Happy Anniversary - ABYSS A.D. hat was zu feiern!

Abyss A.D.

Am 18.04. darf man ABYSS A.D. ja gratulieren - nicht nur zum 2-jährigen Bandgeburtstag, sondern auch gleich noch zur 50. Jubiläumsshow! Da muss man schon gleich zweimal hinsehen, denn das sind zwei Werte, die es wahrlich in sich haben und irgendwie im Widerspruch zu stehen scheinen. Wir haken gleich mal nach...

Sagt mal, stimmt das wirklich? Ihr habt in nur zwei Jahren eures Bestehens wirklich 50 Live-Shows hingelegt? Wie kriegt man das denn bitte hin? Wie kommt man an all diese vielen Shows? Die meisten Münchner Bands sind fast am Verzweifeln, weil es so schwierig ist, Auftritte auf die Beine zu stellen. Habt ihr nen Booker, der das für euch macht oder wie läuft das bei euch?

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Maxi: Nun, zuerst einmal gilt zu verstehen, dass auch die Hardcore-Szene ein Markt ist. Bedeutet, Angebot und Nachfrage bedingen sich gegenseitig. Die großen Shows, die eine Menge an Leuten ziehen, laufen allesamt über Agenturen, die mit den Bookern der gängigen Locations die Konzerte veranstalten. Die utopische Vorstellung einer lebendigen, politischen D.I.Y.-Szene, bei der jeder mit anpackt, Konzerte veranstaltet, beim Kochen hilft, den Bands Schlafplätzen zur Verfügung stellt, Fanzines oder Reviews schreibt, ist meiner Meinung nach leider nur noch begrenzt vorhanden.

Als Beispiel führe ich jetzt einfach mal die Münchner Szene wie ich sie erlebe an: ich behaupte, dass auf eine Hardcore-/Punkshow mit 3 kleineren oder gar unbekannten Bands mit veganer VoKü im Kafe Marat keine 50-60 Leute kommen werden. Kostenpunkt: maximal 5 Euro. Spielen jetzt allerdings Brutality Will Prevail für sagen wir mal 13 € im Sunny Red, wird die Bude aus allen Nähten platzen. Die wenigsten Leute gehen noch auf Shows, um das Idealbild dieser Szene zu unterstützen, sondern um coole Bands zu sehen. Das mag in Berlin vielleicht anders sein, in München ist das meiner Meinung nach der Status Quo.

Konzerte selbst zu organisieren und zu veranstalten birgt hier ein großes finanzielles Risiko, wenn man nicht wirklich eine Menge Publikum mobilisieren kann. Wenn man sich diesem Fakt und der Tatsache, dass man an den oben genannten bestehenden Strukturen nicht vorbeikommt, stellt, ist es selbst für eine kleine Band nicht mehr so schwer an Konzerte zu kommen, sofern man bereit ist, seine Erwartungen etwas zurückzuschrauben. Bei uns hat das folgendermaßen funktioniert: wir haben ganz einfach auf Facebook geschaut, wann wo eine Show stattfindet, bei der noch Slots frei sind oder Support Bands gesucht werden, und auf der wir gerne spielen würden, haben dann die Veranstalter/Booker angeschrieben und eine Anfrage mit unseren Songs versendet. In der Regel haben uns diese auch geantwortet und zu- oder abgesagt.

Man darf sich als kleine Band jedoch nicht erwarten, dass eine dicke Gage herausspringt. Man muss um eventuelles Spritgeld, Essen und Schlafplätze froh sein und hoffen, dass man das Publikum überzeugt und etwas Merchandise verkauft. Das bedeutet, dass man auch schon mal für 50 Euro nach Berlin oder Hamburg fährt, um ein 20 Minuten Set zu spielen. Man muss einfach offen für Neues sein und nicht verzweifeln, weil "in München nix los ist". Wenn in deiner Stadt nichts geht, dann musst du eben wo anders hin. Ab einem gewissen Level, dann, wenn man sich schon einen kleinen Namen erspielt hat, werden die Anfragen von alleine kommen. 

