Interview: CONTRASTS - 'Fieser Hardcore fernab von jeder Bollo Attitüde'

contrasts

Am 20. September veröffentlicht die Münchner HC-Formation CONTRASTS ihre Debüt-EP "every second / every minute / every hour". Die Vinyl 7" kann bereits beim Label Anchored Records vorbestellt werden, in rubin-rot (exklusiv bei Vorbestellung) oder in schwarz oder als Kombi-Paket. Die Münchner Release-Show für das schöne Stück ist der 28. September, wo die Band den 2. Tag des Munich-Hardcore-Festivals eröffnet.

Frontmann Christoph stellt uns CONTRASTS im Interview vor..

Christoph, fangen wir doch gleich mal mit der Platte an. Erzähl doch mal, was erwartet uns da? Wo und wann sind eigentlich die Aufnahmen entstanden?

christophDie Aufnahmen sind im März 2013 im Studio Suiseidl bei Philipp, dem ehemaligen Schlagzeuger von The Blackout Argument, entstanden. Hier hatten wir damals auch schon die zwei Songs für die Demo aufgenommen.
Musikalisch sind die Songs der Demo und der EP nah beieinander, was daran liegt, dass sie mit recht geringem Zeitabstand entstanden sind. Was unsere musikalische Ausrichtung angeht, so ist das als Band selbst natürlich immer schwer zu qualifizieren, weil man oft einfach zu tief drin ist. Wir wurden aber mal als "fieser Hardcore fernab von jeder Bollo Attitüde und mit grooviger Kante" beschrieben. Mit der Einordnung können wir uns eigentlich ganz gut anfreunden. Im Endeffekt sollte sich aber jeder selbst ein Bild davon machen und uns dann gerne wissen lassen, wie er es interpretiert.

Auf der Platte gibt es vier Songs, die sich auf den ersten Blick eher mit persönlichen, emotionalen Themen zu beschäftigen scheinen: 'hope/wish', 'young hearts', 'soulsucker', 'losing ease'.

Absolut richtig, der Bonus Song "clarity", der mit dem Download Code zusätzlich kommt, schlägt in dieselbe Kerbe. Zu der Zeit, als die Texte entstanden sind, ging mir eben viel Persönliches durch den Kopf, sowohl Positives als auch Negatives, sei es was mich selbst betrifft oder auch mein Umfeld. Daher lag es nahe, diese Eindrücke als Input für die Texte zu verwenden. Wichtig war in dem Fall nur, dass neben den negativen Aspekten der Texte auch immer etwas Positives mit einfließt. Die Texte handeln nicht davon, wie unglaublich schlecht es einem geht oder wie schlimm das Leben ist, denn beides empfinde ich nicht so.
Die emotionalen oder persönlichen Themen des Debuts sollen jetzt allerdings kein Leitfaden sein, wie die Texte in Zukunft aussehen werden. Um genau zu sein beschäftigen sich die aktuelleren Songs eher mit gesellschaftskritischen Themen. Bei "bloody rye", einem der neueren Songs, den wir auch schon live spielen, geht es z.B. um unseren Umgang mit Lebensmitteln bzw. unserer Nahrung.


 

 

every second / every minute / every hour by contrasts

1. hope/wish 02:35
2. clarity 02:38
3. young hearts 02:48
4. soulsucker 02:48    
5. losing ease 02:32

all music and lyrics by contrasts

recorded, mixed and mastered in march 2013 by philip seidl at studio suiseidl
design and layout by christian brix / kids artworks

release 20. September 2013
anchored records
www.anchoredrecords.de


Ihr habt euch für Englisch als "Verkehrssprache" sowohl bei den Songs als auch der Internetpräsenz entschieden - warum?

