UGH! MUNICH MOTOR VOODOO ROCK -Interview zum 'WASTE' Album Release

UGH! MUNICH MOTOR VOODOO ROCK

Endlich ist es soweit! Die UGH!-Release-Party zum neuen Album 'WASTE' steigt am 02.05. im Feierwerk Sunny Red. Die letzte UGH!-Veröffentlichung war 2006, die Fatburner-7" auf yrusmtsim. Grund genug die Münchner Motor Voodooo Rocker UGH! und das neue Album vorzustellen! Interview mit den Krachmachern Tim, Sonny und Martin über Knistern und Rauschen, Selbermachen, Schubladen - und natürlich das neue Album...

Nun ist also das neue Album "Waste" als CD und Vinyl auf Elektrohasch erschienen, die Release-Party dazu steigt am 02.05. im Feierwerk (siehe -> Merkzettel). Warum hat das bis zum neuen Album solange gedauert? Was ist denn in der Zwischenzeit passiert?

MARTIN: Hauptgründe für die Verzögerung sind zum einen unsere Arbeitsweise, weil wir im A.R.A. Tonstudio von Tim arbeiten können wann wir wollen, und sind da nicht gezwungen, aus Kostengründen schnell in ein, zwei Wochen fertig zu sein, weswegen wir einfach neue Songs einspielen können, wenn wir sie für fertig oder "aufnehmbar" halten. Zum anderen ist UGH! hauptsächlich ein Projekt von Sony und Tim, die als Bass/Vocals/Drums-Duo generell mit verschiedenen anderen Musikern arbeiten, und ja prinzipiell auch arbeiten müssen und Familie haben. Da ich auch noch in verschiedenen anderen Bands und Projekten arbeite, hatte ich mich vor zwei, drei Jahren dazu entschlossen, nicht mehr regelmäßig bei UGH! zu spielen, dann aber doch wieder, ein bißchen verwirrend, ich weiß, so ist das halt. Auf jeden Fall haben Sony und Tim zwischenzeitlich viel mit Burkhard gemacht, der aber auch nicht regelmäßig dabei ist, und inzwischen haben sie mit Ruben einen Gitarristen, der bei den Aufnahmen nur bei einem Stück als Violinist beteiligt war, jetzt aber primär Gitarre spielt.

TIM: Ich glaube nicht, dass es daran lag, dass wir so viel Studiozeit hatten. Es hat einfach seine Zeit gebraucht, bis wir die Stücke zusammen hatten und wir sie so spielen konnten, wie wir sie gerne auf der Platte haben wollten. Die Aufnahme und Mischung selbst gingen eigentlich sehr zügig voran.

SONNY: Also, mit der tatsächlichen Produktion, also ab erster Aufnahme haben wir schon über ein Jahr gebraucht. Das IST lang, aber eben aus dem Luxus heraus immer ein Tonstudio (A.R.A) parat zu haben. Dann wollten wir es natürlich auch so gut wie nur möglich aufgenommen und produziert haben. Dass wir ca. 5 Jahre gebraucht haben, die Stücke alle zusammenzukriegen, dann wieder alle gut genug drauf zu haben um sie aufnehmen zu können, liegt einfach daran, dass wir alle das Ganze parallel zum Everydaybusiness organisieren. Dazu dann zeitweise Komplettausstiege, Wiedereinstiege, Übungsraum- und Studioverlust und was das Musikerleben eben so alles an Klippen zu bieten hat.

Hmm, das mit den Gitarristen klingt ja etwas verwirrend...vielleicht stellt ihr doch mal die aktuelle Bandbesetzung vor?!

MARTIN: Tim und Sonny (beide früher mit Poldi bei Tailgate, Tim auch in der Urbesetzung von Colour Haze) sind einfach UGH!, und dann gibt es eben noch den "losen Verbund" an Gitarristen: das sind Martin (also ich, u.a. auch Tagar, Honig, Das Weiße Pferd, usw. usf...mache seit 2006 eben auch das Mini-Label yrusmtsim), Ruben und Burkhard. Das sind die drei verschiedenen Besetzungen im Proberaum...bei Auftritten war das bisher hauptsächlich Sony, Tim und Martin, in letzter Zeit aber auch mit Ruben. Wie sich das weiter entwickelt, weiß eigentlich keiner, wir werden sehen...

