TODESKOMMANDO ATOMSTURM: Aber irgendwie ist es auch cool!

TODESKOMMANDO ATOMSTURM - Todesjugend

Vom Keller zum Saturn! Label, Debüt Album, Videopremiere, soviele Auftritte wie noch nie ausserhalb der eigenen vier Wände und auch noch der Neue am Bass: Der mutige PÖLLE - König des Bügelbretts und Fußnagelknipsers. Damit ist das Jahr 2012 wohl unumstritten das Jahr von TODESKOMMANDO ATOMSTURM! Die fünf pöbelnden Todesjugendlichen mit der grossen Spielfreude im Interview.

Ihr seid ja grad von einer Tour mit 9 Konzerten zurückgekommen und seid quasi schon wieder auf dem Absprung für diverese Wochenend-Touren, die nächste gleich in Italien. Über 20 Gigs schon in diesem Jahr und nochmal 8 stehen schon im Tourkalender! Damit dürftet ihr derzeit die tourfreudigste Band Münchens sein... Darum werdet ihr sicher von den anderen Bands hier in der Stadt beneidet, denn spielen wollen sie eigentlich alle. Wie schafft man das, an so viele gute Auftritte zu kommen?

Matze: Erst mal vielen Dank an euch für das Interview und Respekt, was ihr in letzter Zeit in München so alles auf die Beine gestellt habt.

Tobi: Am Ende stehen dieses Jahr bei uns wirklich viele Konzerte im Kalender. Natürlich kommt das hauptsächlich durch die Tour, auf die uns die Kaput Krauts mitgenommen haben. Die kennen wir schon länger, weil wir immer involviert waren, wenn die in den letzten Jahren im Kafe Marat gespielt haben. Und das ist, glaub ich, ein wichtiger Punkt, warum wir relativ viele Konzerte spielen können. Dadurch, dass der Chrissi und ich jetzt schon einige Jahre im Kafe Marat aktiv sind und mitgeholfen haben diverse Bands zu veranstalten, haben wir natürlich auch viele coole Leute kennengelernt, die in ihren Städten auch Dinge auf die Beine stellen. Außerdem sind auch Oli und Matze zwei Menschen, die schon seit Jahren Musik machen und mit Gott und der Welt in Kontakt stehen.

Chrissi: Wir werden aber auch oft von wildfremden Leuten angeschrieben. Das war schon so, nachdem wir unser Demo an diverese Fanzines verschickt und ins Internet gestellt haben, aber natürlich geht nochmal einiges mehr, seitdem wir die Platte veröffentlicht haben.

Wie war die Tour eigentlich? Highlights? Und: Habt ihr euch noch alle lieb oder gab es bandintern das eine oder andere Ärgernis? Ist ja nicht einfach, so viel Zeit so eng miteinander zu verbringen und dann auch noch immer abends auf die Bühne zu gehen...

Lea: What happens on the road – stays on the road.

Tobi: Das würde ich an Lea‘s Stelle auch sagen.

Matze: Wir hatten berechtigte Angst, dass wir nicht mehr als Band von der Tour zurückkommen würden. Bei uns im Proberaum kracht es schon des öfteren mal, da bei uns teils sehr unterschiedliche Charaktere aufeinander prallen, haha. Erstaunlicherweise verlief die Tour aber sehr harmonisch, und wir haben uns nach der Woche alle noch viel lieber als davor. Auf fast allen Konzerten war echt gut was los, und kein Abend war ein Reinfall. Die Krauts und alle Tourbegleiter sind extrem nette Menschen, und wir haben wieder ein paar neue Freunde gefunden. Die Veranstalter haben sich alle rührend um uns gekümmert, und wir haben sogar ein paar Euro Plus gemacht.

