pferd des gaertners - click das pferd

pferd des gaertners // punk-rock / post-punk // münchen.
pferd des gaertners  

pferd des gaertners haben im Mai ihr Debut Album 'sturmtaucher' veröffentlicht. 18 Songs, ausschließlich Eigenkompositionen, komplett in Eigenregie aufgenommen und abgemischt. Die limitierte CD in der schicken Metallbox, mit 20-seitigem, selbst gestaltetem Booklet, steht parallel dazu auch komplett als Download unter Creative Commons-Lizenz (darf also kopiert und geshared werden) auf der Website. Hier ein erstes Interview mit Peter, Volker, Elmar und Mike von der stürmischen Kavallerie ...

 
 

 

 

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peter (gesang / gitarre): Seit Mai 2007 sind wir als Band zusammen, in dieser Besetzung seit 2008. Vorher gab es einen dritten Gitarristen und Versuche mit einem anderen Sänger, aber das war irgendwie nichts.

volker (gitarre): Seltsamerweise hab ich immer Punk gespielt, obwohl ich 50 % Heavy Metal und 50 % Punk bin. Ich hab immer nur in Punkbands gespielt, da ist die bekannteste wohl PUNKER LEWIS. Da war ich relativ lang, so bis 2000, dann kamen meine Heavy-Metal-Wurzeln zu sehr durch und die anderen sind für mich zu sehr in den Reggae abgedriftet, mit Bläsersätzen u.s.w. Dann hab ich erst mal für mich allein gedudelt und schließlich Peter getroffen, und seitdem bin ich dabei.

mike (schlagzeug): Ich habe mit 14 mein erstes Schlagzeug geschenkt bekommen und gleich mit einigen Freunden losgelegt – wir hatten diverse Kiddie-Punkbands mit häufig wechselnden Namen. Nichts Bekanntes. Irgendwann, mit 18, 19 hatten wir so eine Hardcore-Hip-Hop-Punk-Metal-Crossover Band, mit zwei Sängern, Scratcher und zwei Gitarren – die hieß RUZZ MEYER COMPLEX und war lokal sogar einigermaßen bekannt. Ich hab dann Schlagzeugpause gemacht, weil ich zum Studieren umgezogen bin und keinen Platz hatte. Da hab ich allein am Rechner Musik gemacht, das war eine Mischung aus Industrial, EBM und Punk. Das hieß F/A/V, das hab ich drei Alben lang gemacht und dann irgendwie das Interesse daran verloren. Über einen gemeinsamen Bekannten hab ich erfahren, dass es eine Alt-Herren-Punkrockband gibt, die einen Schlagzeuger sucht. Also hab ich mich 2007 beworben...

elmar (bass): Ich habe keine musikalische Vergangenheit, das ist die erste Band, in der ich spiele. Ich habe zwar irgendwie ewig lange Klavier gespielt und auch mal Saxophon, aber nicht bandmäßig. Es hat mich aber immer schon gejuckt, mal in diese andere Richtung zu gehen. Also hab ich mir vor fünf Jahren einen Bass gekauft und angefangen, vor mich hinzuklimpern – und irgendwann geht das dann auch.

peter (gesang / gitarre): Angefangen hab ich seinerzeit 1980 bei der Münchner Band SIXPÄCK als Gitarrist, das ging zweieinhalb Jahre lang ganz gut, dann hat sich diese Band aufgelöst aus persönlichen Differenzen. Daraus wurden dann irgendwann PSYCHOPATHEN, die sich nach einem schönen Gig in Linz aufgelöst haben, weil der Bassist ständig besoffen von der Bühne gefallen ist, und das fanden wir dann irgendwie nicht mehr so lustig. Dann gab es erstmal eine längere Pause, die sich Anfang der 90 Jahre mal kurzfristig in die elektronische Richtung entwickelt hat. Das war dann dreieinhalb Jahre lang ein Projekt namens KUNSTBLOCK, der Versuch, Punk mit Elektronik zu mixen. Das Ganze ging aber leider nie aus dem Proberaum raus, was eigentlich ganz schade ist. Dann gab es wieder eine lange Pause und 2006 haben wir dann beschlossen, wir machen mal wieder was Neues, was Frisches – und da sind wir nun.

