Interview Punchers Plant Free-EP Release 'Homesick'

Punchers Plant Free-EP 'Homesick' - gratis Download! Release Party 8. Mai! punchers plant interview mit philip











Seit dem ersten Mai gibt es die brandneue
Punchers Plant EP ‚Homesick’ zum kostenlosen Download!

Wie es zu dieser Entscheidung kam, nach der bei einem doch recht namhaften Label erschienenen letzten Scheibe ‚State of Fear’, was sich geändert hat an Herangehensweise, Musik, Inhalt und Sound, wie es ist, sein eigener Band-Booker zu sein und trotzdem große Touren zu organisieren, was uns erwartet bei der Release-Party am 8. Mai im Feierwerk und vieles mehr, erzählt Punchers Plant Sänger Philip hier ...

Die EP Homesick ab 1. Mai zum kostenlosen Download

homesick out nowUnser letztes Album ‚State of Fear’ wurde regulär auf dem Label BSC veröffentlicht und das war ein absolut richtiger Schritt. Wir haben uns jetzt mit der neuen EP nicht in dem Sinne vom Label getrennt, sondern wir hatten von Anfang an die Freiheit, zu tun und zu lassen, was wir wollen. Das ist eine Freiheit, die dir in der heutigen Zeit normalerweise kein Label bietet. Dementsprechend konnten wir so viel Kreativität walten lassen, wie wir wollten und sind auf das ziemlich interessante Konzept mit der Free-EP gestoßen. Wir haben das bei einer anderer Münchner Band THE BLACKOUT ARGUMENT gesehen. Die haben als Erste so eine Free-EP richtig groß raus gebracht, trotzdem mit super Sound aufgenommen, richtig viel Aufwand selbst rein gesteckt und dadurch ihre Popularität noch mal enorm gesteigert. Und so kam uns die Idee: Na ja, wir spielen unglaublich viel, aber wir haben nicht das Geld, richtige Promotion zu machen, Anzeigen in Magazinen zu schalten oder was weiß ich. Das heißt, du musst als kleine Band neue Wege beschreiten. Also haben wir uns überlegt, wenn du eine Free-EP machst, dafür wirklich die besten Songs auswählst, die du in der letzten Zeit so geschrieben hast – und dafür ist das EP Format perfekt, weil es nur ein paar Songs sind und dafür richtig, richtig gute kompakt veröffentlicht – wenn du das machst, dann hast du eine Chance auch dort Fans zu gewinnen, wo du noch nie gespielt hast.

Das heißt, du kommst irgendwo hin und dort haben fünf Leute, fünf Freunde im hintersten Kaff im Schwarzwald meinetwegen, die haben sich die EP runtergeladen. Dann erzählen die ihren Freunden: ‚Pass auf, da ist ein Konzert von denen, die sind total gut. Ich hab mir die EP runtergeladen und kann sie dir mal geben!’ Denn wenn das natürlich ein kostenloser Download war, kann die sich auch jeder besorgen. Und so hast du im Prinzip einen kleinen Kreis von Leuten, die was mit deiner Musik anfangen können, egal, wo du spielst. Das ist das große Ziel von der Free-EP. Denn heutzutage kannst du dein Bandleben oder neue Investitionen nicht dadurch finanzieren, dass du irgendwie Platten auf Saturn verkaufst, sondern dadurch, dass du einfach konstant viel live spielst. Da die meisten Veranstaltungen ‚Door-Deals’ sind und keine Festgage, ist die einzige Chance, dein Spritgeld zu bezahlen, wenn eben viele Leute kommen. Dementsprechend haben wir das für einen ziemlich konsequenten Schritt gehalten, jetzt einmal was rauszubringen, was nicht schäbiges B-Material ist, sondern wirklich komplett eigenständige Songs in hoherQualität, die als vollwertige EP rauskommen, kostenlos. Danach geht es dann weiter mit einem normalen Album.