Chrissi: Highlights gab es so einige. Angefangen mit der Entführung von Olis Bass. T.O.D., mit denen wir in Leverkusen gespielt haben, haben den aus Versehen eingepackt und nach Krefeld mitgenommen. Anstatt ihn uns zuzuschicken, haben sie ihn eigenhändig in Freiburg abgeliefert, wo wir dann zusammen ein tolles Konzert und eine irre Aftershowparty bis zum Morgengrauen gefeiert haben. Und das an einem Dienstag. Vielen Dank und liebe Grüße an dieser Stelle nochmal an Toxo. Das Konzert in München war sicher ein weiteres Highlight. Es war einfach cool, nach Hause zu kommen und so viele bekannte, teilweise aber selten gewordene Gesichter zu sehen. Es war super voll, und meiner Meinung nach haben sowohl wir als auch die Krauts eines der besten Konzerte der Tour gespielt. Das hat einfach Spaß gemacht. Und unser Video haben wir ja bei der Gelegenheit auch vorgestellt. Der Seitan-Soja Braten in Leverkusen und der Nudelauflauf in Basel waren die kulinarischen Highlights und sind mit Sicherheit auch eine Erwähnung wert.

Ihr habt es ja auch geschafft, mit Twisted Chords ein richtiges Label für eure Scheibe 'Zeit zu Pöbeln' zu finden. War das schwierig? Habt ihr vorher auch Hunderte von Absagen bekommen oder wie lief das? Was könnt ihr anderen Bands, die ein Label für fertige Aufnahmen suchen, raten, damit es bei denen vielleicht auch klappt?

Tobi: Ich hab mir das mit der Labelsuche schon eher schwierig vorgestellt, und im Nachhinein muss man sagen, dass wir riesen Glück hatten, dass der Tobi von Twisted Chords sich unserer Aufnahmen angenommen hat. Wir haben eigentlich alle einschlägigen Punk Label, die wir selber cool finden, mit unseren Aufnahmen belästigt. Die meisten haben abgesagt. Allerdings hätten wir unser Album wohl auch ohne Twisted Chords rausbringen können. Der Charlie von Schlecht und Schwindlig und der Daniel von Elfenart Records haben nämlich auch Interesse bekundet, und mit einem Eigenanteil unsererseits wär das dann schon irgendwie gelaufen. So ist es natürlich um einiges unstressiger für uns.

Matze: Wir haben vor ein paar Jahren dem Tobi (Twisted Chords) bei Gelegenheit mal unser Demo in die Hand gedrückt. Als wir dann gerade aufgenommen haben und er mal wieder mit seinem Distrostand in München war, hat ihm wohl unser Freund Jan (Kachel/Malatesta) von den Aufnahmen erzählt und ihm Honig um den Mund geschmiert.

Tobi: ... so lautet zumindest die Version vom Jan ...

Matze: Kurz darauf kam eine Mail, dass wir ihm die Aufnahmen doch mal schicken sollen, wenn sie fertig sind. Gesagt - getan, und er meinte dann sofort, dass er die Platte mit uns machen will. Mit Twisted Chords sind wir jetzt definitiv auf unserem Wunschlabel gelandet. Der Tobi ist ein super Typ und bringt nur Platten raus, mit denen wir uns auch identifizieren können. Warum das so geklappt hat, ist schwer zu sagen. Vielleicht haben wir mit unserem Sound und den Texten irgendwie nen Nerv bei manchen Leuten getroffen.

Chrissi: Tipps geben find ich schwierig, da auch hier, wie schon erwähnt und so oft im Leben, Glück und vor allem persönliche Kontakte eine Rolle spielen. Ich glaube aber auch, dass du eine rumplige Kasi-Aufnahme heute nicht mehr loskriegst und eine passable Aufnahme nicht unwichtig ist. Was die Soundqualität angeht, aber auch die Songs selbst und wie sie eingespielt sind, das sollte alles halbwegs passen. Eine Garantie ist das freilich nicht. Ich hoffe, wir haben das einigermaßen hingekriegt, jedenfalls haben wir uns wahnsinnig viel Mühe gegeben. So ne Platte is halt ein Arsch voll Arbeit, das darf man auch nicht vergessen. Der Rest ist Geschmackssache.

Pölle: Also ich kann nur raten, erst einzusteigen, wenn die Band schon ein Label gefunden hat. Das erleichtert so einiges.