elmar (bass): Der Bandname selbst hat mit einer Romanreihe zu tun, das sind ziemliche Trash-Romane und ich hab leider den Autor auch vergessen. In jedem Roman gab es so einen Running Gag: es gibt eine Gang und immer, wenn die was aushecken, treffen sie sich in einem Pferdestall, wo das Pferd des Gärtners steht. Als Schlusssatz, wenn die da zusammen saßen und was ausbaldowert haben, stand immer drunter: ‚Was sie von jetzt an sagten, weiß nur noch das Pferd des Gärtners ...!’ Und diese Assoziation, also dass nur noch das Pferd weiß, was los ist, das fand ich super, auch wenn es irgendwo zusammenhangslos ist. Wir wollten einen Bandnamen haben, der überhaupt gar nichts über die Musik aussagt, denn sich ‚Sensenmann’ nennen und Deathmetal machen – so was kann jeder.  

peter (gesang / gitarre): Wir haben das ‚Weiße Pferd von Uffington’ als Logo genommen, weil es gut aussieht und weil es ein Pferd ist. Dann kam der Volker, ist oben drüber geflogen und hat es fotografiert. Es bietet sich einfach an.

mike (schlagzeug) : Die CD-Box war Peters Idee, die Fotos sind vom Elmar aus seiner beruflichen Betätigung...

elmar (bass): Ja, die hatte ich übrig, da dachte ich, so sind die auch zu was nütze... Die ganze Umsetzung stammt vom Mike...

mike (schlagzeug): ...Layout, Website und so was. Unser Video, das ist eigentlich ein live-Mitschnitt von einem Auftritt im Sunny Red, den uns der Roger zur Verfügung gestellt hat. Da hab ich dann noch anderes Material mit reingeschnitten. Das war schon ein bisschen Arbeit, aber das gehört auch dazu. 

peter (gesang / gitarre): Natürlich steckt da auch viel Herzblut mit drin... Mir ist es zwar natürlich wichtig, was andere Leute dazu sagen, aber ich will auch selbst davon begeistert sein. Ich will diese CD im Regal stehen haben und davon schwärmen können.

pferd des gaertners - sturmtaucher


sturmtaucher_album

18 songs, ausschließlich eigenkompositionen. irgendwo zwischen post-punk und punkrock - komplett in eigenregie aufgenommen, abgemischt und gestaltet - kommt in schicker metallbox - 20-seitiges booklet mit allen texten - limitiert und handnummeriert, 296 exemplare. 7 euro

tracks:
01. hier kommt pferd / 03:06
02. hard-boiled wonderland / 04:37
03. vorvorletzten donnerstag / 03:44
04. seeds of light / 03:42
05. divine horsemen / 03:41
06. eternal sunshine / 03:49
07. schwester der verspätung / 05:12
08. onward christian soldier / 04:12
09. schlichtes gemüt / 03:54
10. operation mindfuck / 04:20
11. cthulhu / 04:13
12. tarnung / 03:16
13. die uwp / 03:10
14. hair of a dogma / 04:04
15. leichtmetall / 03:34
16. slaughterhouse, inc. / 03:48
17. dawn of a new day / 03:21
18. beifall / 02:21


 

hier kommt pferd - und verleiht dem drögen augenblick ein wenig wert

  elmar
  mike
  peter
  volker


mike (schlagzeug)
: Die deutschenTexte sind von mir und ich bin ganz klar beeinflusst von Einstürzende Neubauten. Das war die erste Band, bei der ich mir die deutschen Texte sehr genau durchgelesen hab, und ich beschloss damals, wenn ich mal Songtexte schreibe, dann müssen die auf jeden Fall auch in die Richtung gehen.