Nachdem wir nicht davon ausgehen, dass ihr euch eure Kenntnisse im Musikmachen sozusagen erst durch 'Learning-By-Doing' während eurer Auftritte angeeignet habt, gibt es doch bestimmt eine Art musikalischer Vorgeschichte zu Abyss A.D., oder? Also stellt euch doch bitte mal kurz vor, am besten gleich mit ein paar Infos, wer von euch in welchen anderen Bands oder Bandprojekten vorher schon tätig war / ist.

Maxi: Für Thomas und Patrick ist Abyss A.D. sehr wohl die erste Band. Instrumente konnten beide aber zuvor schon spielen. Simon und ich haben in diversen Punkbands im Landkreis Weilheim-Schongau Erfahrungen gesammelt (Simon: Abwärtstrend, Empty Youth; Maxi: Forte) und später gemeinsam bei DEATHLUST gespielt, wodurch wir uns näher kennen lernten und auf die Idee kamen, Abyss A.D. zu gründen. 

Und euer Demo, das kam ja quasi auch gleich stantepede nach der Bandgründung über Final Exit raus. Wie ist denn das gelaufen? Gab es das auch als CD oder nur zum Download? Wie war die Reaktion auf das Demo-Werk? Von Fans, Bookern, Labels etc..?

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Maxi: Das Demo kam ca. 3 Monate nach Bandgründung heraus. Dem eigentlichen Plan nach hätte das allerdings noch weitaus schneller gehen sollen. Da es jedoch Probleme beim Aufnehmen gab, waren wir gezwungen, in ein zweites, anderes Studio zu gehen und den Release dementsprechend nach hinten zu verlegen. Als es dann um die Formate ging, auf denen die Demo erscheinen sollte, waren wir uns recht schnell einig, dass wir unser Erstlingswerk kostenlos zum Download bereitstellen werden. Außerdem sponsorte uns Grobi von Final Exit Records ca. 50 Kassetten und wir besorgten ungefähr die gleiche Menge an CDs, die wir in mühsamer Einzelarbeit allesamt selbst bespielten und bedruckten. Das Artwork stammte auch von uns.

 Natürlich hat man - gerade als unbekannte, junge Band - ein wenig Angst, dass niemand mehr das Release kauft, in das man wirklich viel Energie, Herzblut, Zeit und Geld gesteckt hat, wenn man es online umsonst herunterladen kann. Trotzdem sind wir diesen Weg gegangen und haben das auch nie bereut. Denn wir sind uns sicher, dass sich jemand, der eine Band wirklich gut findet und unterstützen möchte, eher auch noch ein T-Shirt oder sonstigen Merch kaufen wird, da "da mehr Band drinsteckt" als in einer .mp3  oder einem Rohling. Also lag es an uns, zu überzeugen und somit Kaufanreize zu geben, um die Aufnahme- und Produktionskosten minimieren oder gar decken zu können. Innerhalb von gut 7-8 Konzerten hatten wir dann auch schon alle Exemplare verkauft. Das war natürlich ein gutes, bestätigendes Gefühl.

 Die Reaktionen auf die Demo waren grundsätzlich zwar gut und durchaus zahlreich, dennoch waren wir als Personen dahinter sehr schnell einig, dass wir alles andere als zufrieden mit dem Release sind. Zum einen lag das an den oben schon angesprochenen Problemen, die sich während der Aufnahmen zeigten und merklich auf die Demo auswirkten - so klingt die Demo durch die verschiedenen Studios und Personen dahinter beispielsweise überhaupt nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten - zum anderen merkt man der Demo auch sehr an, dass sich unser Stil und Sound noch überhaupt nicht gefestigt hatte. Wir haben die Band lediglich mit der Intention gegründet, all den Frust, all die Wut, all die Enttäuschungen, die sich in der "Realität", dem tristen, grauen Alltagsleben so anstauen, getreu dem Motto "Positive things can come from negative emotions" zu verarbeiten, indem wir ehrliche, harte Musik machen. Agggresive und laute Musik. Demnach bewegen sich die vier Songs noch zwischen Punk, Crust, melodischen, chaotischen und dann doch wieder stumpfen Hardcore und Metal. Uns wurde dann aber, wie gesagt, recht schnell bewusst, dass wir schon gerne mehr Einheit und Programm in den verschiedenen Songs hätten, und so begann die lange Suche nach unserem Sound...