Wie ist das denn, ein richtiges Label zu haben? Was sind konkret die Vorteile gegenüber einer D.I.Y. Veröffentlichung? Nimmt einem ein Label tatsächlich so viel Arbeit ab mit Tourbooking und Promo etc.?

Lea: Dadurch, dass Tobi (TC) viele und gute Kontakte hat, wurde die Werbetrommel natürlich ordentlich gerührt. Das hätten wir in der Form selber nicht geschafft. Das Booking machen wir aber immer noch komplett selbst.

Tobi: Wir waren nach unseren Aufnahmen wirklich pleite. Keinen Cent mehr in der Bandkasse - und jeder hat einen nicht geringen Teil seines bescheidenen Privatvermögens in die Aufnahmen gesteckt. Deshalb war der größte Vorteil an einem Label, dass es die Kosten für die Pressung übernimmt. Außerdem gibt’s unser Album nicht nur auf Vinyl, sondern auch als CD und zum Download im Internet. Das hätten wir sicher nie so fett aufgezogen oder aufziehen können, wenn wir das Ganze selber rausgebracht hätten. Das ist der zweite große Vorteil an einem Label, dass meistens noch ein Vertrieb (in unserem Fall Broken Silence) mit ins Boot geholt wird. Die sorgen dann dafür, dass es die Platte in allen einschlägigen Mailordern aber auch bei Amazon oder Saturn zu kaufen gibt. Ob das noch Punk ist, muss der Peter beantworten. Aber irgendwie ist es auch cool!

Matze: Wir haben ja mit Kollateralschaden (Matzes anderer Band, Anm. d. Red.) unsere letzte Platte mangels Label auf eigene Kosten rausgebracht. Da Aufnahmen und Presswerke nicht ganz billig sind, sitzen wir auf nem recht großen Schuldenberg. Wir haben es zwar geschafft, die Platte bei den gängigen Mailordern unterzubringen, aber sich um sowas selber zu kümmern, ist verdammt viel Arbeit. Da ist es halt schon sehr komfortabel, ein Label zu haben, welches die Kosten für die Herstellung der Tonträger übernimmt und sich darum kümmert, dass diese auch verkauft werden.

Wie verkauft sich die Platte? Habt ihr den Eindruck, dass der Vertrieb über das Label sich auszahlt oder ist es immer noch so, dass die Platte hauptsächlich bei Live-Auftritten am Merch-Stand gekauft wird? Wie ist denn so in etwa das Verhältnis bei den Verkaufszahlen?

Tobi: Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht so genau, wie sich die Platte bei Twisted Chords verkauft. Der Tobi erzählt nur immer, dass über den Vertrieb wenig geht. Das ist mehr Werbung als wirklich Verkaufen. Ist ja auch klar. Wer bestellt denn bitte ein Album für 16 Euro bei Amazon, wenn er es bei Twisted Chords für nen Zehner haben kann? Bei uns selber läuft die Platte super. Wir haben 50 Platten geschenkt bekommen, die haben wir alle verkauft und mussten bei Twisted Chords nachordern. Das weiße Vinyl ist so gut wie ausverkauft.

Matze: Von der Platte liegen von 500 Stück noch ca. 150 beim Label und etwa 30 bei uns. Der Rest ist verkauft oder im Vertrieb. Die Platte verkauft sich auch sehr gut auf unseren Konzerten, die CD nicht so. Kein Wunder, CDs haben keine Zukunft.

Ihr habt ja auch einen sehr schönen Videoclip zu "zukunft ist nichts für mich" vorgestellt am 13.10.2012 beim Auftritt im Kafe Marat. Wie habt ihr denn bitte dazu auch noch die Zeit gefunden? Wie ist der Clip entstanden, wer hat mitgemacht, wer hatte die Idee? 