peter (gesang / gitarre): Ich bin verantwortlich für die englischenSongtexte – ich kann einfach nicht auf Deutsch schreiben. Wenn ich versuche, einen deutschen Text zu schreiben, dann les ich mir das durch und denke nur: ‚Kleinkinder-Niveau!’ und dann muss ich das wegschmeißen. Irgendwie geht das auf Englisch besser. Für mich kann ich da auch keinen Konflikt darin sehen, dass wir sowohl deutsche als auch englische Texte haben.

elmar (bass): Wenn du komponierst, dann hast du ja schon eine bestimmte Stimmung und überlegst dir einfach, was textlich dazu passen könnte. Wir komponieren gemeinsam, jeder seinen Teil eigentlich.

mike (schlagzeug): Die Songs entstehen ja so, dass wir die Texte zuerst unabhängig von den Liedern schreiben und danach dann zuweisen. Wir hatten jetzt schon mehrmals die Situation, dass wir einen Song eigentlich fertig hatten und noch keinen Text dazu – also haben wir dem einen temporären Namen gegeben und der blieb irgendwie als Grundlage für die Songtext. Ein Beispiel ist ‚Vorvorletzter Donnerstag’ – da hatten wir einen Song, den nannten wir erst nur ‚den vom letzten Donnerstag’ - weil wir ja donnerstags immer proben - dann ‚den vom vorletzten Donnerstag’ und schließlich ‚den vom vorvorletzten Donnerstag’ und dann mache ich einen Text fertig dazu fertig. Auch der Song ‚Eternal Sunshine’ – der hat uns irgendwie an Fliehende Stürme erinnert, aber wir wollten ihn anders nennen, also dann ‚Andauernder Sonnenschein’, und schon kam Eternal Sunshine dabei heraus. Wir proben zweimal die Woche, im Bedarfsfall sogar öfters.

elmar (bass): Das macht ja auch Spaß, man kommt von der Arbeit und arbeitet an der Musik... Es ist nur im Sommer problematisch, weil unser Proberaum ein Blechcontainer ist, der entsprechend warm wird – da bist du dann in der Herrensauna und nicht mehr im Proberaum. Wir haben festgestellt, dass es wirklich viel bringt, auch mal am Wochenende was zu machen, wo man sich eben nicht fix und fertig aus der Arbeit hinstellt, sondern ausgeschlafen und fit, irgendwann am Nachmittag, und dann konzentriert an der Musik arbeiten kann.

peter (gesang / gitarre): Da funktioniert das auch besser, mit Aufnahmen zum Beispiel, die sonst immer wieder nachbearbeitet werden müssen.

elmar (bass): Die ganze CD ist wirklich 100% selbst gemacht.

peter (gesang / gitarre): Wir nehmen alles selber auf und Mike macht das mit dem Mischen. Ein Label brauchen wir nicht unbedingt, das ist doch alles relativ. Wahrscheinlich ist es schon vom Gefühl her was Tolles, wenn man einen Plattenvertrag an Land zieht... Wenn die Konditionen stimmen, hätte ich da natürlich nichts dagegen. Aber wenn es nicht so ist, kann ich das auch alles weiterhin im Do-it-yourself-Verfahren machen, das stört mich nicht weiter.

elmar (bass): Selbst Vertriebsmöglichkeiten ergeben sich jetzt langsam aber sicher auch ohne Label. Sonst kann ich mir zur Not auch einen Labelcode selber holen, also was soll das?

gema geht gar nicht - creative commons!

