Interview mit Condom zum Bändjubiläum

30 Jahre CONDOM – ja, ist das denn möglich? logo-mit
Hey, die Münchner Garagen-Fun-Punkband CONDOM feiert dieses Jahr ihr 30-jähriges Bandjubiläum! Vor fün Jahren haben sie bei Aggressive Noise ihr Vierteljahrhundert-Bestehen mit einer full-size CD-Veröffentlichung gefeiert und der Welt gezeigt, dass die 79 gegründete, damals quasi Kiddie-Punkband (bis auf Drummer Willi, der durfte schon Auto fahren) zwar erwachsen wurde, aber sowohl musikalisch als auch inhaltlich ihre ursprüngliche Überzeugung beibehalten hat. Wie sieht es heute aus? Hier ein ganz aktuelles Interview...

Tschinge: 'Wer sagt eigentlich, dass CONDOM 30 Jahre alt sind, so alt sind wir auch noch nicht. Rechnet doch mal nach, so 1980 waren wir erst richtig aktiv. 79 haben wir uns zwar kennen gelernt, aber eigentlich ging es doch erst 1980 los.

altWilli: Das war 1979, ich weiß das! Wir hießen zwar nicht von Anfang an CONDOM – zuerst hießen wir 'FROHGESÄNGE', danach hießen wir 'GERMAN COCKS', aber das ist ja unwichtig. Ich hab mir irgendwann gedacht, weil wir ja nur deutsche Texte haben, ist ein englischer Bandname deplaziert – also hab ich mir einen anderen ausgedacht. Möglichst einen deutschen, der aber weltweit ...

Patrick: Hey, der Willi war das Mastermind früher, und wir waren nur die kleinen Deppen!

Willi: ... der aber weltweit überall dasselbe bedeutet. Das war nicht einfach – aber so bin ich auf den Namen CONDOM gekommen.

Patrick: ... ein Geniestreich eigentlich. Aber es stimmt schon: Der Willi war damals das Mastermind, denn wir waren ja wirklich noch kleine Buben.

Tschinge: Ja, ohne Willis Auto hätten wir nicht fahren können ...

Patrick: Also, dann bleiben wir weiter bei den 30 Jahren, obwohl, ehrlich gesagt: Ich hätte das ja alles gar nicht mehr so genau in Erinnerung.

Patrick       Willi, das Mastermind (2.v.l)

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Ich brauch CONDOM, du brauchst CONDOM - jeder braucht CONDOM!

flyer neokellerPatrick: Ich glaube, die Jungen, die stehen auf den alten Style – die hören ja auch die alten Sachen wie ZSD zum Beispiel. Da passen wir gut rein. Mich freut das ja total. Grad damals, als wir im Neokeller gespielt haben, da waren ja nur Kids da, nur junge Punks, kein einziger ‚alter’. Das fand ich schon faszinierend. Heute bin ich erst wieder am Tierpark vorbeigegangen, da sitzen die jungen Punks ja auch immer am Flaucher, an der Brücke – und da konnt’ ich zu meiner Freundin sagen: ‚Den kenn ich und den da auch, und den auch; die kenn ich alle von unseren Konzerten. Die stehen einfach auf dieses Deutschpunk-Zeugs, und das ist genau unser Sound. Zwei Akkorde und Bumm! Bei den alten Münchnern, die zu unseren Konzerten kommen, sind das glaub ich eher nostalgische Gründe... Und die kennen uns natürlich.

Willi: Nicht nur - denen gefällt’s, die kennen die Lieder, die kennen die Texte, die singen da mit, denen gefällt der Sound und die hören sich das daheim auch an, wie man hin und wieder herausbekommt. Ich find das total lustig.

Tschinge: Das ist ein Stück aus ihrer Jugend, genau wie für uns. Wir sind authentisch geblieben – an uns hat sich nichts verändert. Vielleicht verstehen die jungen Punks auch Willis Texte, den Sinn, der da vielleicht dahinter steckt ...