TIM: Jedenfalls bleibt UGH! vielseitig.

SONNY: Yup. Dingseidank.

Sprechen wir mal vom neuen Album Waste (LP/CD, Elektrohasch Records EH158) -auffallend ist ja, dass (bis auf Ira) alle Songs lässig über 3 Minuten Spielzeit haben, der 'Dinosaurier' Manhole sogar 11 Minuten! Eher ungewöhnlich für aktuelle Produktionen, oder? Erzählt mal was zum neuen Album...

MARTIN: Also zu den Aufnahmen generell: Aufgenommen haben wir das Ding im A.R.A. Tonstudio, das von Tim und Poldi gegründet wurde und betrieben wird. Wir haben alles selber produziert, gemischt und gemastert. Wie lang ein Song im Ende sein wird, ist uns prinzipiell egal, wir haben eine Songidee, die wir dann einfach zusammen arrangieren und ausarbeiten, wenn das jetzt nur eine Minute kurz wird oder eine halbe Stunde lang, ist uns erstmal total egal - genauso auch, ob wir das stilistisch überhaupt "dürfen".

TIM: Vergleicht man unsere Stücklängen mit denen anderer Veröffentlichungen auf Elektrohasch, fällt auf, dass unsere Lieder kürzer als die meisten anderen sind. Stücklängen sind also relativ...

SONNY: So isses. Also, wir planen keine Stücklängen. Ein Stück wird so lang, wie wir es für nötig halten. Und da wir uns stilistisch auch nie festgelegt haben, gibt's auch keine innere Stoner-, Punkrock- oder Sonstwas-Polizei, die da was zu melden hätte. Wie Martin schon gesagt hat, ist alles selfmade, also auch Aufnahme, Mix, Produktion und Tonträger-Gestaltung. Der ganze Werdegang der Scheibe hat mir wahnsinnig Spaß gemacht und ich freu mich schon darauf, den nächsten Song anzupacken.


UGH! WASTE ALBUM CD/LP (Elektrohasch Records EH158)

 ugh! Waste 01. Trunk
02. Mine
03. Tar
04. Heat
05. Suck
06. Ira
07. Starve
08. Down
09. Kite
10. One second
11. Ash
12. Manhole

All songs written & performed by UGH!
Produced & mixed at ARA Tonstudio, Munich, Bavaria in 2011 by UGH! 


Auf eurer FB-Seite stellt ihr ja die Frage: "Soll es das UGH!-Album 'Waste' auch in digitaler Form bei Amazon, iTunes, Spotify usw. geben?" Wie seht ihr die Problematik des Formates? In welcher Form soll/muss eurer Meinung nach Musik heutzutage vertrieben werden?

MARTIN: Für mich persönlich ist Vinyl nach wie vor das beste Format: ich liebe es eine Schallplatte aufzumachen, Platte auf den Teller, Nadel drauf, Knistern, Rauschen, Cover anglotzen...da geht nix drüber - aber es soll ja jeder Musik hören können wie er will - insofern finde ich auch digitale Formate in Ordnung - ich persönlich bin aber der Meinung, daß man als "kleine" Band, die eh nicht umsatzorientiert arbeiten will oder kann, nicht so arg auf solche Formate achten muß...die meisten der Aufnahmen, an denen ich beteiligt bin, gebe ich deswegen meist irgendwann als kostenlosen Download raus, da mache ich mir keine Illusionen, und diese Copyrightgeschichten sind mir auch irgendwie wurst, ich glaub da nicht dran, daß man beklaut wird oder was weiß ich...so will ich nicht denken, das ist mir zu business-mäßig, da laß ich mich nicht drauf ein - ich weiß, wann und wie ich etwas produziert habe, und denke das man gut damit fährt, daß das jeder anhören kann der will, und das auch irgendwie remixen oder verwenden kann, und dann eben so ehrlich ist und das in seinen Credits erwähnt.

TIM: Ich dachte mir, frag doch mal die Freunde von UGH!, ob sie unsere Musik auch in anderen Formaten haben wollen. Wenn das so ist, dann schicken wir das Album auch noch auf diesem Weg ins Netz. Spotify und andere bieten auch noch den Vorteil, dass Leute, die nur ein Genre eingeben und sich per Zufallsgenerator berieseln lassen, auch über unsere Musik stolpern können und vielleicht auf eines unserer Konzerte kommen, wenn wir mal wieder eine kleine Tour durchs Land machen. Unser Ziel ist es nicht, reich, berühmt und schön zu werden, aber ein paar Leute vor der Bühne sehen wir immer gerne.

