Crowdfunding oder: Wie finanziere ich das neue Album?

Punker Donald erklärt Crowdfunding

Dieses Problem kennen wohl viele Bands: Die Songs sind im Kasten, aber die Bandkasse ist leer und die angeschriebenen Labels reagieren nicht. Was tun? Do It Yourself!

Eine Möglichkeit, die Finanzierung selbst zu stemmen, um z.B. das neue Album zu veröffentlichen, bieten seit geraumer Zeit sogenannte CROWDFUNDING-Plattformen im Web. Das heißt, man sammelt von Interessierten, Fans und Unterstützern projektbezogen Kohle übers Internet ein.

Punker Donald, Zeichner von Punks'n'Banters, hat gerade sein Projekt "Das Höschen gegen Rechts" bei einer Crowdfunding Plattform am Start und erklärt uns, wie das läuft:


Donald, alle haben das gleiche Problem: Keine Kohle!
Du hast gerade ein Crowdfunding Projekt gestartet. Erzähl mal was dazu!

Als Zeichner meines eigenen Comics tu ich mir schwer, mal eben Geld für Merchandise einzunehmen. Ich steh nicht auf einer Bühne wie Bands und einen Comic habe ich auch noch nicht druckfertig - das ist viel Arbeit ^_^ . Dafür kann man die neuesten Seiten online auf meiner Website www.punksandbanters.de lesen. Dennoch möchte ich aber Fan-Artikel für meine Fans anbieten. Da wäre einerseits die Möglichkeit über Spreadshirt, Zazzle, topposter u.ä. zu gehen, wobei diese On-Demand-Druckereien immer relativ teuer sind, oder man versucht, irgendwie an Kohle für den Druck zu kommen.


Höschen gegen RechtsMein "Höschen gegen Rechts" entstand aus meinem wirren Kindskopf - den braucht man um kreativ zu sein - und den ganzen letzten Konzerten, die ich mit den Dorks bestritt. Wer Die Dorks kennt, weiß, dass es immer wieder zu sogenannten 'Hosenpausen' kommt, und man/frau plötzlich in Unterhose dasteht. Ich hab den Gedanken weitergesponnen und fand, dass Unterhosen mal ein schöner Fanartikel wären - allein deshalb, weil es sonst niemand hat.
Sofort hatte ich eine Motividee, suchte online nach Druckereien und stylischen Höschen. Mein letztes Problem war dann nur noch die Geldfrage - 700€ für 50 Qualitätshöschen mit fairer Firmenpolitik, d.h. keine Kinderarbeit oder Herstellung in Billigländern, hab ich nicht schnell mal so übrig...
Crowdfunding hab ich schon seit Jahren im Visier und auch selbst schonmal ausprobiert und fand, dass es mir auch bei diesem Geldproblem weiterhelfen könnte, so startete ich...

Und wie funktioniert nun dieses Crowd-Fun-Ding?

Sinn des Crowdfundings ist, dass viele Einzelne ein Projekt finanzieren und am Ende bestenfalls eine Gegenleistung dafür bekommen. In meinem Fall ist es so, dass meine Fans zumindest das Höschen erhalten, sofern sie nicht das Geld einfach so spenden. Desweiteren gibt es auch noch die Möglichkeit mehr zu spenden und auch mehr zu bekommen. So eine Art Stufensystem. Ich habe z.B. noch einige Shirts zu Hause, die mir Platz wegnehmen ;-)

Was man als "Dankeschön" angibt ist dem Projektersteller freigestellt - genauso der Preis, den man dafür verlangt. Jedoch sollte man sein Projekt transparent darstellen: "Warum brauch ich diese Summe?"

Hmm, vorher alles gut durchrechnen sollte man also schon, oder?

Crowdfunding-DankeschönsGenau! Es wäre das Schlimmste, wenn das Geld für das Projekt nicht reicht und du deinen Unterstützern nicht das liefern kannst, was du angeboten hast!! Deshalb sollte man sich auch im Klaren sein, dass die anderen "Dankeschöns" auch etwas kosten, sofern man sie nicht schon zu Hause hat. Falls man z.B. für eine CD crowdfundet und in einem Paket CD und T-Shirts anbietet und die T-Shirts auch noch produzieren muss, gehören die mit eingerechnet. Da ist es super, wenn an die angebotenen Dinge schon hat und nur für die CD sammeln muss.

Aber wohin geht jetzt meine Kohle?

Sobald du Geld überweist, wird das für das Projekt gutgeschrieben, aber dem, der crowdfundet nicht gleich auf sein Konto überwiesen. Die Plattformen deponieren das erstmal bei sich und geben das Geld erst frei, wenn das Projekt erfolgreich finanziert wird.

Und was passiert, wenn das alles nix wird?

Sollte das gesetzte Ziel nicht innerhalb einer bestimmten Zeit erreicht werden, so bekommt jeder Unterstützer sein Geld wieder zurück.

Donald, Du hast dich ja für Startnext als Plattform entschieden. Wieso?