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 Patrick: Diese ganzen neuen Punkbands, die jetzt so bekannt sind – also wie Green Day oder so – das sind ja im klassischen Sinne keine Punkbands mehr. Das ist ein ganz anderer Sound. Wenn man die Bands anschaut aus der Zeit, die heute immer noch aktiv Musik machen, die machen ja jetzt einen ganz anderen Sound. Zum Beispiel der Dose mit SPIKA IN SNÜZZ, die gefallen mir total gut – aber die machen jetzt einen viel moderneren Sound. Die würden so wie wir nicht mehr spielen, auch wenn ihnen das noch gefällt, eben aus nostalgischen Gründen.

Tschinge: Wir bleiben definitiv ganz bewusst bei unserem Sound. Wir hätten ja musikalisch Tausende von Möglichkeiten, aber das interessiert uns ja nicht. Wir sind immer so gewesen und so bleiben wir auch.

Willi: Die sogenannte musikalische Weiterentwicklung, die natürlich viele Bands machen, bringt viele Bands von ihrem eigentlichen Stil und Sound erst mal weit weg. Die merken aber dann, dass das überhaupt nicht funktioniert und kehren dann zu ihrem alten Style zurück. Diesen Schritt haben wir uns gespart ...

Patrick: Wenn man unsere neuen Stücke mit den ganz alten vergleicht, ist ja musikalisch schon auch eine Entwicklung zu hören.

Willi: Ja, die sind musikalisch vielleicht ausgereifter, aber es ist immer noch der gleiche Stil.

Patrick: Ich mein, der Tschinge spielt super Bass, der Peter spielt super Gitarre – die sind ja richtig gut, als Musiker gesehen. Das macht natürlich auch was aus.

Tschinge: Wir können eben dem Stil treu bleiben, weil wir uns anderweitig austoben (man höre z.B. auch  bei 'No Goods' und Bluekilla rein - Anm. d. Red.). Da leben wir dann musikalisch aus, was wir sonst machen wollen.

Patrick: Der Sound bekommt dadurch aber mehr Druck und Power, weil das musikalische Können da ist. Oh mei, wenn ich da nur an unsere früheren Konzerte denke – schon dieses stundenlange Stimmen immer, diaooo, diauuuu, diaoooooooo...

Tschinge: Die Hälfte des Konzertes war immer das Stimmen...

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30 Jahre sind genug? – Nicht für CONDOM!

willi95-wTschinge: Wir hören bestimmt nicht auf! wir haben ja keinen Druck dahinter, wir machen das, weil wir es machen wollen, und weil es uns Spaß macht. Also ist klar, dass das auch so weitergeht. Wir spielen natürlich auch nicht so oft, dass es uns anarschen könnte.

Patrick: Wir üben ja auch nie regelmäßig, wir üben, wenn wir spielen. Solange alle miteinander noch Lust haben ... Ich seh’ das genauso wie der Willi: Wenn irgendwann einer von uns sagen würd, er will jetzt nicht mehr, dann wäre die Band tot. Denn ersetzt wird niemand. Das wäre der einzige Grund für CONDOM, nicht mehr zu spielen. Wir müssen auch nicht viel proben – die Stücke, die wir haben, die können wir.

Willi: Zwei Stunden vor dem Auftritt setzen wir uns dann zusammen ...

Patrick: Was ich ehrlich dazu sagen muss: Wir suchen uns inzwischen auch aus, wo wir spielen. Ich möchte jetzt nicht mehr überall und auf Teufel komm raus spielen – ich finde es schon wichtig, dass es auch irgendwie passt, sowohl von der Location her als auch vom Ganzen Drumherum.

peter94-wtschinge94-wTschinge: Es geht bei uns ja auch überhaupt nicht um den Erfolg, oder darum, irgendwie vorwärts zu kommen. Das können wir uns sparen.

Patrick: Das ist das Angenehme: wir haben überhaupt keinen Druck! Solange uns das Spaß macht und wir Freude daran finden, machen wir das auch.

Willi: Unser Wunsch als Band? 60 Jahre CONDOM!
Tschinge: Das wäre auf jeden Fall erstrebenswert! Und dann dazu noch ne Single raus zu bringen, selbst gemacht.

Willi:
Ja, das ist ein erstrebenswertes Ziel!

Tschinge: Und immer noch im gleichen Stil, nichts dazugelernt ...

Willi: Nein, auf gar keinen Fall.