Chrissi: Sören, ein Bekannter von uns, der von Berufswegen etwas Ahnung von der Materie hat, hat uns angesprochen, ob wir Lust hätten, ein Musikvideo mit ihm zu drehen. Wir haben uns das davor schon selber überlegt, uns aber vor dem Aufwand gescheut. Da kam er natürlich wie gerufen. Die finale Idee zum Clip kam dann auch vom Sören, und zusammen haben wir sie ausgearbeitet und mit Details gefüllt. Zeitlich war das gar nicht mal so ein großes Problem, da unser Konzept nicht sehr aufwendig war und wir alles im Voraus gut durchgeplant haben. Außerdem hatten wir noch Hilfe von Phipsi und Anna. Drum konnten wir das an zwei Sonntagen durchziehen, und wenn uns die Bullen nicht am Mittleren Ring belästigt hätten, wäre es noch schneller und auch günstiger gegangen.

Pölle: Ich bin ja für einen Drehtag auch mit eingesprungen, weil ich das mit dem Bügeln so gut kann - und weil keiner sich getraut hat, den Fußnagelknipser zu verwenden.

Todeskommando Atomsturm - Video zukunft ist nichts für mich

Ihr hattet ja am Bass einen Besetzungswechsel: Statt Oli spielt nun der Pölle, der im Kafe Marat einen super Einstand geliefert hat. Wie kam es zum Wechsel? Wer ist Pölle? Stellt ihn doch bitte mal kurz vor.

Chrissi: Pölle? Das ist doch dieser abgehalfterte, lange Typ mit der blondierten Glenn-Danzig-Gedächtnislocke ...

Pölle: Erstmal Danke fürs Kompliment und bevor sich jetzt die anderen vier ausgiebig über mich auslassen können, geb ich selbst meinen Senf dazu. Ich bin 31, vor zwei Jahren nach München gezogen, habe seit Ende der 90er in diversen Punk/HC Bands Gitarre gepsielt und hatte nach dem Aus meiner letzten Band eh wahnsinnig Bock, wieder Musik zu machen. Den Chrissi hab ich im Kafe Marat kennengelernt. Wir haben ab und an zusammen gejammed, und irgendwann hat er mich mit Gerstensaft bestochen und gefragt, ob ich bei TK/AS einsteigen will. Da ich eh ein Grobmotoriker bin und mir der Bass viel besser steht als eine Gitarre, hab ich mir in möglichst kurzer Zeit die Songs draufgeschafft, und wir haben versucht, einen möglichst fliegenden Wechsel zwischen dem Oli und mir hinzubekommen. Dass mein erstes Konzert das Tourfinale im Kafe Marat sein sollte, hat sich kurzfristig ergeben, da der Oli an dem Termin nicht konnte. War für mich aber ein super Start. Ich wurde ja sogar mit ner anständigen Bierdusche getauft. Rührend.

Matze: Der Oli meinte schon vor etwa einem Jahr, dass ihm das alles langsam zu viel mit uns wird, da er ja nebenbei noch bei den Rancors und bei Betongabi singt. Dazu kam damals noch seine Schichtarbeit. Netterweise hat er angeboten, noch so lange in der Band zu bleiben, bis wir jemand gefunden haben, der wirklich zu uns passt. Das war natürlich eine komfortable Situation.

Tobi: Bleibt noch zu sagen, dass wir den Oli jetzt schon total vermissen. Wir hatten nochmal super viel Spaß mit ihm auf Tour, und sosehr wir uns jetzt darauf freuen, mit dem Pölle Musik zu machen, ist es auch schade, weil der Oli einfach ein ziemlich cooler Typ und ein guter Freund ist.

Das Jahr geht dem Ende zu. Was ist für 2013 geplant?

Chrissi: Erstmal neue Songs schreiben. Das kam in letzter Zeit zu kurz, da wir ja den Pölle eingelernt haben, und so wie's aussieht, werden wir im Sommer ein paar Open Airs spielen.

Tobi: Es gibt auch schon vage Pläne, vielleicht ein paar Konzerte in Spanien oder in Norddeutschland zu spielen. Aber das sind eher noch Wunschträume, und vielleicht kommt auch alles ganz anders. Im Moment haben wir jedenfalls eine Menge Spaß. Alles andere wird sich zeigen.

