20 JAHRE MISSBRAUCH! - DAS INTERVIEW

MISSBRAUCH - INTERVIEW

MISSBRAUCH, Münchens älteste aktive Punkband wird 20! Das muss gefeiert werden!
2 Tage Festival! 10 Bands! Am 09./10.11.12 im Feierwerk Hansa 39!

Neben dem Gastgeber MISSBRAUCH sorgen für Stimmung und gute Laune: RASTA KNAST, ALARMSIGNAL, SYSTEMFEHLA, SLAMDAMN, THE RAW DEALS, BLUT UND EISEN, COR, FREI SCHNAUZE, THE GUMBABIES und VOLXVERÄTZUNG! Da mussten wir bei Stichi (und Barny) doch gleich mal nachhaken...

Hey Stichi, warum gibt es eigentlich keine Jubiläums-Scheibe zum Release? Da hätten wir uns ja schon alle drauf gefreut!

Hallo erst mal. Gute Frage. Was hätte man machen sollen? Alte Lieder neu einspielen? Langweilig, finde ich zumindest. Dann kommt natürlich das leidige Thema Geld ins Spiel. Eine Woche Studio usw. können wir uns zur Zeit einfach nicht leisten, und wenn, dann wollen wir lieber das Geld in neue Sachen investieren. Wir haben uns natürlich darüber auch Gedanken gemacht, was man so als Goodie für die Besucher machen kann, und haben uns entschieden, für die ersten 50 Besucher an beiden Tagen, einen USB Stick mit den ersten 4 Missbrauch-Scheiben incl. Booklet zu verschenken. Also pünktliches Erscheinen wäre von Vorteil, sozusagen.

Ist irgendwas in Planung - wie lange muss man denn so auf eure nächste Veröffentlichung warten?

Wir haben in den letzen Monaten immer wieder mal an neuen Sachen gearbeitet, aber da es sich zeitlich nicht immer mit regelmäßigen Proben ausging, wurde das immer wieder hintenangestellt, da wir uns auf anstehende Shows vorbereiten mussten. Jetzt z.B. spielen wir ja auf unserem Festival zweimal, und da kommen schon mal knappe 40 Songs zusammen, die geprobt werden müssen. Da bleibt bei einmal Proben in der Woche nicht wirklich Zeit, neue Lieder zu schreiben. Ich kann nur soviel sagen, dass wir auf alle Fälle noch mal einen Release machen werden, aber zum Zeitraum können wir definitiv noch nichts Konkretes vermelden.  

Stichi und Barny, ihr seid ja von der Urbesetzung noch übrig und habt tatsächlich die ganzen 20 Jahre Bandgeschichte miterlebt. In dieser Zeit hat sich ja - auch privat - bei euch sicher ne Menge getan und auch ihr seid 20 Jahre älter geworden. Trotzdem fühlt es sich überhaupt nicht so an, als hättet ihr irgendwie die Bodenhaftung oder den Draht zum eher jüngeren Publikum, das sich von MISSBRAUCH wohl am direktesten angesprochen fühlt, verloren. Wie macht man das?

Oh ja, da ist schon sehr viel Wasser die Isar runter gelaufen. Jaja, das Alter. Nach einem Konzert-Wochenende merkt man das wohl am ehesten, wenn die alten Knochen schmerzen und der Kater sich noch einen oder zwei Tage länger hält. Wir sind eine Hobby-Band, und da gibt es keinen Grund, die Bodenhaftung zu verlieren. Wir lieben die Musik mit all dem, was dazu gehört. Wir feiern gerne, und das geht immer am besten mit dem Publikum. Ob vor, während oder nach dem Konzert. Dankbarkeit spielt auch eine große Rolle. Man sollte sich immer vor Augen halten, dass ohne die Kids zum Beispiel sich eine Band nicht halten kann. Jeder einzelne Konzertbesucher ist wichtig, und wenn es ihm gefallen hat, kommt er auch mal wieder. Solche Kontakte sind zu pflegen. Jeder Button oder Aufnäher, der gekauft wird, bestärkt uns immer wieder aufs Neue weiterzumachen. Es gibt nichts Schöneres, als wenn man auf Auswärts-Konzerten Leute trifft, die Shirts oder Ähnliches von uns tragen.