Ihr bezeichnet euren Sound mittlerweile selbst als metallischen Hardcore. Ihr seid jetzt auf einem Sampler mit vertreten, der sich neben Hardcore auch ganz klar Punk und nicht Metal auf die Flagge geschrieben hat. Wie seht ihr das mit den Grenzen zwischen den Genres Punk / Hardcore / Metal?

Maxi: Nachdem wir dann begonnen hatten neue Songs zu schreiben, zeichnete sich recht schnell ab, dass die neuen Stücke wesentlich härter, aber auch technisch versierter werden würden. Zum einen liegt dies an den persönlichen Vorlieben der einzelnen Mitglieder, die nun sehr besser umgesetzt werden konnten, zum anderen sicherlich auch an den Fortschritten, die wir auf den diversen Instrumenten machten und durch die sich neue Möglichkeiten boten. Vermutlich haben wir - wie jede neu zusammengewürfelte Formation - einfach etwas Zeit gebraucht, um uns sowohl als Individuen, als auch als Band zu finden und festigen. Die Grenzen zwischen den verschiedenen Subgenres sind für uns nicht sonderlich von Belang. Wir bezeichnen unseren Sound lediglich als metallischen Hardcore, um ihn besser zu kategorisieren und einzuordnen. So lange die Musik "von Herzen kommt" und etwas ausdrückt, ist uns völlig egal ob wir uns die Bühne mit einer Punk-, Hip Hop- oder Metalband oder einem Singer-Songwriter-Projekt teilen. Ehrlich muss es sein. Demnach spielt es für uns keine Rolle, dass wir auf einem Sampler mit Punkbands vertreten sind.

Spielt ihr auch Shows vor reinem Metal-Publikum und gibt es da für euch, hm, sagen wir mal: ideologische oder politische Ausschluss-Faktoren, die ihr in Betracht zieht, wenn ihr eine Anfrage bekommt? Besonders im Punk und Hardcorebereich ist da ja das Grauzonen-Thema immer wieder am Hochkochen - wie seht ihr das?

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Maxi: Bis jetzt ist es noch nicht vorgekommen, dass wir ausschließlich vor reinem Metal-Publikum gespielt haben. Interessant wäre es aber allemal, haha (Booker - meldet euch!). Natürlich spielen wir auf keinen Shows, die von Sexisten, Rassisten, Anti-Semiten oder sonstigem Abschaum veranstaltet werden. Zum Glück gibt es solche Idioten aber auch nicht wirklich in der Szene, in der wir uns bewegen - zumindest haben wir noch keine Erfahrungen mit ihnen gemacht. Falls sich jedoch trotzdem einmal ein Vollpfosten in Frei.Wild-Shirt oder Thor Steinar-Klamotten auf eine unserer Shows verirren sollte, wird er allerdings nicht sonderlich viel Spaß haben, das kann ich versprechen.

Natürlich ist die Diskussion um Grenzen von Provokation (was ja schon immer ein großer Bestandteil von Punk und Metal war und ist) und political correctness in der Szene allgegenwärtig und zuweilen auch anstrengend (nichtsdestotrotz natürlich äußerst wichtig und notwendig. Nicht zuletzt, um sich selbst kritisch zu reflektieren!). Aber ich bin mir wirklich sehr sicher, dass nur die allerwenigsten Personen wirklich grenzwertige Ansichten haben. Sonst wären sie wohl kaum Teil einer Szene, die für eine respektvolle, tolerante, offene Lebensweise und Einstellung gegenüber ALLEN Menschen und Tieren einsteht, sondern würden mit ihren Bauernfreunden in Bauwagenpartys über Ausländer herziehen. Bah!

Wie schafft ihr das eigentlich, neben all den vielen Shows noch euren Lebensunterhalt zu verdienen, ein Privatleben zu haben, neue Songs zu schreiben, zu proben?