Dieses Interview wurde via e-mail geführt.
Herzlichen Dank an Todeskommando Atomsturm für die Beantwortung unserer Fragen!


TODESKOMMANDO ATOMSTURM sind: tobi matze lea chrissi (oli) pölle

diskographie:

  • Zeit zu Pöbeln (lp/cd) 2012 Twisted Chords
  • Demo (cd) 2009 DIY

mehr info unter:

http://todeskommando.de/
http://www.facebook.com/todeskommando

TODESKOMMANDO ATOMSTURM sind natürlich auch auf der 'In München Nix Los!' Compilation:

http://www.in-muenchen-nix-los.de/todeskommando-atomsturm

Ihr seid ja grad von einer Tour mit 9 Konzerten zurückgekommen und seid quasi schon wieder auf dem Absprung für diverese Wochenend-Touren, die nächste gleich in Italien. Über 20 Gigs schon in diesem Jahr und nochmal 8 stehen schon im Tourkalender! Damit dürftet ihr derzeit die tourfreudigste Band Münchens sein... Darum werdet ihr sicher von den anderen Bands hier in der Stadt beneidet, denn spielen wollen sie eigentlich alle. Wie schafft man das, an so viele gute Auftritte zu kommen?


Matze: Erst mal vielen Dank an euch für das Interview und Respekt, was ihr in letzter Zeit in München so alles auf die Beine gestellt habt.

Tobi: Am Ende stehen dieses Jahr bei uns wirklich viele Konzerte im Kalender. Natürlich kommt das hauptsächlich durch die Tour, auf die uns die Kaput Krauts mitgenommen haben. Die kennen wir schon länger, weil wir immer involviert waren, wenn die in den letzten Jahren im Kafe Marat gespielt haben. Und das ist glaub ich ein wichtiger Punkt, warum wir relativ viele Konzerte spielen können.
Dadurch, dass der Chrissi und ich jetzt schon einige Jahre im Kafe Marat aktiv sind und mitgeholfen haben diverse Bands zu veranstalten, haben wir natürlich auch viele coole Leute kennengelernt, die in ihren Städten auch Dinge auf die Beine stellen. Außerdem sind auch Oli und Matze zwei Menschen, die schon seit Jahren Musik machen und mit Gott und der Welt in Kontakt stehen.

Chrissi: Wir werden aber auch oft von wildfremden Leuten angeschrieben. Das war schon so nachdem wir unser Demo an diverese Fanzines verschickt und ins Internet gestellt haben, aber natürlich geht nochmal einiges mehr seitdem wir die Platte veröffentlicht haben.



Wie war die Tour eigentlich? Highlights? Und: Habt ihr euch noch alle lieb oder gab es bandintern das eine oder andere Ärgernis? Ist ja nicht einfach, so viel Zeit so eng miteinander zu verbringen und dann auch noch immer abends auf die Bühne zu gehen...



Lea: What happens on the road – stays on the road.

Tobi: Das würde ich an Lea‘s Stelle auch sagen.

Matze: Wir hatten berechtigte Angst, dass wir nicht mehr als Band von der Tour zurückkommen würden. Bei uns im Proberaum kracht es schon des öfteren mal, da bei uns teils sehr unterschiedliche Charaktere aufeinander prallen, haha.
Erstaunlicherweise verlief die Tour aber sehr harmonisch und wir haben uns nach der Woche alle noch viel lieber als davor. Auf fast allen Konzerten war echt gut was los und kein Abend war ein Reinfall. Die Krauts und alle Tourbegleiter sind extrem nette Menschen und wir haben wieder ein paar neue Freunde gefunden. Die Veranstalter haben sich alle rührend um uns gekümmert und wir haben sogar ein paar Euro Plus gemacht.



