Zwischen Dackelblut und Daily Terror - Interview mit DAILYSOAP

Dailysoap

BACK TO THE PUNK! lautet das Motto der kommenden Konzerte von DAILYSOAP. Die stehen für kraftvollen, überaus melodischen Punkrock mit englischen Texten. Also nix für die Iro/Nieten Anarcho-Deutschpunk Fraktion?
Ein Interview mit DON HERMANN, als Gitarrist einer der Macher bei DAILYSOAP.

Hallo Hermann!
DAILYSOAP - Nix für die Iro/Nieten Anarcho-Deutschpunk Fraktion?
Melodischer Punkrock? Hmm, da wird man doch sofort mit den entsprechenden, bekannten amerikanischen Bands verglichen, wie könnt ihr euch da ohne Label oder PR-Agentur behaupten?

Bei mir im Plattenschrank steht Dailysoap zwischen Dackelblut und Daily Terror, und die vertragen sich ganz gut... Dennoch werden wir wohl die Masse der Iropunker mit unserer Mucke nicht erreichen. Klar, unser Terrain ist, besonders als deutsche Band, nicht das einfachste. Wir sind uns auch im Klaren, dass wir das Rad nicht neu erfunden haben - beim genaueren Hinhören sind unser Songwriting und unsere Texte aber tiefgründiger, als man im ersten Moment denken möchte!

Man sieht, hört oder trifft immer wieder Bands, bei denen der Tiefgang, der Bezug zur Szene und die eigene Identität fehlen. Bei uns in der Band ist das anders: Tom (Git) und Wes (Voc) machen schon seit 1994 zusammen Musik - und in der Trostlosigkeit des Dorflebens war die Band das einzige, was wirklich gezählt hat. Die Mel (Bass) hat mit MIKABOMB und einigen anderen Projekten in London schon Sachen erlebt, von denen der Rest von uns nur träumen kann... Neben diversen Tourneen in Europa, USA und Japan, hat sie u.a. mal bei einem Konzert ein Dead Kennedys Cover gespielt, mit Jello Biafra am Gesang! Ich selbst habe vor Dailysoap in einer Deutschpunkband gespielt und davor ein kleines Deutschpunk-Fanzine gemacht (HUNDEROTZ) - und auch der Felix (dr) hat schon mit 12 Jahren sein erstes Konzert im Juz Freising absolviert.

Um ein Statement zu setzen und etwas Nachhaltiges zu machen, haben wir uns entschieden, unser letztes Album "Heartmoneysoul" nur auf Vinyl (mit CD-Beilage) zu veröffentlichen. Vinyl in DIY zu veröffentlichen, ist natürlich ziemlich schwer bzw. ziemlich teuer. Wie der Name schon sagt, steckt aber sehr viel Herz, Seele und vor allem mühsam gespartes Geld in der Platte. Natürlich hätte es uns gefreut, ein kleines Label zu finden, das uns unterstützt, aber es hat sich niemand mit konkretem Interesse gemeldet. So war DIY der einzige Weg - wir könnten uns aber natürlich auch vorstellen, jemand zu haben, der uns Arbeit abnimmt.

Ihr seid ja eine der wenigen Münchner Punk-Bands, die schon mal bei Südwild/ON3 zu sehen waren. Wie war das? Hat sich das bezüglich der Aufmerksamkeit und des Bekanntkeitsgrades irgendwie bemerkbar gemacht?

Als wir die Anfrage bekamen, fanden wir das ziemlich cool! Es war interessant und ungewohnt: vier Stunden vorher Soundcheck, und immer wieder die gleichen 2,5 Songs spielen, damit die Regie weiß, wann wer ins Bild soll... Dazu natürlich der Druck, sich live im Fernsehen vor einem Millionen-Publikum bloß nicht zu blamieren. Soweit ich weiß, ist aber keiner von uns deswegen schon mal auf der Straße erkannt worden oder durfte sich beim Bäcker vorne anstellen. Unserem Bekanntheitsgrad hat es nicht so viel gebracht, aber es macht sich gut in der Biographie. Wir haben den Auftritt bekommen, weil wir eigentlich aus Freising sind und vom Unicampus dort gesendet wurde.

Wir haben von eurem Pech mit der letzten Tour gehört, wo ihr auch richtig viel Kohle verloren habt. Bitte erzähl doch mal kurz, was da schiefgelaufen ist. Aus solch schlechten Erfahrungen kann man ja immer ne Menge lernen...