Startnext etabliert sich langsam in Deutschland und wächst zur größten Crowdfundingplattform hierzulande. Vor 2 Jahren hatte ich schonmal ein Projekt auf einer anderen Plattform, welches nicht zustande kam. Da gab es das Problem, dass man nur per Paypal zahlen konnte, was viele Leute in der Punkszene verschmähten. Bei Startnext kann man zwischen verschiedensten Zahlungen auswählen - da sollte diesmal auch was für die Punks dabei sein ;-)
Außerdem ist Startnext kostenlos!

Gibt es denn noch andere Crowdfunding-Plattformen?

Ja, natürlich. Da gibt es z.B.

  • Pling*  http://www.pling.de/
    - ist in Deutschland auch sehr groß, da hatte ich damals aber das Problem mit den Bezahlmethoden.

Was sind denn die Vor und Nachteile der verschiedenen Anbieter?

Man sollte neben der Größe der Plattform auch schauen, wo das Projekt am Besten dazupasst. Startnext ist z.B. für kreative Projekte ausgelegt. Sellaband nur für Musik und es gibt noch Plattformen, bei denen kann man auch wissenschaftliche Projekte funden.
Ebenso wollen manche Plattformen prozentual beteiligt werden oder haben andere Kostenmodelle - hier sollte man sich zuvor erkundigen. Startnext hat z.B. einen Nachteil, dass man ein Konto bei einer Onlinebank eröffnen muss. Bei dieser Bank konnte ich aber noch keinen Haken entdecken und scheint sehr seriös (sonst würde Startnext sicher auch nicht mit dieser Bank zusammenarbeiten).

Dein "Höschen gegen Rechts"-Projekt läuft ja schon, welche Erfahrungen machst du gerade damit?

Viele wissen nicht, wo sie auf den Button drücken müssen, um mich zu unterstützen, hahaha!
Auch muss ich viel erklären, wie Crowdfunding funktioniert - es gibt Leute, die wollen warten, bis ich die Höschen zu Hause hab und wollen es dann kaufen. Denen sag ich dann, dass mir das jetzt nicht hilft.
Außerdem darf man den Zeitaufwand nicht unterschätzen - Preise recherchieren, Angebote einholen, damit man erstmal weiß, wieviel Geld man überhaupt braucht...Text, Bilder und Videos für die Plattform und am Besten einen Plan, wann und wo man sein Projekt promoted (Kontakte knüpfen).

Wie setzt du die Leute überhaupt darüber in Kenntnis, dass da gerade dein Projekt läuft?

Facebook ist hierfür schon mal recht gut. Man muss das Projekt bekannt machen und die Leute darauf aufmerksam machen. Allerdings nur Facebook allein bringt da nicht viel. Ich bin also auch auf Konzerten mit Flyern unterwegs und rede mit den Leuten dort über mein Projekt. Auch schreibe ich Artikel für Blogs oder Portale wie "München Punk" ;-)
Bei anderen Projekten kann man aber sicher noch kreativer werden. Vielleicht eine Veranstaltung dafür organisieren oder als Band auf der Bühne dafür aufmerksam machen. Sofern man Connections zu einem Radiosender hat, kann man ein Interview geben oder so wie es Kamikaze-Radio bei mir machte: Werbung in der Sendung (danke nochmal an http://www.kamikaze-radio.de )

Kapieren deine Fans und Freunde worum es geht? Kommen sie überhaupt mit der Plattform klar? Gibt es da Misstrauen, Geld an 'sowas' zu überweisen?

Das ist sehr unterschiedlich. Manche haben gar kein Problem. Anderen muss ich es erstmal genau erklären, was Crowdfunding ist und muss sie dann Schritt für Schritt durch den Bezahlprozess begleiten. Skepsis wegen der Bezahlung habe ich bei Startnext noch nicht direkt mitbekommen. Dennoch sind mir schon ein paar Unterstützer nach einiger Zeit wieder abgesprungen :-(
Bei meinem ersten Crowdfundingprojekt gab es eben dieses Problem mit Paypal...

Vielen Dank für diesen ersten Überblick.
Wir wünschen dir natürlich viel Erfolg mit deinem Projekt!

rand-u

Comic 'Schnorren'Donald (mit richtigem Namen Benedikt Rietzel) ist selbstständiger Mediendesigner. Neben seinem Tagesgeschäft, der Erstellung von Websites, Flyern, Illustrationen, CD-Designs, Animationsfilmen, uvm. arbeitet er schon seit ca. 4 Jahren an seinem Comic Punks'n'Banters und erlebte dort diverse Misserfolge und ebenso Erfolge.

Offizielle Website von Punks'n'Banters:
http://www.punksandbanters.de/


Donalds Drrrty WASTED DESIGN:
http://www.drrrtywasteddesign.de/

 
Donalds aktuelles Crowdfunding Projekt mal ansehen (und unterstützen):

Punks'n'Banters auf Startnext

http://www.startnext.de/punks-n-banters-damenhoeschen

Tags: Die Dorks