Barny: Ich glaube, dass es auch sehr viel damit zu tun hat, dass wir uns als Band nie verstellt haben. Wir haben immer genau das gemacht, worauf wir gerade Bock hatten. Das hat freilich Vor- und Nachteile: Wenn man sich weigert, sich dem Mainstream von Labels oder den einschlägigen Fanzines unterzuordnen, ist’s natürlich unglaublich schwer, den großen Durchbruch zu schaffen. Aber das stand für uns auch nie im Vordergrund! Wichtiger war, dass wir Spaß an der eigenen Sache haben. Nur so bleibt man authentisch. Das stand für uns immer an erster Stelle, und das merkt auch das Publikum. Stell mich vor die Wahl: Als Anheizer vor 1000 Leuten, von denen jeder nur auf den Main-Act wartet, oder als letzte Band in einer Kneipe vor 30 Deutsch-Punk-Freaks? Ich würde mich für den Gig in der Kaschemme entscheiden! Vorausgesetzt, die Band muss nicht verdursten... hihi

Zum Jubiläum natürlich auch die obligatorische Frage: Was waren so die Highlights in der ganzen Zeit, die besten Erlebnisse, der mieseste Auftritt, die lustigste Begebenheit?

Da gibt es so viele kleine und größere Anekdoten. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Als vor 19 Jahren unsere erste Veröffentlichung auf dem Dirty Ugly Terrible-Sampler erschien, war es für uns das Allergrößte, und wir dachten, das sei nicht mehr zu toppen. Gut - die Erkenntnis, dass man doch noch mehr wollte, kam schnell. Ein weiteres Highlight war natürlich, als die zweite CD "Über Leichen" bei Nasty Vinyl rauskam. Als daraufhin auch noch ein Beitrag auf dem Schlachtrufe BRD V Sampler raussprang, war das schon der absolute Hammer. Leider kann ich nicht sagen, wie viele Konzerte wir schon gespielt haben, aber auch für mich waren die kleinen Shows immer die liebsten. Wenn der Club mit 50-100 Leuten zum Bersten voll ist und alle abgehen wie Schnitzel. Natürlich waren die Konzerte auf den Schlachtrufe Touren schon auch immer was sehr Besonderes. Welche Band kann denn schon behaupten, dass sie dreimal im altehrwürdigen SO36 gespielt hat? Und das als kleine Deutschpunk Band. HAHA

Das Ärgerlichste und Lustigste zugleich war wohl, als man mir meine Boots in Glauchau vom Bett weg geklaut hat und ich nur in Socken die Heimreise antreten musste. Grüße an den Dieb – ich hoffe, sie haben gepasst. Ich weiß nicht, wie es meinen Bandkollegen geht, aber für mich war der Auftritt in Frankfurt im Club Voltaire, Ende der 90iger, das Allerschlimmste. Da habe ich etwas zu tief in die Hanftüte geschaut und ich konnte weder Takt noch Geschwindigkeit halten. Ein wahrer Albtraum für mich, LACH !!!!! und für die Jungs bestimmt auch ;-) OK die Geschwindigkeit zu halten bereitet mir auch heute noch Probleme, aber es hat sich gebessert. Zu erwähnen wären natürlich noch die ganzen Sachen mit unserem Projekt "Die Vorstadtkönige". Die Auftritte in der Allianz-Arena – bis zum absoluten Wahnsinn: live auf dem Oktoberfest im Paulaner-Zelt 2007.  

Nichts an Schwung verloren! MISSBRAUCH live mit "Druff"

Eure letzte Scheibe "Vorhang Auf" war ja vom Label her aufgeteilt: CD bei Aggropunk, LP bei SN-Punx. Die Veröffentlichungen davor, 2002 und 2007, waren bei NIX GUT erschienen. Mal ganz abgesehen vom Niedergang des Nix-Gut Labels, das sich letztendlich durch die Geschichte mit dem Druck der Frei.Wild-T-Shirts disqualifiziert hat - wie würdet ihr eure Erfahrung mit Nix Gut beurteilen? War der große Bekanntheitsgrad durch den immensen Streueffekt von Vorteil, oder war man eben nur 'eine von vielen Nix-Gut Bands'?

