, dass wir genau diesen Sound selbst spielen können.

Benni (Gitarre / Gesang): Ich denke auch, dass das keine Sache ist, die man als Band vorher überlegt, so von wegen: in welche musikalische Ecke wollen wir uns begeben, was für einen Sound wollen wir machen ... Man kann sich selbst ja auch ganz schwer einschätzen, wie man überhaupt klingt, in welche Richtung das nun geht. Man macht das, wonach einem zumute ist, und schaut, was dabei herauskommt. Das wird den anderen Bands wahrscheinlich für sich auch so gehen, man kann sich selbst schwer einschätzen und sich auch gegenüber den anderen Bands schwer positionieren. Da sagt man eben nicht: ‚Okay, wir gehen jetzt in den amerikanischen Bereich rein ...’, sondern das ist eher was Ethnologisches, das haben eben die in ihrer Jugend gehört und sind jetzt eben so geprägt, dass das halt hervorbricht.

Die Songs werden von euch dreien, also Gitarristen und Bassist, geschrieben – und es übernimmt immer jeweils der den Leadgesang, der den Song beigesteuert hat. Wie funktioniert das genau?

Flo (Gitarre / Gesang): Wir bringen die Songs eigentlich schon fertig geschrieben mit,live also es ist nicht so, dass wir Themen hätten und uns zusammensetzen, Brainstorming machen von wegen: ‚Was schreiben wir darüber?’ oder ‚Wie denken wir darüber?’ Jeder verarbeitet seine eigene Welt, sein Privatleben, was ihn halt gerade nervt oder teilweise auch was Politisches, was ihm auf den Nerv geht, und bringt dann quasi den fertigen Songtext mit einer Idee zu den Akkorden in die Band. Das ist dann was die Akkorde angeht noch nicht unbedingt festgelegt, das arbeiten wir zusammen das Ding aus.

Benni (Gitarre / Gesang): Man setzt sich der Kritik der anderen aus, stellt seine Grundlage vor und dann wird dran gefeilt – und auch rumgemotzt...

Mark (Schlagzeug): Eigentlich steht der Song schon, dann heißt es: ‚Das ist alles Scheiße!’ – und bei der nächsten Bandprobe spielt man es noch mal genauso wie vorher und dann passt es.

Benni (Gitarre / Gesang): Ja, das ergibt sich mit dem Abstand, dann macht man noch ein paar kleine Änderungen und dann steht der Song.

Stocki (Bass / Gesang): Aber es wird sich bestimmt bald auch mal ergeben, dass wir alle drei zusammen mal Lieder schreiben... Wir haben gerade das Jammen auch für uns  entdeckt...

Benni (Gitarre / Gesang): Das ist ein guter Weg, um auch gemeinsam mal was auf den Weg zu bringen. Denn jeder hat doch seine eigene Charakteristik, wie er singt und wie er die Songs auch schreibt. Im Prinzip wollen wir versuchen, das alles ein bisschen mehr zu mischen und auch da etwas mehr Vielfalt reinzubringen.

Flo (Gitarre / Gesang): Wir wollen es einfach ein bisschen professioneller angehen…

Wie ist das mit den englischen Texten, macht euch das irgendwie Probleme? Denn das ist bestimmt einer der Gründe, warum es mehr Deutschpunk-Bands gibt: Deutsch ist einfach die Muttersprache...

Stocki (Bass / Gesang): Also ich hab da überhaupt kein Problem. Bei mir ist das so, dass ich einfach einen Gedanken im Kopf hab, das würd ich erstmal auf Deutsch schreiben und schlag dann schon mal nach, was das in Englisch heißt. Aber meistens kommt das auf Englisch – und die beiden anderen sind in Englisch ein bisschen besser, die lass ich dann noch mal drüberlesen, ob das grammatikalisch auch okay ist. Deutsch würd ich genauso gern machen, aber das Songschreiben fällt mir auf Englisch irgendwie leichter. Beim Deutschen hat man eher das Gefühl: ‚Nee, das hört sich dämlich an!’ Beim Englischen kann man sagen: ‚Mei, is halt so!’

Benni (Gitarre / Gesang): Ich finde, dass das Deutsche zum einen, gesungen, eine relativ harte Sprache ist. Der andere Punkt ist, dass man sich im Englischen leichter tut, sich auf die Bühne zu stellen und irgendwas Persönliches preiszugeben, wo man doch weiß, dass das auf Deutsch jeder auf dem erstem Blick gleich kapiert und jede Anspielung gleich verstanden wird. Das ist durchaus auch ein Punkt, im Englischen können die Leute mehr reininterpretieren und es wird alles ein bisschen vielschichtiger – bilden wir uns zumindest ein...

 Am 16.10.09 beim Konzert in der Tonhalle stellt ihr eure erste Veröffentlichung, die EP 'Indiscreed' vor. Wie und wo sind die Aufnahmen für diese CD entstanden?