Patrick: Oder noch mal so ne richtig große Tour. So was haben wir noch nicht gemacht. Keine Ahnung, wohin, vielleicht so was, wie die mit Bluekilla mal gemacht hat: Einfach nach Australien fliegen und dann da spielen.

Tschinge: Das war super.

Willi: Das ist ja keine Tour, das ist ja ein Ausflug.

Tschinge: Das war schon eine richtige Tour: Wir hatten acht Konzerte dort! Acht Konzerte in zweieinhalb Wochen. Wir haben dort schon gespielt, auch mit der dortigen Szene in richtig großen Hallen, ganz gemischt. Das war wirklich irre: Australien in zweieinhalb Wochen, schneller kann man es nicht kennen lernen.

Willi: Es ist ja nicht so – CONDOM wurde in Australien auch schon im Radio gespielt! Es gibt bestimmt da ein paar Fans.

Patrick: Also auf so was hätte ich total Bock, das fänd ich wirklich gut. Was weiß ich, das kann meinetwegen auch Deutschland sein, scheißegal. Einfach nur mal so ne richtige Tour.

Willi: Eine Conquer Europe – Tour.

CONDOM on the road – Historisches und Nostalgisches

Willi: Jaaaa, ich liebe es, in versüfften Schlafsälen zu übernachten, wo ich ne Bindehautentzündung krieg.

Tschinge: Oder wo dich jemand anschifft, wie den Peter bei Bluekilla. Das war der Gitarrist von einer italienischen Punkband, der war total besoffen ... Der will zu seinem Schlafplatz – wir haben alle in einer großen Halle geschlafen, da hatte jeder seine Matratze und sein Zeug hingelegt – und der geht zu Peters Schlafplatz und pisst da voll drauf.

gaga-wienTschinge: Also der Höhepunkt aller Konzerte, das war in Wien, in der Gaga (Gassergasse). Allein schon, dass da die Bullen gekommen sind und alles abriegeln wollten – da haben die Punks dann alle von innen Steine und Flaschen rausgeworfen. Und dann zogen die Bullen wieder ab und haben nichts gemacht! Also so was hab ich seitdem nie wieder erlebt. Normalerweise hätten die alles geräumt ...

Patrick: Das war echt einmalig da. Teilweise war die Gaga ja ganz gut bewohnt, aber teilweise war das da auch so dermaßen abgefuckt! Ich hab irgendwann mal in einem Stockwerk geschlafen – also das wusste ich vorher natürlich nicht – dieses Stockwerk haben die nur zum Pissen und zum Scheißen hergenommen! Das war das große Klo. Wahnsinn! Ich bin am nächsten Morgen aufgewacht und war so dreckig, so schmutzig wie noch nie in meinem ganzen Leben. Ich hab gestarrt vor Dreck, und es gab ja da auch keine Möglichkeit, wo man sich irgendwo hätte waschen können… Es gab echt gar nichts! Erst wieder, als wir in München waren. Da kamen wir dann zurück und haben gleich wieder im Olympiadorf gespielt – bei einem SPD-Fest.

Willi: Noch vor der Gaga, da hatten mich die Bullen aufgehalten, die wollten mich mitnehmen. Das haben aber Punks gesehen, ein paar Wiener. Die sind gleich gekommen und haben die gefragt, was die von mir wollen – und haben tatsächlich verhindert, dass die mich mitnehmen.

Tschinge: Ja, genau das mein ich ja – auch, dass die Bullen wieder abgezogen sind. Das war schon sensationell, das war Freiheit hoch zehn! Ein Stückchen Anarchie ein paar Tage lang gelebt ...

Willi: Das Konzert hätten wir ja sonst vergessen können. Die konnten mich ja quasi nicht mitnehmen.

Patrick: Das wäre ja schlimm gewesen, wenn sie dich mitgenommen hätten. Da wäre ich nie wieder nach Hause gekommen – da wäre ich wahrscheinlich heute noch in Wien.

Tschinge: Und würdest immer noch im zweiten Stockwerk schlafen ...

Patrick: Ja wahrscheinlich – nicht auszudenken ...!

Willi: Du müsstest wahrscheinlich den zweiten Stock putzen!