peter (gesang / gitarre): Wir haben die CD unter Creative Commons Lizenz veröffentlicht. Das war eine relativ einfache Entscheidung, du hast ja nur zwei Möglichkeiten: GEMA geht gar nicht, da waren wir uns alle schnell einig. Ansonsten kannst du gar nichts draufschreiben, das heißt, es fällt unter das deutsche Urheberrecht – da hat letztens auch keiner was dabei gewonnen. Also stell ich es unter Creative Commons, da kann dann jeder die Songs im Großen und Ganzen nutzen wie er gerne möchte, das ist der Sinn der Sache. Creative Commons ist eine Lizenz, die ich als Musiker vergeben kann, um dem Nutzer dieser Musik bestimmte Rechte einzuräumen, die er nach dem Urheberrecht nicht hätte. Er kann die CD jederzeit kopieren, kann sie weitergeben, kann sie im Radio spielen, auf Partys spielen lassen, ohne dafür was zahlen zu müssen, kann sie auf Tauschbörsen anbieten, ohne dass ihn dafür jemand in irgendeiner Form rechtlich belangen kann. Das einzige, was wir für unseren Fall ausgeschlossen haben, ist die kommerzielleNutzung. Wenn jemand dann Geld daran verdienen muss, dann sollten wir das doch wir sein.

mike (schlagzeug): Es gibt da natürlich auch Vorbilder. Die wohl größte Band, die ihr Zeug auf Creative Commons rausgebracht hat, das sind Nine Inch Nails mit ihren letzten drei Alben.

elmar (bass): Die sind sogar noch weiter gegangen, die haben so ziemlich alles erlaubt, auch das Re-Mixing. Aber die haben natürlich einen anderen Namen, die können sich das alles leisten, wenn du wie wir grad erst anfängst, gehst du natürlich noch nicht so weit. Die Bearbeitung haben wir ausgeschlossen. Also wenn jemand das Stück covern möchte, ist das okay, aber für eine Coverversion, bei der alles verändert wird, müsste er Rücksprache mit uns halten. Das sind die einzigen Einschränkungen. Auch die kommerzielle Nutzung ist nicht generell verboten, da muss dann einfach ebenfalls mit uns Rücksprache gehalten werden… Die Rechtslage ist da auch wirklich bescheuert, wenn du nun gar nichts angibst und einfach so MP3s auf deine Homepage stellst, dann dürfen die trotzdem nichtlegal runtergeladen werden. Durch diese Creative Commons Lizenz wird das einfach von Vornherein umgangen. Das kann man auch jederzeit für einen einzelnen Song machen. Es gibt sogar die Möglichkeit, dass Bands, deren Studio-Aufnahmen GEMA-geschützt sind, ihre Live-Aufnahmen unter CC-Lizenz freigeben, denn die sind ja ein bisschen anders.

mike (schlagzeug): Das ist auch ganz einfach mit Creative Commons, da braucht man keine Mitgliedschaft oder so was, das gibt es nicht. Das schreibt man drauf, dann gibt es das Logo und damit ist das fertig.

peter (gesang / gitarre): Im Internet ist das noch einfacher, da kannst du direkt auf den Creative Commons Vertrag verlinken kannst, aber wenn du die nötigen Angaben auf deine CD drauf schreibst, dann reicht das auch vollkommen. Man kann hoffen, dass noch ein paar mehr Leute auf diesen Zug aufspringen. Die Rechtslage ist in Deutschland wie immer ein bisschen verworren. In den USA gibt es ein paar Präzedenz-Urteile, da ist das Thema eigentlich durch, in Deutschland kann sich ein Richter immer noch darauf berufen, dass die CC-Lizenz nicht deutsches Recht ist und dann stur das deutsche Urheberrecht durchsetzen. Das wird bei Auflagen von 300 Stück aber keinen interessieren denke ich.



cc

live? mit steve ignorant das juz aufmischen

elmar (bass): Wir spielen so selten live, weil die Gelegenheiten nicht so einfach zu kriegen sind. Das darf schon mehr werden... Ich weiß nicht, probieren würde ich fast alles. Solange es nicht irgendwas ist, was mich abschreckt, weil es politisch fragwürdig ist oder wenn es zu sehr in die Prolo-Ecke geht.