Stocki (Bass / Gesang): Mein ehemaliger Mitbewohner, der arbeitet in einem Tonstudio, einem Fernsehproduktionsstudio.  Da dachten wir uns, tja, dann gehen wir halt da mal ein Wochenende rein und nehmen mal ein Demo auf. Wir haben dann auch das Schlagzeug an einem Tag eingeprügelt und wollten am nächsten Tag mit dem Rest komplett fertig werden – und mussten merken: ‚Naja, das haut doch nicht ganz so hin ...!’ Aber dann merkten wir auch schon, das Ganze klingt einfach viel besser, als wir selbst gedacht hatten, da wollten wir mehr als nur ein Demo draus machen. Wenn schon, denn schon! Also haben wir uns immer wieder an den Wochenenden getroffen, haben weiter daran gearbeitet und die Songs aufgenommen, immer wieder gemischt, aufgenommen, gemischt ... Insgesamt sind es nun 7 Songs geworden. Im Januar hatten wir angefangen mit dem Aufnehmen, das hat sich jetzt schon ganz schön hingezogen – so dass wir selbst vom jetzigen Stand her teilweise sagen, wir hätten vielleicht ganz andere Lieder, neuere, lieber auf der EP gehabt. Aber auch so ist das eine schöne Scheibe geworden. 

Flo (Gitarre / Gesang): Sonst hätten wir das auch ganz anders aufgezogen, wenn uns das nicht selbst gefallen würde, hätten irgendwie 20 Kopien selbst gebrannt und das Cover selbst ausgedruckt ...


cd-cover-indiscreedTrackliste der Screed EP
'Indiscreed' / VÖ 16.10.09

01 Little Things
02 Life Just Could be
03 In These Silent Moments
04 Full Speed At Least
05 He
06 Never Felt So...
07 Roots Of Revolution

Release-Konzert am 16.10.09
in der Tonhalle / München

Release-Special-Preis:
CD + T-Shirt 10.- Euro


Benni (Gitarre / Gesang): Die EP kommt im Eigenverlag heraus. Wir haben noch kein Label gesucht, sondern wollen mit der EP an Labels herantreten. Mit englischsprachigem Punkrock ist das immer ein bisschen schwierig. Das ist spannend!

Flo (Gitarre / Gesang): Ich bin echt gespannt, wie da die Reaktionen sind, auch wenn wir das an Fanzines schicken und so. Denn es ist immer ne ganz andere Sache, wenn man die Band live sieht als wenn man nur ne CD da hat und sich nichts anderes drunter vorstellen kann als das, was man jetzt gerade hört… 

Tonträger lassen sich ja heutzutage eigentlich nur verkaufen, wenn man auch live spielt. Wie schaut es bei euch beruflich und privat aus, könntet ihr auch auf Tour gehen?

Stocki (Bass / Gesang): Da haben wir auch schon drüber nachgedacht und das haben wir eigentlich auch vor. Wir sind arbeitstechnisch ganz gut eingespannt, oder in Studium oder Schule – aber das müsste immer machbar sein. Man hat ja in der Arbeit auch ein paar Tage Urlaub im Jahr, das kann man sich schon so einrichten...

Benni (Gitarre / Gesang): Kurzfristig ist das schwierig, aber wenn man zum Beispiel weiß, man plant jetzt ne Tour für nächsten Sommer oder so, das ist sicher machbar. Ab nächster Woche zwei Wochen unterwegs – so was wäre mit Sicherheit ein Problem, aber wenn man das ein Stückchen vorher weiß, kann man das sicher machen.

Mark (Schlagzeug): Eine Tour, das wäre eins meiner größten Ziele...

Und welche Bands würdet ihr am allerliebsten supporten?

Flo (Gitarre / Gesang): Das wären natürlich die Bands, die wir selbst gerne hören, die wir in den 90er Jahren gerne gehört haben, das wäre natürlich das Tollste. Klar, so Größen halt wie NOFX oder Pennywise oder was weiß ich... Wir versuchen grade, beim Pennywise Konzert hier im Januar als Vorgruppe reinzukommen – also wenn das klargeht, das wäre schon superklasse!

Benni (Gitarre / Gesang): Da haben wir Glück, dass die Ohren da sind, sonst würden wir außenrum grinsen...

Stocki (Bass / Gitarre): Aber auch mit anderen Bands macht es Spaß, am kommenden Mittwoch spielen wir wieder mit Antillectual im JUZ Karlsfeld, und das finde ich auch sehr, sehr geil. Es müssen nicht unbedingt die großen Vorbilder sein, es reicht schon, wenn es Bands sind, die man selbst auch gut findet, mit denen man gerne redet und abhängt – egal, ob da jetzt 10.000 Leute kommen oder nur fünf.

Mark (Schlagzeug): Ihr redet jetzt immer nur von englischsprachigen Bands – ich hab ja mit Deutschpunk angefangen! Klar würde es mich reizen, noch mal mit Wizo zu spielen, aber die gibt’s jetzt nicht mehr... Also solche Deutschpunk-Bands natürlich auch gerne...

Danke fürs Interview!

Das Interview fand am 03.10.09 vor dem Gig im Backstage statt.
Musik von Screed zum Anhören gibt es natürlich auf ihrer Myspace-Seite
--> http://www.myspace.com/screedpunk

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LIVE! 16.10.09

in der Tonhalle München
zusammen mit den Bands:

- Kollateralschaden
- Mess
- First Class Ticket

Eintritt 7,00 Euro

Tags: Screed