Patrick: Aber das Konzert, was am weitesten von München weg war, das war in Italien. In der Toscana. Das war gleichzeitig unser erster Gig nach unserer Wiedervereinigung. Wir haben total improvisiert.

Willi: Improvisiert hab ich nur, weil das ein Drecksschlagzeug war. Das war kein Schlagzeug, das waren ein paar komische Trommeln!

Patrick: Das kam so, dass irgendein Typ aus München ein riesiges Haus in der Toscana hatte, echt schön gelegen, aber total in der Pampa. Die haben immer einmal im Jahr ein großes Fest gemacht und dazu damals die NO GOODS eingeladen. Wir sind quasi als CONDOM dann gleich mit. Der Willi war sowieso in Italien, weil er grad beim Drachenfliegen war, der kam dann danach. Ich bin einfach mit und dann waren wir komplett.

Willi: Die hatten dort eine Riesenbühne aufgebaut und Leute kamen aus der halben Welt, osttour-wVerwandte von denen – Wahnsinn.

Patrick: Ja, und da haben wir zum ersten Mal wieder ein richtiges Set gespielt – allerdings auf einem beschissenen Schlagzeug, das muss man echt sagen. Soundmäßig ging’s dann schon. Das Konzert selber war echt lustig.

Tschinge: Früher haben wir nur in München gespielt, und in Ampermoching halt – viel mehr gab es ja auch nicht.

Patrick: Achja, und unsere Osttour – das war Riesa, Dresden und Cottbus. Da waren wir mit den SORTITS und mit SIGI POP unterwegs. Das ist ungefähr 11 Jahre her.

Willi: Ansonsten sagen wir halt viele Konzerte ab ... Ich hab sogar schon Festivals abgesagt, weil keiner Bock hat, da hinzufahren, zu übernachten, keine Zeit ...

Tschinge: Hauptsächlich keine Zeit! Aber ehrlich gesagt muss ich in meinem Alter auch nicht mehr auf irgendeiner Turnmatratze in irgendeinem Saal mit lauter Besoffenen schlafen. Die Zeit ist vorbei – das ist ein Zeichen des Alters, da kann man nichts machen. Das hab ich oft genug erlebt, irgendwann ist das kein Abenteuer mehr.

CONDOM – alle Songs im Internet?

Willi: Es gibt inzwischen offensichtlich alles Mögliche von CONDOM irgendwo im Internet umsonst zum Runterladen. Es gibt Foren, da ist CONDOM veröffentlicht, die voten da für uns – ich wußte gar nichts davon, das hat mir jemand mal letztens erzählt.

Tschinge: Ich finde das okay, das ist ein Zeichen der Zeit und du kannst da nichts dagegen machen. Dabei bin ich ja selbst auch Urheber, meine Sachen werden auch verscherbelt und ich krieg keine GEMA mehr... Trotzdem: das ist okay!

Patrick: Das hat mir auch Bands wie zum Beispiel Metallica total unsympathisch gemacht, wie die gegen Napster vorgegangen sind. Und die Argumentation, die geherrscht hat, das fand ich schrecklich. Gerade die, die schon so Millionen einsacken ohne Ende, wenn die dann gegen Downloads so extrem vorgehen, so scharf vorgehen... Also mir ist das bei unseren Songs total egal – wie Tschinge richtig sagt: das ist ein Zeichen der Zeit.

Tschinge: Das kann doch jeder sehen, das ist inzwischen eben Allgemeingut geworden, da kann man nichts daran ändern, du kannst nicht jeden Internetnutzer potentiell kriminell machen und Millionen Leute deswegen verhaften. Die Musik hat den Wert, den sie früher mal hatte, verloren. Das ist vorbei, das muss man sehen, das kann man nicht ändern – und man kann es auch nicht zurückdrehen, indem man alle kriminalisiert. Das ist auf jeden Fall der falsche Weg. Es macht halt einen Geschäftszweig kaputt, der einfach verschlafen hat, was sich da entwickelt.

Patrick: Es gibt ja I-Tunes und die ganzen Geschichten, aber das funktioniert ja nicht wirklich.