Chrissi: Highlights gab es so einige. Angefangen mit der Entführung von Olis Bass.
T.O.D. mit denen wir in Leverkusen gespielt haben, haben den ausversehen eingepackt und nach Krefeld mitgenommen. Anstatt ihn uns zuzuschicken, haben sie ihn eigenhändig in Freiburg abgeliefert, wo wir dann zusammen ein tolles Konzert und eine irre Aftershowparty bis zum Morgengrauen gefeiert haben. Und das an einem Dienstag. Vielen Dank und liebe Grüße an dieser Stelle nochmal an Toxo.
Das Konzert in München war sicher ein weiteres Highlight. Es war einfach cool nach Hause zu kommen und so viele bekannte, teilweise aber selten gewordene Gesichter zu sehen. Es war super voll und meiner Meinung nach haben sowohl wir als auch die Krauts eines der besten Konzerte der Tour gespielt. Das hat einfach Spaß gemacht. Und unser Video haben wir ja bei der Gelegenheit auch vorgestellt.
Der Seitan-Soja Braten in Leverkusen und der Nudelauflauf in Basel waren die kulinarischen Highlights und sind mit Sicherheit auch eine Erwähnung wert.



Ihr habt es ja auch geschafft, mit Twisted Chords ein richtiges Label für eure Scheibe 'Zeit zu Pöbeln' zu finden. War das schwierig? Habt ihr vorher auch Hunderte von Absagen bekommen oder wie lief das? Was könnt ihr anderen Bands, die ein Label für fertige Aufnahmen suchen, raten, damit es bei denen vielleicht auch klappt?



Tobi: Ich hab mir das mit der Labelsuche schon eher schwierig vorgestellt und im Nachhinein muss man sagen, dass wir riesen Glück hatten, dass der Tobi von Twisted Chords sich unseren Aufnahmen angenommen hat.
Wir haben eigtl. alle einschlägigen Punk Label, die wir selber cool finden, mit unseren Aufnahmen belästigt. Die meisten haben abgesagt. Allerdings hätten wir unser Album wohl auch ohne Twisted Chords rausbringen können. Der Charlie von Schlecht und Schwindlig und der Daniel von Elfenart Records haben nämlich auch Interesse bekundet und mit einem Eigenanteil unsererseits wär das dann schon irgendwie gelaufen. So ist es natürlich um einiges unstressiger für uns.

Matze: Wir haben vor ein paar Jahren dem Tobi (TC) bei Gelegenheit mal unser Demo in die Hand gedrückt. Als wir dann gerade aufgenommen haben und er mal wieder mit seinem Distrostand in München war hat ihm wohl unser Freund Jan (Kachel/Malatesta) von den Aufnahmen erzählt und ihm Honig um den Mund geschmiert.

 

Tobi: … so lautet zumindest die Version vom Jan …

 

Matze: Kurz darauf kam eine Mail, dass wir ihm die Aufnahmen doch mal schicken sollen,

wenn sie fertig sind. Gesagt - getan und er meinte dann sofort, dass er die Platte mit uns machen will. Mit Twisted Chords sind wir jetzt definitiv auf unserem Wunschlabel gelandet. Der Tobi ist ein super Typ und bringt nur Platten raus, mit denen wir uns auch identifizieren können.

Warum das so geklappt hat ist schwer zu sagen. Vielleicht haben wir mit unserem Sound und den Texten irgendwie nen Nerv bei manchen Leuten getroffen.

 

Chrissi: Tipps geben find ich schwierig da auch hier, wie schon erwähnt und so oft im Leben, Glück und vor allem persönliche Kontakte eine Rolle spielen.

Ich glaube aber auch dass du eine rumplige Kasi-Aufnahme heute nicht mehr loskriegst und  eine passable Aufnahme nicht unwichtig ist. Was die Soundqualität angeht aber auch die Songs selbst und wie sie eingespielt sind, das sollte alles halbwegs passen. Eine Garantie ist das freilich nicht. Ich hoffe wir haben das einigermaßen hingekriegt, jedenfalls haben wir uns wahnsinnig viel Mühe gegeben. So ne Platte is halt ein Arsch voll Arbeit, das darf man auch nicht vergessen. Der Rest ist Geschmackssache.