Was das Deutsch/Englisch-Thema angeht, so hat sich das bei den Songs einfach ergeben. Ich tue mich im Englischen einfach leichter, Musik und Texte ein Einklang zu bringen. Was jetzt nicht heißen muss, dass wir nicht vielleicht auch mal einen Song mit deutschen Lyrics machen werden. Ich würde das durchaus interessant finden. Bis dahin aber überlassen wir das lieber Bands wie EMPOWERMENT, die das großartig machen.
Der zweite Grund - auch was die Internetpräsenz angeht - ist natürlich, dass wir hoffen, demnächst auch mal die Ländergrenzen überschreiten zu können. Sprich: auch mal ein paar Shows im Ausland zu spielen. Da wäre es dann einfach nicht zweckdienlich, wenn interessierte Menschen kein Wort verstehen, was wir so von uns geben.

Ein erstes musikalisches Lebenszeichen von euch war ja vor ca. einem Jahr eure wunderschöne D.I.Y. Demo-Kassette inkl. Downloadcode, die ihr im Eigenvertrieb anbietet. Nun erscheint die Debüt-EP auf Anchored Records, wo auch schon Abyss A.D. mit einer Split EP ihre erste Veröffentlichung hatten. Wie kommt es zur Zusammenarbeit mit einem Hamburger Label?

Wir tapeshaben Jakob von Anchored Records im März auf unserer Show in Bad Aibling kennen gelernt. Er war damals mit den Jungs von OFF THE HOOK auf Tour. Auf der Show hat er mitbekommen, dass wir zu der Zeit unsere EP aufnehmen. Scheinbar hat ihm gut gefallen, was er gehört und gesehen hat, denn nach der Show sprach er uns an, dass wir uns nach dem Aufnahmen der EP doch gerne mal bei ihm melden sollen und wir vielleicht was zusammen machen können.

Anchored veröffentlicht tolle und unterschiedlichste Bands wie OFF THE HOOK, VENGEANCE TODAY oder GHOSTWRITER, daher fühlen wir uns hier recht gut aufgehoben und deshalb war Anchored auch unser absolutes Wunschlabel. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass Jakob - wie wir ihn bisher kennen lernen durften - ein super netter und gewissenhafter Typ ist.

D.I.Y. - Not oder Tugend? Braucht man überhaupt ein Label?

Was die Notwendigkeit eines Labels angeht, so ist es heutzutage nicht mehr zwingend notwendig. Durch das Internet als Vertriebskanal wäre es auch durchaus denkbar, die Releases D.I.Y. zu veröffentlichen, was wir mit unserem Tape auch gemacht haben und was gut funktioniert hat. Aber es erleichtert die Sache natürlich ungemein, wenn man jemanden an der Seite hat, der sich mit Themen wie dem Pressen der Platte oder mit dem Thema Promo gut auskennt und einen hier unterstützt.
Generell zum Thema D.I.Y. ist zu sagen, dass es ein unabdingbarer Teil dieser Szene ist, damals wie heute. Unser Gitarrist Danny hatte lange Zeit ein eigenes Label, unser Bassist Martin ist jahrelang mit seinem Distro durch die Lande getingelt und ich drucke Teile unseres Merchs selbst via Siebdruck bei mir in der Küche.

contrasts-live
Foto: www.xembracex.de

Zuerst Tape, nun eine Vinyl 7" - warum habt ihr euch für diese 'Retro'-Formate entschieden und nicht für eine CD? Wie ist eigentlich die Resonanz auf das Kassetten-Format?

Unsere Demo damals via Tape zu veröffentlichen hatte einfach den Grund, dass es mit überschaubarem Aufwand und Kosten möglich ist, eine Kassette rauszubringen. Jemand von uns kam mit der Idee an, und da wir alle nicht mehr die jüngsten sind, kennen wir das Medium noch allzu gut und wissen es zu schätzen. Außerdem hatten wir so bei unseren ersten Shows schon etwas dabei, was sich die Leute mitnehmen konnten. So ein Download ist ja schön und gut, aber der Mensch ist einfach ein haptisches Wesen. Und da wir, was Kosten und Einnahmen angeht, genau auf Null gekommen sind, hat ja auch alles wunderbar funktioniert.
Was Vinyl angeht, ist es einfach so, dass alle in der Band große Plattensammler sind, daher war es natürlich das erklärte Ziel, unsere EP auf Vinyl zu veröffentlichen. Ich meine, was gibt es geileres für einen Vinyl-Liebhaber, als eine 7 Inch oder 12 Inch seiner eigenen Band zuhause stehen zu haben?
Die CD ist da das weitaus weniger interessante Format. Da mit jeder Platte von uns auch ein Download Code kommt, ist CD also nicht zwingend notwendig.