Tschinge: Ach, CDs verkaufen sich einfach nicht mehr, ich kenn das von vielen Plattenlabels – das gibt es wirklich nicht mehr. Man tauscht die Musik als MP3 vom Stick oder gleich vom Handy, das ist genau so, wie wir damals unsere Tapes getauscht haben.

Patrick: Das ist einfach eine neue Variante – wir sind gestern mit dem Ghettoblaster rumgelaufen, die laufen heut mit ihren Handys rum. Die sind total leistungsstark. In Thailand, wo ich im Urlaub war, da konntest du in jedem Hotel deinen MP3-Player an den Radiowecker andocken und deinen eigenen Sound hören. Das war total abgefahren – nicht die super Qualität, aber einfach voll okay.
Tschinge: Also als Fazit kann man sagen, die Leute sollen sich die Sachen von CONDOM runterladen, wo sie’s kriegen. Was sollten wir dagegen machen, das ist doch okay. Wenn es ihnen gefällt, dann ist das doch für uns okay. Das, was wir machen, ist ja auch Allgemeingut, wir haben da ja keine kommerziellen Absichten damit, also passt das schon. Wenn dann einer unsere CD kauft, ist das natürlich auch okay ... Da kriegt er natürlich dann dafür Hardware in die Hand. Das muss jeder selbst wissen, ob er nur die Musik hören will oder auch was in der Hand halten.

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GEMA scheißen ...

Tschinge: Die GEMA ist für mich fast schon ein krimineller Verein, weil sich dort die Etablierten bedienen – denn sie können ja auch drüber bestimmen. Als Kleinkomponist hab ich sowieso noch nie was gekriegt, weil meine Stücke nur in kleinen, unabhängigen Radiosendern gespielt werden, die allgemein zahlen und nicht die Titel auflisten. Von daher ist das alles, was die bezahlt haben, nach oben gewandert. Mir nutzt das überhaupt nichts – also: wenn Leute sich die Songs runterziehen und sie anhören, da bin ich schon zufrieden. Für mich ist klar, das Geschäft in dem Sinne, das gibt es nicht mehr. Entweder ich mach Musik aus Idealismus, oder es geht halt nicht. Ansonsten kann man nur noch live verdienen – da bleibt ja den großen Acts inzwischen auch nichts anderes mehr übrig. Deswegen sind auch die Eintrittspreise so hoch geworden. Das wird in Zukunft auch noch teurer werden, da zahlt man eben für den Event, was Einmaliges, was man sonst nirgends bekommen kann. Wenn man sich MP3s downloaded, dann ist das von Haus aus schon in minderer Qualität, und dann fehlt dir was. Ein wahrer Fan wird so was nicht haben wollen, dem reicht das nicht. Aber das muss jeder selbst wissen.

Willi: Ich seh das mit der GEMA genauso wie der Tschinge. Der Verteilschlüssel ist so, dass nur die Oberen was kriegen und die unteren, die dürfen zahlen.

Tschinge: Ich unterstütze die ePetition, denn die GEMA in ihrer jetzigen Form ist einfach untragbar. Auch die Sperrung von YouTube Videos wegen GEMA-Forderungen finde ich eine Schweinerei. Denn die Musikvideos und die Musik auf YouTube, die haben wirklich mindere Qualität. Das ist unterste Qualitätscharge, das ist nichts anderes als früher ein Tape, ein schlecht aufgenommenes, auf billigstem System aufgenommenes Tape. Das hat keinen wirklichen Wert für mich – so etwas noch einmal mit Kosten zu belegen ist einfach eine Frechheit. Das ist ein hilfloser Versuch von Leuten, ihren Pfründe zu retten, die sie gesammelt haben – und das teilweise auch ungerechtfertigterweise. Von daher ist es für mich klar, dass man da was dagegen machen muss – und wenn sich die ePetition dagegen richtet, muss ich sie auch unterschreiben.

Willi: Eine Überprüfung der GEMA ist schon lange überfällig.

Patrick: Das seh ich genauso, das würd ich sofort unterschreiben.