Die Aufteilung von den beiden Labels ist folgendermaßen zu erklären: SN-Punx wollte auch die CD rausbringen, aber wir haben uns eben für Aggro entschieden. Danach kam uns die Idee, das Album auch auf Vinyl zu veröffentlichen. So fragten wir bei SN nach, und die waren sofort dabei. Außerdem hatten wir dadurch eine größere Streuung der Scheibe über die Republik, da ja jedes Label seine eigenen Vertriebe hat. Tja, die Shirt-Geschichte mit Sp(Fr)eiwild. Es war auch ein Auslöser, um uns ein neues Label zu suchen. Da waren ja damals viele Bands am Absprung von Nix Gut. Grundsätzlich hatten wir schon sehr gute Erfahrungen gemacht mit dem Label. Die große Anzahl an Label-Samplern war schon von Vorteil. So haben wir alle Songs der "Missbrauch Strafbar" auf Compilations untergebracht. Ist schon Wahnsinn. Natürlich ist es schwer, bei der Masse von Bands, die Nix Gut hatte, hervorzustechen. Im Endeffekt wurden nur diejenigen Bands richtig gepuscht, die gute Verkaufszahlen hatten. So schien es uns immer. Ein weiterer negativer Nebeneffekt war, dass viele Veranstalter gar nicht mehr darauf reagiert haben, wenn sie gehört haben, dass man eine NG-Band ist. Woran das lag, vermag ich nicht zu sagen. Es gibt aber definitiv nichts Schlechtes über die Jungs und Mädels von NG zu sagen. Sie haben auch nur versucht, zu leben und die Musik und Bands zu fördern, die es so nie zu einer Veröffentlichung geschafft hätten. Davor habe ich schon großen Respekt.

Nicht zuletzt durch die Teilnahme an unzähligen Label-Samplern und anderen Compilations, aber auch durch das aktive Live-Spielen bei den Schlachtrufe- und Taugenix-Touren ist MISSBRAUCH in Deutschpunk-Kreisen wirklich kein unbekannter Name. Trotzdem habt ihr irgendwie doch nie die Aufmerksamkeit bekommen, die ihr eigentlich verdient hättet, oder? Ihr macht doch alles richtig - von der Musik bis hin zu den aussagekräftigen, guten Texten. Spielt hier wieder das München-Stigma mit rein, über das sich so viele Bands beschweren? Wie waren eure Erfahrungen in dem Bereich, hattet ihr auch das Gefühl, dass allein die Tatsache, dass ihr aus München stammt, euch gegenüber Bands aus anderen Großstädten der Republik zurücksetzt?

Klar waren die ganzen Veröffentlichungen auf den diversen VA-Complations sehr hilfreich, den Namen Missbrauch einer großen Hörerschaft vorzustellen. Leider wurde vor paar Jahren das Ganze so was von übertrieben, und es kamen Sampler auf den Markt, die wirklich keine Sau brauchte. Da hagelte es dann schlechte Reviews usw. und sie verloren sich in der musikalischen Bedeutungslosigkeit. Man möchte meinen, dass drei Schlachtrufe-Touren und zwei Taugenix-Touren in Deutschland, Österreich und der Schweiz für mehr Aufmerksamkeit reichen sollten. Sicherlich wünscht man sich immer mehr Zuschauer und Interesse in den Fanzines, aber man kann es eben nicht erzwingen. Woran das genau liegt, kann niemand sagen. Ich glaube, da spielen so viele Faktoren eine Rolle, dass man sich nicht auf etwas Bestimmtes konzentrieren kann, um es zu ändern. Oft reicht es schon, am richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein, und es wird ein Selbstläufer. Musik ist und bleibt eben Geschmacksache, und wenn man mehr plakative Texte raushaut, gewinnt man vielleicht mehr jüngere Zuhörer, aber verliert auch welche, die man damit nicht mehr vor dem Kamin wegholt. Entweder es klappt oder eben nicht. Da hat man als Band nur bedingt Einfluss drauf.

Natürlich wird man immer wieder mal belächelt, wenn man sagt, man ist aus München bzw. Bayern. Die Leute haben meist keine Ahnung, was hier in unserer Stadt abgeht und geboten ist. Die Vielzahl der Bands und Stilrichtungen sind schon absolute Oberklasse in Deutschland. Sieht man ja, was bei eurem Sampler (In München Nix Los!, Anm. d. Red.) aufgefahren wurde. Natürlich haben es Bands aus der Mitte der Republik bisschen einfacher, weil sie in alle Himmelsrichtungen fahren können, ohne große Strecken zurücklegen zu müssen. Die kommen selten über 300-400 km hinaus. Schwerer haben es da schon die Bands aus dem Süden oder Norden. Das ist auch der Grund, warum man in München nur ganz selten Bands hat, die z.B. aus Hamburg kommen. Außer sie sind auf Tour, und dann sind sie eh schon relativ bekannt. Warum soll ein Veranstalter immer das Risiko eingehen, eine in Hamburg unbekannte Band aus München spielen zu lassen, wenn sie alleine schon 300 € durch den Auspuff bläst. Ich weiß nicht, ob es wirklich der Fall ist, dass man Münchner oder Bayrische Bands zurücksetzt. Vielleicht unterbewusst, dass man über die Bands immer bisschen schmunzelt. Aber: so what – Kopf hoch und rauf auf die Strasse und den Preissen zeigen, was wir in München können.