mike (schlagzeug): Wir kennen auch nicht so irrsinnig viel Leute besonders gut, die Konzerte veranstalten. Und tendenziell sind wir aber noch nicht so weit, dass wir so großartig Leute ziehen, dass sich das irgendwie rentieren würde. Wir müssen schon vor jemand bekannterem spielen, damit da was passiert. Wen wir am allerliebsten supporten würden? Steve Ignorant!

volker (gitarre): Das mit den Auftritten ist immer eine sehr große Cliquen-Geschichte. Wenn ich mich daran erinnere, wie wir damals mit Punker Lewis aufs TUNIX gekommen sind – das ging auch nur, weil wir den Veranstalter kannten. Das ist das Problem.

peter (gesang / gitarre): Ja, das ist sicherlich ein Problem. Es hat sich auch über die Jahre viel geändert. Wenn ich mich daran erinnere, wie wir damals mit SIXPÄCK oder mit PSYCHOPATHEN unterwegs waren – da war jedes zweite Wochenende in irgendeinem Jugendzentrum was und du hast dich da einfach mit dazugestellt. So etwas gibt es nicht mehr.

elmar (bass): Oder wir kriegen es nicht mehr mit, weil wir einfach zu weit weg davon sind. Ich hab jetzt mal alle möglichen Veranstalter im Umland angeschrieben, da bin ich gespannt, ob was geht. Wenn du selbst Jugendlicher bist und in den Cliquen drin, dann kommst du etwas leichter in einem Jugendzentrum unter, als wenn da so vier Altherren ankommen und sagen: ‚Hurrah, wir wollen euer Jugendzentrum mal aufmischen!’ Es gibt natürlich die Überlegung, mal selbst was zu veranstalten, wie das andere Bands in München machen. Es ist da auch was geplant in Allach, wo unser Proberaum auch ist. Nach dem Umbau wollen wir unbedingt was organisieren - da proben ja auch andere Bands, die musikalisch zu uns passen...

batsociety uwp boilerroom

 
von japanischen kampfhörspielen, fliehenden stürmen, joy division, bad religion

mike (schlagzeug): Ich bin in der Lage, vier Lieblingsbands zu nennen: Einstürzende Neubauten, EA 80, Crass und Japanische Kampfhörspiele. Das hab ich mir schon mal zurechtgelegt…

peter (gesang / gitarre): Bei mir sind die Einflüsse breit gefächert – das reicht von altem US-Hardcore, ganz vorne unbedingt Black Flag, Naked Raygun, Hüsker Dü, dann auch die Postpunk-Wave-Ecke, Cassandra Complex – eine sehr wichtige Band, Joy Division – eine sehr wichtige Band. Dann merkwürdige Bands, die irgendwie nicht dazupassen, zum Beispiel Simple Minds, die ich sehr großartig finde, Gary Newman / Tubeway Army, die ich äußerst liebe.

volker (gitarre): Also vier Lieblingsbands kann ich glaub ich jetzt nicht aufzählen... Was ich zur Zeit viel höre ist seltsamerweise ziemlich viel Arch Enemy, Machine Head, Dark Tranquility. Und als Kontrastprogramm die erste Billy Talent und Blink 182. Meine Ur-Punk-Einflüsse, das sind wohl die Ärzte und vielleicht so was wie Normahl und A.O.K, aber da eher das, was sie in den 80er Jahren so gemacht haben. Und natürlich Bad Religion.

elmar (bass): Und wenn man das alles zusammenmischt kommt so was wie pferd des gaertners dabei raus...! Bei mir geht das ein bisschen in eine andere Richtung, ich höre privat am liebsten so Sachen wie Fields of the Nephilim, das ist für mich die Band überhaupt. Das Punkige hör ich auch ganz gern, aber weniger – eher noch so düstere Sachen, Fliehende Stürme ab und zu zum Beispiel. Bin aber nicht wirklich die Grufttante – eher so der alte Waver, also mit den Rüschengruftis, da kann ich auch nichts damit anfangen. Nee, eher alte Joy Division Sachen und so was.

mike (schlagzeug): Von wegen Grufti – auf dem Wave-Gothic-Treffen in Leipzig, da waren wir letztes Jahr alle vier und dieses Jahr zu dritt. Wir sind da schon auch interessiert...

punk + positive punk - post-punk = gothic ?