 

Pölle: Also ich kann nur raten, erst einzusteigen, wenn die Band schon ein Label gefunden hat. Das erleichtert so einiges.

 

 

Wie ist das denn, ein richtiges Label zu haben? Was sind konkret die Vorteile gegenüber einer D.I.Y. Veröffentlichung? Nimmt einem ein Label tatsächlich so viel Arbeit ab mit Tourbooking und Promo etc.?

 

Lea: Dadurch, dass Tobi (TC) viele und gute Kontakte hat wurde die Werbetrommel natürlich ordentlich gerührt. Das hätten wir in der Form selber nicht geschafft. Das Booking machen wir aber immer noch komplett selbst.

 

Tobi: Wir waren nach unseren Aufnahmen wirklich Pleite. Keinen Cent mehr in der Bandkasse und jeder hat einen nicht geringen Teil seines bescheidenen Privatvermögens in die Aufnahmen gesteckt. Deshalb war der größte Vorteil an einem Label, dass es die Kosten für die Pressung übernimmt.
Außerdem gibt’s unser Album nicht nur auf Vinyl sondern auch als CD und zum Download im Internet. Das hätten wir sicher nie so fett aufgezogen oder aufziehen können, wenn wir das ganze selber rausgebracht hätten. Das ist der zweite große Vorteil an einem Label, dass meistens noch ein Vertrieb (in unserem Fall Broken Silence) mit ins Boot geholt wird. Die sorgen dann dafür, dass es die Platte in allen einschlägigen Mailordern aber auch bei Amazon oder Saturn zu kaufen gibt. Ob das noch Punk ist, muss der Peter beantworten. Aber irgendwie ist es auch cool!

 

Matze: Wir haben ja mit Kollateralschaden unsere letzte Platte mangels Label auf eigene Kosten rausgebracht. Da Aufnahmen und Presswerke nicht ganz billig sind sitzen wir auf nem recht großen Schuldenberg. Wir haben es zwar geschafft, die Platte bei den gängigen Mailordern unterzubringen aber sich um sowas selber zu kümmern ist verdammt viel Arbeit.

Da ist es halt schon sehr komfortabel ein Label zu haben, welches die Kosten für die Herstellung der Tonträger übernimmt und sich darum kümmert, dass diese auch verkauft werden.

 

 

Wie verkauft sich die Platte? Habt ihr den Eindruck, dass der Vertrieb über das Label sich auszahlt oder ist es immer noch so, dass die Platte hauptsächlich bei Live-Auftritten am Merch-Stand gekauft wird? Wie ist denn so in etwa das Verhältnis bei den Verkaufszahlen?



Tobi: Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht so genau, wie sich die Platte bei Twisted Chords verkauft. Der Tobi erzählt nur immer, dass über den Vertrieb wenig geht. Das ist mehr Werbung als wirklich Verkaufen. Ist ja auch klar. Wer bestellt denn bitte ein Album für 16 Euro bei Amazon, wenn er es bei Twisted Chords für nen Zehner haben kann?
Bei uns selber läuft die Platte super. Wir haben 50 Platten geschenkt bekommen, die haben wir alle verkauft und mussten bei Twisted Chords nachordern. Das weiße Vinyl ist so gut wie ausverkauft.

Matze: Von der Platte liegen von 500 Stück noch ca. 150 beim Label und etwa 30 bei uns. Der Rest ist verkauft oder im Vertrieb.
Die Platte verkauft sich auch sehr gut auf unseren Konzerten, die CD nicht so. Kein Wunder, CDs haben keine Zukunft.



Ihr habt ja auch einen sehr schönen Videoclip zu "zukunft ist nichts für mich" vorgestellt am 13.10.2012 beim Auftritt im Kafe Marat. Wie habt ihr denn bitte dazu auch noch die Zeit gefunden? Wie ist der Clip entstanden, wer hat mitgemacht, wer hatte die Idee?