Maxi: Das ist definitiv sehr schwer, aber durchaus möglich. Wie in jeder Beziehung (ich behaupte einfach mal eine Band sei eine Beziehung zwischen mehreren Personen) gilt es, die verschiedenen Lebenssituationen, in denen sich die Einzelpersonen befinden, unter einen Hut zu bringen. Dies gestaltet sich natürlich alles andere als leicht und bedeutet, dass man ab und an auch sein Ego zurücknehmen und Kompromisse eingehen muss. Aber wie heißt es so schön: "Wer will, findet Wege". Und wir wollen.

Auch die Aufnahmen, die ihr jetzt gemacht habt, sind ja zwischen zwei Touren entstanden, innerhalb von kürzester Zeit. Erzählt doch mal ein bisschen von den Tagen im Studio, von den geplanten Releases und von den Songs, die jetzt entstanden sind.

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Maxi: Insgesamt haben wir 6 Tage im Studio verteilt auf 2 Wochenenden bei André‚ von fortefortissimo recordings in Coburg verbracht und 4 neue Songs aufgenommen. Einen der Songs hatten wir bereits vor längerer Zeit geschrieben und auch schon live gespielt, wohingegen der Rest komplett letzten Winter entstand, der sowohl für die einzelnen Mitglieder als auch für die gesamte Band einige tiefgreifende Veränderungen mit sich brachte.
Ich habe mich regelrecht im Proberaum eingesperrt und die Grundstrukturen der Songs innerhalb ein paar Wochen geschrieben. Das Ergebnis lässt sich auf jeden Fall hören, wie ich finde. Dieses Mal sind wir wirklich sehr zufrieden!

Wie oben schon erwähnt sind die neuen Songs viel aggressiver, wütender und auch härter. Die Ehrlichkeit, die wir in Musik und Text gepackt haben, lassen klare Einblicke in unsere Gefühlswelt der letzten Monate zu und behandeln vor allem Themen wie Entfremdung von sich selbst und anderen als auch Depression und Frustration hervorgerufen durch den Stress und Druck, dem ein jeder ausgesetzt ist.


 


Die vier neuen Songs werden auf 2 Veröffentlichungen zu finden sein: zum einen auf der im Mai auf Anchored Records aus Hamburg erscheinenden Split mit den Berlinern von Ghostwriter, die auch mit einer Release-Tour beworben wird, und zum anderen mit unserem Flagschiff, der DEMONS-Ep, welche im Sommer erneut via Final Exit Records veröffentlicht wird. Hierfür hat unser Kumpel Daniel (White Fields, Dogchains) ein grandioses Artwork gezeichnet. Ihr dürft sehr gespannt sein! Das wird grandios!

Neben diesen 2 großen Veröffentlichungen sind wir noch auf einigen Samplern und Compilations mit Beiträgen zu finden. Darunter unter anderem der In-München-Nix-Los-Sampler, eine Compilation der französischen Tierrechtsorganisation Rouen Veg und dem Muchentuchen-Sampler (ein junges Clothing Label aus Nürnberg). 2013 wird man also definitiv noch eine Menge von Abyss A.D. hören!

Vielen Dank an Maxi, dass er sich die Zeit genommen hat, so ausführlich zu antworten! Wir freuen uns auf die neuen Veröffentlichungen von ABYSS A.D. UND NATÜRLICH: ALLES GUTE ZUM 2-JÄHRIGEN UND ZUR 50. SHOW!

PS: IN MÜNCHEN NIX LOS! Release-Show am Do, 18.04 im Sunny Red! Eintritt frei!



ABYSS A.D. sind
Simon: Drums, Patrick: Bass, Thomas: Guitar, Maxi: Guitar & Vocals

Mehr Info zu ABYSS A.D.:

http://www.facebook.com/AbyssAD
http://www.abyssad.bandcamp.com
http://www.abyssad.bigcartel.com

ABYSS A.D. auf IN MÜNCHEN NIX LOS:
http://www.in-muenchen-nix-los.de/abyss-a-d

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