Hektische Zwischenfrage der Plattensammler: Wird es auch die rote Edition der Single am Merchstand beim Hardcore-Festival geben?

Das ist schwer zu sagen, da die colored Vinyl ja streng limitiert ist. Daher wird es davon abhängen, wie viele Vorbestellungen eingehen. Da die Preorder recht gut angelaufen ist, wäre es allerdings ratsam, sich hier eine zu sichern, da wir nicht mit Bestimmtheit sagen können, ob da groß etwas übrig bleibt. Wenn dem so ist, haben wir aber natürlich auch ein paar Exemplare dabei.

Wir haben euch ganz selbstverständlich als 'Münchner HC-Formation' betitelt - dabei seid ihr doch alle keine gebürtigen Münchner, oder?

Gebürtiger Münchner ist keiner von uns, wir kommen eher aus den unterschiedlichsten Teilen Deutschlands. Genauso unterschiedlich wie die geografische Herkunft ist aber auch unsere musikalische Sozialisation. Zwar kommen wir alle aus dem Hardcore, hier aber aus den verschiedensten Richtungen. Von 90 Jahre Hardcore über Modernen bis hin zu Streetpunk ist eigentlich alles vertreten, was mit Sicherheit auch unseren Sound ausmacht.
Die erste Idee zu Contrasts entstand Anfang letzten Jahres auf einer Madball Show, auf der unsere beiden Gitarristen Danny und Markus ein wenig ins Plaudern kamen. Markus war damals in der Planung der Farewell Tour seiner Band WITH OPEN ARMS, hatte aber definitiv weiterhin Lust Musik zu machen. Auch Danny, der damals bei den Stuttgartern von CLOSELINE spielte, juckte es wieder in den Fingern. Unser Schlagzeuger Kay spielte früher ebenfalls bei WITH OPEN ARMS, und über einen gemeinsamen Bekannten kam noch Martin am Bass dazu. Das Problem mit dem fehlenden Sänger wurde dann Mitte letzten Jahres auch geklärt, und so konnten wir noch im Dezember 2012 unsere erste Show spielen.

Wie empfindet ihr die Münchner 'Szene'?

München ist derzeit definitiv ein fruchtbarer Boden für neue Hardcore Bands. Immer mehr Bands kommen auf und drängen auch über die Grenzen Münchens und des Bundeslandes hinaus, was eine tolle Entwicklung ist. Besonders zu nennen sind hier ABYSS A.D. und bald wohl auch ROPES. Zwei junge und hungrige Bands, die den eher metallischen Sound fahren.
Wie lebendig die Szene ist, sieht man ja auch schon an der Tatsache, dass ihr es mit eurem "In München Nix Los" Sampler schafft, alle drei Monate vier Bands aus München zu vereinen, die ihre neuen Songs veröffentlichen.

Danke. Hier in München ist inzwischen musikalisch der Trend zu mehr Hardcore ganz deutlich zu spüren, meist eben in der eher "metallischen" Ausrichtung...

Der metallische und auch düstere Sound, den andere Münchner Bands erfolgreich fahren, ist durchaus ansprechend. Die Ausrichtung zum Metallischen ist bei Contrasts jetzt aber eher rar gesät. Wir konzentrieren uns eher auf unseren fiesen Hardcore und streuen lieber die ein oder andere Melodie unter.

contrasts live

Die meisten Münchner Punk/HC Bands beklagen sich ja gerne, dass sie unglaublich schwer an Auftrittsmöglichkeiten kommen, besonders außerhalb Münchens. Wie ist das bei euch?