_pgd1peter (gesang / gitarre): Für mich ist Gothic die klare Weiterentwicklung von Punk. Oder sagen wir so: das, was vielleicht Punk mal hätte sein sollen, ist sowieso Anfang der 80er Jahre irgendwo gestorben. Daraus hat sich Gothic komplett entwickelt – also wenn ich mir so was anhöre wie Alien Sex Fiend, das ist von Punk nicht weit weg! Außer dass sich die Textinhalte gewechselt haben von ‚No Future’ zu ‚No Future mit Drogen’. Ich sehe den Konflikt nicht.

elmar (bass): Vielleicht ist der Unterschied auch zwischen ‚Alles geht kaputt und das ist scheiße!’ zu ‚Alles geht kaputt, also lassen wir’s noch mal krachen!’. Das ist ein bisschen die Einstellung gewesen, denke ich. Was sich mittlerweile aus dem Gothic entwickelt hat, hat aber damit wirklich gar nichts mehr zu tun! Damit identifiziere ich mich aber auch nicht, selbst wenn ich da meine Wurzeln habe. Diese hochgotischen Vampirtypen, damit kann ich überhaupt nichts anfangen!

mike (schlagzeug): Die Gothic-Szene oder sagen wir besser mal: die Schwarze Szene, die ist so dermaßen breit gefächert, dass man die unmöglich über einen Kamm scheren kann. Ein Randbereich davon hat eben sehr große Überschneidungen mit Punk, auch musikalisch. Es gibt auf dem Gothic-Festival mit Sicherheit Veranstaltungen, da sieht man sogar mehrIros als auf einem reinen Punk-Konzert!

peter (gesang / gitarre): Auch wenn man in die Historie geht: also Damned haben damit auch schon sehr früh angefangen.

elmar (bass): Oder wie war das mit Rikk Agnew, der hat erst bei den Adolescents angefangen und dann Christian Death mit gegründet – das sieht man schon an den Musikern, dass seinerzeit diese Trennung überhaupt nicht so deutlich war.

mike (schlagzeug)
: Es gibt da viele Überschneidungen, auch Steve Ignorant und Dave Tibet haben zusammen gearbeitet, sehr viel sogar. Aber es gibt auch auf beiden Seiten Randerscheinungen, die dann die anderen abschrecken. Auf der Grufti-Seite schrecken die Rüschenhemdträger die Punks ab und auf der anderen Seite schrecken die nur noch saufenden Punks die Gruftis ab – und doch gibt es nach wie vor viele Gemeinsamkeiten.

volker (gitarre): Also ich hab dazu gar nichts zu sagen, denn ich habe mich nie zur Gothic-Szene gezählt und wollte auch nie Teil dieser sein, weil das für mich immer mit Rüschenhemdträgern vorbelegt war.

mike (schlagzeug): Ich treibe mich durchaus aktiv in der schwarzen Szene rum, auch als Party-Veranstalter und als DJ seit 15, 16 Jahren und fühle mich da nach wie vor absolut wohl. Sicher: man sollte sich nicht nur da herumtreiben, aber man kann sich da batsocietyschon amüsieren.

elmar (bass): Gerade wenn du die München ansiehst, da ist die schwarze Szene unheimlich weit gefächert. Da gibt es so Läden wie zum Beispiel das Nerodome oder irgendwas, wo nur irgendwelche komische EBM-ler, Rüschenhemden oder Mittelalter-Leute rumrennen und sagen: ‚Wir sind die schwarze Szene!’ Und dann gibt es die Bat-Society, wo eigentlich nur Punks rumrennen und es läuft auch zum größten Teil Punkmusik – und das zählt beides da rein.