Ist da nur die Webseite nicht aktualisiert oder stimmt das, dass ihr dieses Jahr noch überhaupt keine einzige Show gespielt habt? Und das im Jubiläumsjahr? Woran lag es?

Hahahahahahahahahaaaaaahhaaa Lach - unsere Webseiten. Ich habe aufgehört, mich darüber zu ärgern, weil da nie was voran geht und auf aktuellem Stand ist. Ich sag nur so viel: Wenn man es nicht selber macht, macht es keiner. Ich halte mich da raus, seitdem ich im Warschauer Fanzine mal als Blinder Grundschüler betitelt wurde, ob des Aussehens der alten Webseite (Ich fühlte mich geehrt). Natürlich haben wir Shows gespielt dieses Jahr. Es sollten sicherlich mehr werden, aber irgendwie ist dieses Jahr der Wurm drin, was unsere Konzerte angeht. Mal klappte es bei uns nicht aus privaten oder beruflichen Gründen, oder Veranstaltungen wurden abgesagt. Natürlich werden unsere Konzerte eher seltener, da Leute in der Band zuhause kleine Kinder haben, und da kommt schon mal was dazwischen.

Und jetzt erzählt uns bitte noch ein bisschen was zum Jubiläums-Festival... Auf welchen Act freut ihr euch persönlich am meisten und warum?

20-jahre-missbrauch-sWie ich eingangs schon mal erwähnt habe, sind wir eine Band, die sehr gerne feiert. Wir feierten unser 5, 10, 15, 18, und jetzt unser 20jähriges Jubiläum. Wir finden schon, dass es was Besonderes ist, wenn sich eine Band so lange hält. Im Vergleich zu anderen Bands hatten wir nie eine Auszeit von mehreren Jahren, bevor wir uns dann wieder zusammengetan haben. Das will und soll gefeiert werden, und das macht man dann auch mit den Bands, die einem über die Jahre hinweg ans Herz gewachsen sind. Rasta Knast spielt dieses Jahr bereits zum vierten Mal bei unseren Festen. Natürlich kann man nicht alle Bands berücksichtigen – dann müssten wir ne ganze Woche durchfeiern, und das schaffen wir alten Herren einfach nicht mehr. Zum ersten Mal dabei sind dieses Mal die Herren von COR und Blut und Eisen, auf die wir uns natürlich besonders freuen. Die anderen Bands sind ja schon alte Recken auf unseren Festivitäten, auf die man sich aber genauso freut. Was vielleicht noch mal zu erwähnen wäre, ist unser kleines Dankeschön am Freitag und Samstag jeweils für die ersten 50 Gäste: Die Missbrauch-Alben 1 bis 4 samt Artwork auf einem USB Stick! Es soll in kleiner Anreiz sein, pünktlich zu kommen, da die ersten Bands ja auch vor Publikum spielen wollen.

Ansonsten wünschen wir uns eine friedliche und sehr ausgelassene Feier mit reichlich guter Live-Musik aller Stilrichtungen. Von Hardcore über Skatepunk bis zum Deutschpunk ist alles dabei. Kommt zahlreich und feiert mit uns. Der Eintrittspreis ist ja auch noch erschwinglich, für die Anzahl der Bands.

Besten Dank für das Interview und lasst es euch allen gut gehen – wir sehen uns dann am 09. und 10 November im Feierwerk Hansa 39!


Ausführlichere Informationen zum 20 Jahre Missbrauch Festival auf dem München-Punk Merkzettel:

MISSBRAUCH im web (hahaha):

http://www.missbrau.ch/

http://www.missbrauch-punk.de/ (die alte seite)

http://de.myspace.com/missbrauch

http://www.facebook.com/Missbrauch

MISSBRAUCH sind mit "Druff" auch auf der "In München Nix Los!" Compilation vertreten:
http://www.in-muenchen-nix-los.de/missbrauchmissbrauch

Tags: Missbrauch