SONNY: Was Datenformate betrifft, bin ich sehr unnostalgisch. Klar ist eine Vinüllscheibe was tolles. Groß, schwer, hoffentlich schön etc. Und extrem unpraktisch. Ich bin relativ selten zuhause. Und wenn ich nur die Musikauswahl auf meinem Piesel-8GB-Player in Vinüll mitschleppen müsste, bräuchte ich nen Lastwagen (Reden wir nicht von den zerschossenen Bandscheiben bei jedem Umzug). Vinyl und CD (und ganz wichtig MC) waren zu ihrer Zeit ja die einzige (und damit effektivste) Möglichkeit, als Musiker Leute zu erreichen. Und das ist ein verdammt mühseliger und kostspieliger Weg. Jetzt erreicht man die Leute eben über das Netz. Die Reichweite ist mit einem Klick sofort weltweit (ob's jemanden juckt, ist natürlich eine andere Frage). Für kleine Bands, die einstmals für so'ne Reichweite bei nem Major hätten sein müssen, goldene Zeiten, oder? Ich sehe keine echte Problematik mit digitalen Verbreitungs-/Vertriebswegen. Ist halt neu und anders. Und falls man über Musik Geld verdienen will (für mich eh total uninteressant), muss man sich eben was Neues einfallen lassen, statt Geld für's anhören von Musik zu verlangen. In den 80ern und 90ern war mindestens die Hälfte von dem Zeug, das ich mir angehört habe, auf irgendwelchen Mixtapes. War das böse, oder illegal, muss ich jetzt ins Gefängnis? Ich halte diese ganze Böse-Online-User-Urheberrechtsdebatte für völlig überspannt und zynisch. Da heulen am lautesten diejenigen über eine (noch zu beweisende) Kostenlosmentalität, die sie selbst praktizieren, in dem sie die Künstler/Musiker/Schriftsteller, von denen sie reich werden, mit Brotkrumen abspeisen.

Machen wir mal die Schubladen auf, live erinnert mich Ugh! sehr an den düsteren, hypnotischen 90er Jahre Krach, an Noise-Labels wie Amphetamine Reptile, Touch & Go, Sub Pop. Ihr selbst bezeichnet ja euren Sound als "MOTOR VOODOO ROCK"! - Was kann man sich denn darunter vorstellen? Woher kommen eure Einflüsse?

MARTIN: Wenn ich mit UGH! spiele, kommt das schon hin - ich find das ganze Noise-Rock-Zeug wahnsinnig geil, für mich gibt es bei Rockmusik nix besseres als Bands wie Scratch Acid, Killdozer, Melvins, oder halt auch Sonic Youth und natürlich Nirvana...aber ich mag Musik und auch Krach generell und steh schon auch auf Hip Hop, Industrial, Wave, Punk, Vollkrach á la Merzbow, Sixtieszeug (Psychedelic), Kraut und so weiter...der Sony mag auch das 90er-Zeug, ist aber generell so ein bißchen "bluesiger" und äh, "melodiöser", und Tim mag glaub ich einfach erstmal alles was laut ist, und dann am besten noch irgendwie merkwürdig und vielleicht ein bißchen jazzig-vertrackt, oder Tim? Für UGH! sind die Hauptwurzeln 70er-Psychedelic-Rock (später dann halt "Stoner" genannt), 80er-Punk/Hardcore und 90er-Noise-Rock-Zeug, behaupte ich mal...

TIM: Das mit den Schubladen ist schwer, ich habe nur welche mit Socken drin.