schwarze szene - graue zone?

peter (gesang / gitarre): Da brauchen wir nicht lang drum herum reden –  wie überall ist es so, dass es Versuche einer rechtenUnterwanderung gibt. Selbst in der härtesten Punkszene finden sich sicher einige dämliche Nasen, und so muss man sagen: Ja, es gibt ganz klar in der Grufti-Szene auch Rechte. Aber viele Vorwürfe, die da gemacht werden, die sind zwar in gewisser Weise verständlich, aber trotzdem falsch. Die Vorwürfe hängen sich auch immer wieder an den gleichen Bands auf… Wenn man sich dann etwas intensiver mit den Leuten beschäftigt und weiß, was die wirklich treiben, hat das mit Nazis zum größten Teil nichts zu tun. Das macht es nicht unbedingt besser, weil die Leute trotzdem sehr seltsam sind, die leben zum Teil in Weltbildern, die sind komplett davon abgehoben – die denken auch nicht mehr politisch.

volker (gitarre): Wie überall ist es so, dass sich Randgruppen immer am lautstärksten äußern. Es gibt eine gewissen Minderheit, dieselbe Minderheit, die es genauso beim Rock gibt oder beim Pop oder beim Metal. Nur wird sie besonders stark nach außen dargestellt.

elmar (bass): Ja, fast jedem fällt beim Stichwort ‚Rechts in der Gothic-Szene’ gleich Death in June ein. Naja, der Typ, der die macht, das ist ein schwuler Uniform-Fetischist oder irgendwas, der früher übrigens bei Crisis war und jetzt vom textlichen Inhalt her und von seiner Ästhetik mit irgendwelchen mehr als fragwürdigen Sachen herumwirbelt. Aber ich habe keine Ahnung, wie der politisch drauf ist, das kann ich wirklich nicht einschätzen, ich kann dem nicht in seinen Kopf reinschauen. Der ist irgendwo auf einem seltsamen Trip und arbeitet mit Ästhetiken, die das assoziieren. Ich finde das scheiße, das so zu machen, ganz klar, aber ich weiß nicht, ob man das so klar sagen kann, dass das unbedingt ein Nazi ist.

peter (gesang / gitarre): Ich könnte mich genauso dran aufhängen, dass Mr. Sid Vicious im Hakenkreuz-T-Shirt rumgerannt ist. War das ein Nazi? Nein, war er wohl nicht...

elmar (bass): Bei der Gothic-Szene gibt es natürlich von der Ästhetik her gewisse Ähnlichkeiten, und dadurch ergeben sich Angriffspunkte, weil gerade Leute aus dieser neurechten Szene sich dann sagen: ‚Hah, da werden wir bestimmt leichtesSpiel haben!’ Ich habe den Eindruck, dass diese Tendenzen nicht aus der eigentlichen Szene entstehen, sondern dass das immer wieder Übernahmeversuche sind.

mike (schlagzeug): Es gab ein paar Münchner Rechte, die waren Türsteher in einem Salzburger Grufti-Club, die sind dann aber wieder rausgeflogen. Die sind dann auch in München auf irgendwelchen Grufti-Veranstaltungen als Grüppchen aufgetreten – und da auch wieder überall rausgeflogen. Auf einem AC/DC Konzert mit 20.000 Leuten und auf einem Marius-Müller-Westernhagen Konzert mit 20.000 Leuten sind mehr Nazis als auf einem Gothic-Festival mit 20.000 Leuten – da bin ich der festen Überzeugung! Auf jedem CSU Parteitag, in jedem Bierzelt sitzen sicher prozentual mehr... Ich habe ehrlich gesagt nach drei, vier Bier eher von Punksals von Gruftis Aussagen gehört, die irgendwo in die Nazi-Richtung gingen. Da kommt auch bei Punks ab und zu was raus, was nicht okay ist...

...und was sie von jetzt an sagten, weiß nur noch das pferd des gaertners ...!

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