Wir versuchen schon länger, mal eine richtige Tour über 10 Tage zu spielen, haben es aber aus verschiedenen Gründen leider noch nicht geschafft. Dieses Jahr sah eigentlich alles ganz gut aus: Wir hatten im Juli schon alles bestätigt, ein Teil war selber gebucht, und ein Teil durch eine Booking-Agentur. Nachdem zwei Clubs wegen rechtlicher bzw. finanzieller Probleme absagen mussten, wurden wir irgendwann unruhig, als auf den Webseiten der von der Agentur genannten Clubs nichts von uns stand. Es gab mehrere Gespräche, geplatzte Termine - und schlussendlich haben wir zwei Wochen vor Tourstart erfahren, dass diese Gigs gar nicht stattfinden. Was genau schiefgelaufen ist, wissen wir bis heute immer noch nicht so richtig. Tja, zu dem Zeitpunkt war der Tourbus schon gebucht, und wir hatten die Stornokosten an der Backe. Man muss fairerweise sagen, dass sich die Agentur zum Teil an den Kosten beteiligt hat, dennoch blieben wir auf dem Großteil sitzen. Zudem war der Urlaub schon genommen und auch die Moral hatte natürlich kurzzeitig etwas gelitten. Nunja, immerhin wissen wir jetzt, dass das Musikbusiness tatsächlich böse ist und man echt aufpassen muss.

Drei Gigs blieben euch ja: je einer in Tabor, Prag und Coburg. Wie war das dort?

In Tabor waren wir letztes Jahr schon mal mit PUNCHERS PLANT und das war damals schon das Highlight der Tschechien Gigs. Dieses Jahr hat aber alles getoppt und es war unsere beste Show ever! Der Laden war voll, Leute trugen unsere Shirts, sangen unsere Songs mit und wollten nach der Show Picks und Sticks haben. Der Wes hat sogar einen Stagedive hingelegt und auf den Händen der Leute weitergesungen. Das fühlte sich wirklich nach Rockstar an, inkl. der Aftershowparty in einer abgefuckten aber sehr netten Kneipe.

Die Show in Prag war auch sehr cool, der Laden war ein Cafe in einem idyllischen Park, in dem abends regelmäßig Ska, Punk und HC-Konzerte stattfinden. Sehr klein, keine Bühne, direkt vor den Leuten, gut besucht und mit HEARTLESS eine unheimlich laute Band aus den USA.

Das Tourende fand dann, anders als geplant, mit einem Zwischenstopp zu Hause in Coburg statt. Wieder eine tolle Location, eine urige Kneipe in der Innenstadt, wieder gut besucht, und mit The Cutes und Of Mountains and Seas zwei großartige Bands kennen gelernt. Wir wurden bei allen 3 Shows ziemlich verwöhnt von Seiten des Publikums und der Veranstalter, das hat viel Stress und Frust im Vorfeld wieder wett gemacht.

Tschechien scheint inzwischen für Münchner Bands eine echte Option für Auftritte zu sein. Ist es wirklich leichter, dort an Auftrittsmöglichkeiten zu kommen als innerhalb Deutschlands, besonders, wenn man das Tourbooking selbst macht?

Leichter ist es speziell in Tschechien, glaube ich, auch nicht wirklich. Mein Eindruck ist aber, dass da die Szene enger zusammen ist und mehr DIY. In vielen kleineren Städten gibt es sehr regelmäßig Punkkonzerte, auch mit internationalen Bands. Es läuft aber viel über teils hobbymäßige Promoter und wenig über die Clubs. Die Schwierigkeit besteht also darin, diese ausfindig zu machen auf tschechischen Homepages, oder bei Facebook nach dem richtigen Kontakt zu suchen. Die Sprachbarriere gibt es auch manchmal, aber die Leute dort sind unglaublich nett, und wir haben nirgendwo sonst so viele Freunde, mit denen wir auch nach den Shows noch Kontakt haben. In Tabor habe ich mit einem Kerl, der ungefähr 16 war, geredet, weil er letztes Jahr schon da war. Er hat mir erzählt, dass er, bevor er uns kennenlernte, gewisse Vorurteile gegenüber Deutschen hatte, die er aber mittlerweile abgelegt hat. Das war schon sehr nett, das zu hören.

Booking ist im allgemeinen ein ziemlich undankbarer Job, man schreibt 100 Leute an, und wenn man Glück hat, kommen dabei 2 Antworten raus, bei denen einer schon mal kategorisch kein Interesse hat. Daher haben wir den Kontakt zu der Agentur ja auch dankend angenommen. Das Risiko schien eigentlich auch überschaubar, das Schlimmste, was passieren konnte, war, dass die halt keine Shows für uns buchen. Naja, nach all dem Ärger ist die wertvollste Erfahrung, dass es auch ohne geht und es glücklicherweise Leute gibt, die mit sehr viel Idealismus bei der Sache sind!

Bei den gespielten Shows gab es keine Verträge und keinerlei Absprachen über Gage, und am Ende kamen wir mit einer Handvoll Euro und einem wahnsinnig guten Gefühl wieder heim. Wenn man alles mit einrechnet, war es natürlich ein Minus, aber es war ein günstiger Urlaub mit vielen netten Leuten und einer Menge Spaß.