Es ist zumindest nicht ganz einfach, an Shows zu kommen. Grund hierfür ist vor allem, dass derzeit einfach verdammt viele Bands unterwegs sind, und jede will natürlich so viel wie möglich spielen. Sprich: Die meisten Veranstalter könnten von den Anfragen her locker 10 Bands am Abend spielen lassen. Das will natürlich keiner sehen und kann auch nicht finanziert werden.
Wir müssen für Shows auch die ein oder andere Klinke putzen gehen. Soll heißen, wir halten deutschlandweit Ausschau nach Shows, die wir gerne spielen würden, recherchieren dann den Veranstalter und fragen dann einfach an. Das ist natürlich sehr zeitaufwendig und teilweise auch frustrierend, weil man nur auf einen Bruchteil der Anfragen überhaupt eine Antwort bekommt. Diese Antworten gliedern sich dann auch noch in Zusagen oder Absagen.
Inzwischen kommt es aber immer wieder auch vor, dass wir angefragt werden. Unsere nächsten Shows in Braunschweig und Berlin haben wir z.B. bekommen, weil uns der Veranstalter bei einer anderen Show in Magdeburg spielen sehen und uns daraufhin zu sich eingeladen hat.
Der zweite Punkt, der auch mit hineinspielt, ist der Standortnachteil bzw. die Tatsache, dass München sehr weit im Süden der Republik liegt. Daher ist es nicht immer möglich, auch mal eine einzelne Show in Hamburg, Berlin oder im Ruhrpott zu spielen. Hier braucht man mindestens zwei Dates, sonst wäre das Ganze finanziell ein Fiasko. Mit Van-Miete und Sprit kommt man ganz schnell auf mehrere hundert Euro, und selbst wenn man Gage bekommt und noch Merch verkauft, ist das nahezu immer ein Minusgeschäft.
Soll heißen, der Weg zu Shows außerhalb geht zu Beginn nur über Hartnäckigkeit, viele E-Mails und finanzielle Risiken.

Eins noch.. zum Thema HC und Straight Edge. Seht ihr euch selbst als 'Straight Edge-Band'? Früher gab es ja grosse Diskussionen um die Abgrenzung von sXe / non-sXe im Hardcore, wie erlebt ihr das?

Wir sind keine Straight Edge Band, aber drei von uns fünf leben schon ihr halbes Leben sXe. Für die Jungs persönlich ist es selbstverständlich ein Thema, innerhalb der Band allerdings weniger. Schwierig ist allerdings das oftmals elitäre Verhalten in der Szene. Wir sind der Auffassung, dass die Unterschiede niemals stärker sein sollten als die Gemeinsamkeiten. Diese bewusste Abgrenzung in Edge Bands und Nicht-Edge-Bands ist schlicht unnötig und kontraproduktiv. Die Leute, von denen wir uns wirklich abgrenzen sollten und müssen, sind da draußen. Das sind Menschen die rassistisches, faschistisches, homophobes oder frauenfeindliches Gedankengut in sich tragen oder verbreiten. Dies sind die Leute, von denen wir uns abgrenzen müssen, und nicht untereinander in der Szene.

Vielen Dank an Christoph für das ausführliche Interview!
Wir freuen uns auf die limitierte rote EP!

..und sehen uns natürlich am 28. September beim 2. Abend des 18. Munich Hardcore Festivals im Feierwerk mit CONTRASTS + ZEFIX + RAW DEALS + SLAMDAMN!

CONTRASTS:
Markus - Guitar
Kay - Drums
Danny - Guitar
Martin - Bass
Christoph - Vocals

live:
20.09.2013 / H&P Raise Your Voice, Braunschweig
w/ Bitter Verses, Hawser, Make My Day, Commercial Suicide
21.09.2013 / Koma F, Berlin
w/ Bitter Verses, Make My Day
28.09.2013 / Feierwerk, 18. Munich Hardcore Festival
w/ Zefix, Raw Deals, Slamdamn

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mehr Info:

http://contrasts.bandcamp.com/

https://www.facebook.com/wearecontrasts

http://contrasts.bigcartel.com/

Vielen Dank für die Fotos geht an Nachtkatzengrün und www.xembracex.de !

Tags: Contrasts