CONDOM – die Band, die kommerziellen Erfolg immer erfolgreich vermieden hat

Patrick: Ich kann es nur noch einmal sagen: Wir haben nie Geld verdient mit unserer Musik, wir hatten auch nie vor, damit Geld zu verdienen.willi87-w

Willi: Ich hab auch erfolgreich alle Interviews und sonstige Fototermine, zum Beispiel von der BRAVO und anderen Sachen abgelehnt, geblockt, in die Wüste geschickt.

Patrick: Solange es Bier gibt für uns, Bier und was Vernünftiges zu essen, dann passt das schon!

Tschinge: Ja, und einen vernünftigen Schlafplatz!

Willi: Kosten für den Übungsraum haben wir keine mehr, weil wir keinen Übungsraum mehr haben. Der Patrick hat nicht mal ein eigenes Mikrophon...

Patrick: Ich hab dafür Bühnenpräsenz! Charisma!

Tschinge: Irgendwie muss man das einfach selber finanzieren, anders geht das nicht. Wenn einer selbst die Kosten nicht zahlen konnte, musste das der Rest von der Band mittragen, und das haben wir auch gemacht.

Willi: Irgendwann haben wir unsere Lehre daraus gezogen und haben einfach keinen Übungsraum mehr, also auch keine Kosten. Jetzt üben wir nicht mehr und spielen trotzdem.

Tschinge: Eigentlich sind wir so auch ganz zufrieden damit. Die Konzerte werden dadurch noch authentischer ... Das tut der ganzen Sache keinen Abbruch.

Willi: Aber wir können auch nicht mehr so viele neue Stücke machen...

Patrick: Ja, ein neues Stück können wir jetzt schon machen zum Jubiläum, zum Konzert in der Glockenbachwerkstatt am 12.09.09. Da freu ich mich total drauf, weil wir echt schon so lange nicht mehr gespielt haben. Letztes Jahr haben wir gar nicht gespielt! Wir müssen mal wieder richtig Gas geben… Einen neuen Tonträger wird es diesmal nicht geben – aber ein neues Lied könnten wir machen, sollten wir machen. Das haben wir doch schon zigmal beim Tschinge daheim gemacht. Oder beim Peter, der hat auch nen Übungsraum ...

Tschinge: Neue Stücke entstehen bei uns normalerweise gemeinsam, und zwar so: Ein Text wird rausgesucht, meistens ein Text vom Willi – der wird dann von allen zurechtgebogen. Und dann machen wir die Musik dazu, dann funktioniert's.

Patrick: Die letzten Songs haben wir zum Beispiel alles beim Tschinge daheim gemacht – also nicht bei ihm zuhause, sondern bei seinem Vater. Der hat sich ein kleines Studio eingerichtet und da haben wir das dann gemacht. Passt doch, oder?

Abschließende Worte

Patrick: Es ist mir noch ein Bedürfnis zu sagen, dass ich zur Band und zu den Leuten der Band, also zum Willi, zum Tschinge und zum Peter eine sehr, sehr starke emotionale Bindung habe, auch wenn ich sie jetzt nicht ständig sehe. Das wird mein Leben lang erhalten bleiben und das ist was ganz was Wichtiges bei CONDOM. Und was ganz was Schönes.

Tschinge: Und genau davon lebt die Band eigentlich, sonst gäbe es CONDOM schon lange nicht mehr.

Condom aktuellWilli: Nachdem wir uns ja nach unserer Auflösung, so Ende 82, total aus den Augen verloren hatten, traf ich 1994 den Peter auf einem Vibrators Konzert in der Muffathalle wieder und schlug vor, wieder zu spielen. Tschinge und Patrick waren auch begeistert, und so machten wir weiter, wo wir damals aufgehört hatten. CONDOM machen wir aus Spaß an der Freude. Und das geht nur in dieser Besetzung. Wenn einer von uns aussteigt, dann gibt es die Band nicht mehr, es wird niemand ersetzt.

Patrick: Ja, das ist ein Teil von uns allen. Man sieht sich nicht so oft, aber wenn man sich dann sieht, dann ist das, als hätte man sich gestern erst gesehen. Man ist sich immer noch sehr nahe, mit all seinen Ecken und Kanten und all dem ganzen Scheiß – das macht’s einfach aus.'

Danke fürs Interview! Katz (Juni09)

http://www.condom-punk.de/ 

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