In Tabor lief das überen Freund Radim, der dort die letzten beiden Konzerte organisiert hat. Der organisiert alles in DIY, mit Pennplätzen bei Freunden und leckerem, selbst gekochtem Essen. Leute wie er, genauso wie die Leute vom Outside Rodeo in Coburg, machen für uns als Band das Überleben überhaupt möglich, und das noch dazu sehr angenehm. Eine Subkultur kann halt auch nur überleben, solange es Leute gibt, für die der finanzielle Ertrag nebensächlich ist.

Eure 10 Jahre Dailysoap Jubiläums-Show letzten Dezember im Feierwerk, mit den Dread Cannibals und Punchers Plant, war ein wahnsinns-kraftvoller Auftritt! Eure beiden nächsten Konzerte tragen nun den Titel BACK TO THE PUNK. Worauf kann man sich denn da jetzt gefasst machen?

Die 10 Jahre Dailysoap Show war wirklich ein ganz großes Ereignis, das wir mit vielen Weggefährten teilen konnten. Wir haben ja auch die "alten" Darsteller aus dem Rock´n´Roll-Ruhestand geholt - und es war etwas ganz Besonderes, nach so vielen Jahren noch mal gemeinsam auf der Bühne zu stehen. In Zusammenhang mit den den vielen netten Leuten im Publikum, war das genau der große Abend, den wir uns erträumt hatten.

Bei BACK TO THE PUNK wird es eher um die DAILYSOAP der nächsten 10 Jahre gehen. Wir präsentieren 1–2 neue Songs und freuen uns als Fans auf Lester und die Blind Daters, die übrigens zum ersten Mal in Deutschland spielen. Den Arsch abrocken tun wir uns natürlich auch, aber das machen wir so oder so immer.

Zu LESTER: das ist das uneheliche Kind von PUNCHERS PLANT und DAILYSOAP und die sind jetzt soweit, mal mit den großen Jungs spielen zu dürfen. Der Punkrock-Einfluss lässt sich auch da nicht verleugnen, aber neben deutschem Gesang gibt es auch einige musikalische Vorlieben, die in den beiden genannten Bands weniger ausgelebt werden konnten.

Die BLIND DATERS kommen aus Prag und sind dort relativ bekannt. Sie haben u.a. schon mit ALKALINE TRIO, NOTHINGTON und LEATHERFACE gespielt - alles Bands, die wir selbst lieben und die auch einen gewissen Einfluss auf uns haben. Vor allem aber von der Attitüde passen die Blind Daters gut zu uns, weil die Jungs auch den anfangs angesprochenen Tiefgang haben, der manchen Bands fehlt. Eigentlich wollten wir schon letztes Jahr etwas zusammen machen, das hat aber leider nicht geklappt. Daher freuen wir uns umso mehr, dass wir jetzt sogar 2 Shows gemeinsam spielen können.

dailysoap-band   Tom Tarek                    Wes                 Felix     Mel Roxy       Don Hermann

Es geht dem Jahresende zu - wie immer Zeit für Blicke zurück und nach vorn. Ihr habt ja dieses Jahr einige Auswärtsgigs gespielt, euren ersten unplugged Auftritt absolviert, ein super Musikvideo gemacht und feiert nun den Jahresausklang mit 2, 3 Shows in München und Freising. Euer Fazit? Was ist für nächstes Jahr geplant? Man munkelt da etwas von einer UK-Tour... und die letzte Veröffentlichung, das Album "HEARTMONEYSOUL" liegt ja nun auch schon wieder etwas zurück...

Man mag es kaum glauben, aber wir haben angefangen, neue Songs zu schreiben, für eine EP, die im Frühjahr 2013 rauskommen soll. Ein neuer Videoclip ist im Lauf des Jahres geplant. Und - ja! - wir haben schon die Flugtickets im März nach London gebucht und werden dort 4 Shows spielen. Im Oktober gibt es dann hoffentlich endlich eine 10-Tagestour und am Ende des Jahres hoffentlich wieder ein kleines Festival im Feierwerk.

Achja: Akustisch spielen hat Spaß gemacht und liegt ja voll im Trend - aber wenn wir die Wahl haben, spielen wir definitiv lieber laut!

Das Jahr 2012 war trotz des Rückschlags extrem cool, und wir brennen mehr denn je darauf, auf der Bühne zu stehen. So schnell werdet ihr uns nicht los!!!!

Vielen Dank an Don Hermann für die Beantwortung unserer Fragen!


Dailysoap - Back To The Punk 2012-11-30-feierwerkBACK TO THE PUNK - DAILYSOAP LIVE
mit
LESTER & BLIND DATERS

http://www.backtothepunk.de/
am 30.11.12 im Feierwerk München

am 01.12.12 im Abseits Freising 

 

mehr zu DAILYSOAP:

http://www.dailysoap.de/

http://www.facebook.com/Dailysoap.de


 

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