Chrissi: Sören, ein Bekannter von uns, der von Berufswegen etwas Ahnung von der Materie hat, hat uns angesprochen ob wir Lust hätten ein Musikvideo mit ihm zu drehen. Wir haben uns das davor schon selber überlegt, uns aber vor dem Aufwand gescheut. Da kam er natürlich wie gerufen. Die finale Idee zum Clip kam dann auch vom Sören und zusammen haben wir sie ausgearbeitet und mit Details gefüllt.

Zeitlich war das gar nicht mal so ein großes Problem, da unser Konzept nicht sehr aufwendig war und wir alles im Voraus gut durchgeplant haben. Außerdem hatten wir noch Hilfe von Phipsi und Anna. Drum konnten wir das an zwei Sonntagen durchziehen und wenn uns die Bullen nicht am Mittleren Ring belästigt hätten, wäre es noch schneller und auch günstiger gegangen.

 

Pölle: Ich bin ja für einen Drehtag auch mit eingesprungen, weil ich das mit dem Bügeln so gut kann - und weil keiner sich getraut hat den Fußnagelknipser zu verwenden.

Ihr hattet ja am Bass einen Besetzungswechsel: Statt Oli spielt nun der Pölle, der im Kafe Marat einen super Einstand geliefert hat. Wie kam es zum Wechsel? Wer ist Pölle? Stellt ihn doch bitte mal kurz vor.

Chrissi: Pölle? Das ist doch dieser abgehalfterte, lange Typ mit der blondierten Glenn-Danzig-Gedächtnislocke …

Pölle: Erstmal Danke fürs Kompliment und bevor sich jetzt die anderen vier ausgiebig über mich auslassen können, geb ich selbst meinen Senf dazu. Ich bin 31, vor zwei Jahren nach München gezogen, habe seit Ende der 90er in diversen Punk/HC Bands Gitarre gepsielt und hatte nach dem Aus meiner letzten Band eh wahnsinnig Bock wieder Musik zu machen. Den Chrissi hab ich im Kafe Marat kennengelernt. Wir haben ab und an zusammen gejammed und irgendwann hat er mich mit Gerstensaft bestochen und gefragt, ob ich bei TK/AS einsteigen will.
Da ich eh ein Grobmotoriker bin und mir der Bass viel besser steht als eine Gitarre hab ich mir in möglichst kurzer Zeit die Songs draufgeschafft und wir haben versucht einen möglichst fliegenden Wechsel zwischen dem Oli und mir hinzubekommen.
Dass mein erstes Konzert das Tourfinale im Kafe Marat sein sollte hat sich kurzfristig ergeben, da der Oli an dem Termin nicht konnte. War für mich aber ein super Start. Ich wurde ja sogar mit ner anständigen Bierdusche getauft. Rührend.

Matze: Der Oli meinte schon vor etwa einem Jahr, dass ihm das alles langsam zu viel mit uns wird, da er ja nebenbei noch bei den Rancors und bei Betongabi singt. Dazu kam damals noch seine Schichtarbeit.

Netterweise hat er angeboten noch so lange in der Band zu bleiben, bis wir jemand gefunden haben, der wirklich zu uns passt. Das war natürlich eine komfortable Situation.



Tobi: Bleibt noch zu sagen, dass wir den Oli jetzt schon total vermissen. Wir hatten nochmal super viel Spaß mit ihm auf Tour und so sehr wir uns jetzt darauf freuen mit dem Pölle Musik zu machen, ist es auch schade, weil der Oli einfach ein ziemlich cooler Typ und ein guter Freund ist.

 

 

Das Jahr geht dem Ende zu. Was ist für 2013 geplant?

Chrissi: Erstmal neue Songs schreiben. Das kam in letzter Zeit zu kurz, da wir ja den Pölle eingelernt haben und so wie's aussieht werden wir im Sommer ein paar Open Airs spielen.

 

Tobi: Es gibt auch schon vage Pläne vielleicht ein paar Konzerte in Spanien oder in Norddeutschland zu spielen. Aber das sind eher noch Wunschträume und vielleicht kommt auch alles ganz anders.

Im Moment haben wir jedenfalls eine Menge Spaß. Alles andere wird sich zeigen.



 

 



 

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