SONNY: Hehe. Ich hab nur Regale. Und da find ich nie was. Ja, bei mir läuft viel 90er Noisekram. Allerdings auch gerne mal "Stoner"/Psychedelic-Kram. Vor einiger Zeit war ich mit Martin auf Big Sexy Noise (Lydia Lunch und Gallon Drunk, also 80er/90er-Heroes). Was soll ich sagen, ich finde viele Bands wirklich sehr geil. Aber als die Gitarre lässig zum Amp gedreht wurde und dann aus einer Fiep- und Quietsch-Orgie sich ein grunzendes, krachendschweres Bluesriff rauswälzte, war ich nach Jahren mal wieder so richtig zuhause. Zu Motor Voodoo Rock: "Motor" ist für mich Dreck, Kraft, Hitze, Energie, "Voodoo" steht für mich für Besessenheit, Entfesselung, Katharsis, und "Rock", ja mei, what else?

Ihr seid ja nun auch mit dem Song Ira auf der In 'München Nix Los'-Compilation vertreten, wie siehts denn eigentlich mit eurer Affinität zu Punk/Hardcore aus?

MARTIN: Äh, siehe vorherige Frage! Für mich war die Entdeckung von Punk unglaublich wichtig und einschneidend. Wenn man da mit 12 oder 13 Jahren so draufkommt, ist das eine Offenbarung. Nach und nach war Punk für mich aber nicht einfach nur Nieten, bunte Haare und zwei Akkorde, sondern generell eine Einstellung: mach was selber und scheiß auf irgendwelche Trends oder Meinungen - ich finde da geht es um mehr: schau wie du leben willst und was du mit deinem Leben machen willst - und schau, was dir erzählt wird und bleib kritisch! Hardcore als Musik find ich natürlich geil, Minor Threat, Black Flag und so sind einfach genial, aber diese Straight-Edge-Bewegung beispielsweise ist mir zu krass, zu dogmatisch und irgendwie auch, äh, zu diktatorisch... Nichtsdestotrotz: politische Bildung und Meinung ist unglaublich wichtig, und da hat Punk und Hardcore viel dazu beigetragen, daß das in der Musik einen höheren Stellenwert hat.

TIM: Ira ist ein schnelles, hochenergetisches Stück zum Austoben. Dass es irgendwie in die Punkrock-Richtung geht, sehe ich als Zufall an. Es ist einfach so geworden. Punkrock macht Spaß.

SONNY: Ist Ira überhaupt Punk? Keine Ahnung. Punk hat für mich die Türen zu einem komplett neuen Musikuniversum aufgestoßen. Was ich unter Punk verstanden habe, war: Scheiß drauf, was andere von Dir verlangen. Mach es so wie Du es willst. Und das war damals eine neue, sehr elektrisierende Idee für mich. Hardcore ist irgendwie an mir vorbeigegangen. Black Flag allerdings nicht, die fand ich schon sehr genial. Straight Edge fand ich extremistisch und totalitär, also uninteressant. So Ende 80er, Anfang 90er hat mich dann eher Krach à la Killdozer, Sonic Youth, Godflesh, Caspar Brötzmann Massaker etc., aber auch der ganze Grunge-Kram interessiert.

Das Album ist nun raus - what next? Irgendwelche Pläne für die Zukunft?

MARTIN: Das wird sich zeigen: bestenfalls nen Haufen Konzerte spielen und weitermachen...

TIM: So ist es. Es gibt da ein paar Konzerte, die ich sehr gerne spielen würde. Zum Beispiel mal wieder auf dem Sauzipf Rocks Festival (Rock, Stoner, Metal, Punk, Hardcore, Psychedelic, Doom Festival in Döbriach/Millstättersee, Österreich, Anm. d. Red.).. Da stimmt einfach alles. Außerdem soll es diesmal nicht so lange dauern, bis wir die nächste UGH!-Platte veröffentlichen. Mal sehen, ob wir das schaffen...

SONNY: Yup. Noch mehr Konzerte (mal sehen, was geht). Hoffentlich noch in diesem Jahrzehnt eine neue Scheibe. Und weitermachen sowieso.

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt. Vielen Dank an Martin, Tim und Sonny, dass sie sich die Zeit genommen haben, uns so ausführlich Rede und Antwort zu stehen!

 UGH!

mehr zu UGH!:

http://ugh-music.de
http://www.facebook.com/ughmusic
http://www.myspace.com/ughmusic

Labels:
Elektrohasch: http://elektrohasch.de
yrusmtsim: http://yrusmtsim.blogspot.de

UGH! auf 'IN MÜNCHEN NIX LOS'
http://www.in-muenchen-nix-los.de/bands/ugh.html

 

Articles - FJ Related Plus