Für den Download haben wir eine eigene Webseite gemacht, die heißt www.homesickep.com. Dort wird es bald auch das eine oder andere Video geben und ein paar Hintergrundinformationen, aber wir haben natürlich auch von unserer Myspace-Seite und unserer Homepage alles verlinkt. Heute musst man ja unglaublich Web 2.0 und vernetzt sein, um die Leute zum richtigen Produkt zu führen.

homesick-front

PUNCHERS PLANT 'Homesick'

 

Tracks:

Homesick
White Flag Soldiers
Zombie Youth
Respirator
Words Unspoken
Neon Conspiracy

Free Download:

www.homesickep.com

 
D.I.Y.

An der EP haben wir alles selbst gemacht, von vorne bis hinten. Der Vorteil ist, dass ich mein eigenes Home-Recording Studio aufgebaut habe, das habe ich jetzt ‚Equalies-Studios’ genannt. Dementsprechend waren die Aufnahmen schon gesichert, weil ich die selbst machen konnte mit der Band – was einem natürlich auch unglaublich viele Freiheiten lässt. Bei unserer letzten Scheibe hätten wir vielleicht die eine oder andere Sound-Entscheidung auch anders getroffen, wenn wir mehr Ahnung gehabt hätten. Jetzt hatten wir die Möglichkeit, wirklich alles von Anfang an so zu planen und so durchzuführen, wie wir das wollten.

Sound

Punchers Plant Band FotosEin großes Problem beim Selbermachen ist natürlich die Gefahr, dass man sich verrennt. Wir wollten die EP schon viel früher veröffentlichen, aber erst in den letzten Wochen wurde tatsächlich absehbar, wann wir fertig werden und dass das auch hinhaut: 1. Mai EP zum Download, 8. Mai Release Party. Das Problem ist, dass wir alle sehr, sehr, sehr perfektionistisch sind, was die ganzen Bandgeschichten angeht. Wir haben uns inzwischen darauf geeinigt, dass manche Sachen einfach schnell basisdemokratisch entschieden werden und inzwischen findet sich auch jeder gut damit ab. Das war am Anfang schwierig, sich daran zu gewöhnen, weil man zu überzeugt von seiner eigenen Idee ist. Aber das ist die einzige Art, wie es funktioniert, dementsprechend haben wir uns da ganz gut gemacht. Wir vor über einem Jahr, sofort nach der ‚State of Fear’, angefangen, neue Songs zu schreiben – wir können gar nicht anders... Diese Lust an wieder was Neuem ermöglicht es uns auch, die alten Sachen wirklich loszulassen, so stehen zu lassen, wie sie sind und nicht ständig der Versuchung nachzugeben, noch was nachzubessern. Jede Scheibe und jeder Song, den man schreibt, markiert doch einen gewissen Punkt in der Bandgeschichte und passt auch nur an den Punkt. Wir sind eine Band, die wahnsinnig viele und wahnsinnig gerne Songs schreibt. Das macht die ganze Band. Ich singe ja nicht nur, ich spiele auch Gitarre und Bass und Klavier, ich bin also auch involviert in die ganze Komposition. Oft ist es so, dass Phil und Andi mit einer super Gitarrenaufnahme ankommen, die sich bei sich selbst aufgenommen haben und die sie dann rumschicken. Dann kommt mir schon der eine oder andere Melodiefetzen, dann geht man zusammen in den Bandraum und probt...

Wir haben uns bei der letzten Scheibe weniger Gedanken um den Song als Ganzes gemacht. Jetzt war der Anspruch an die Songs ein bisschen größer, wir wollten deutlich mehr Abwechslung drin haben, unterschiedliche Tempi zum Beispiel. Wir haben jetzt zwei Up-Tempo Songs auf der EP, ein paar Mid-Tempo Songs und einen, der im Down-Tempo Bereich spielt... Innerhalb der Songs wollten wir mehr Zwischenteile haben, auch mehr Clean-Teile, die mit einfließen, und Solos an den richtigen Stellen. Was diesmal eindeutig im Focus stand war der Chorus. Auf der EP – und da bin ich wirklich stolz drauf – ist kein Chorus-Part dabei, von dem nicht irgendeiner einen Ohrwurm gekriegt hat. Das ist sehr schwierig, eine Melodie zu haben, die eingängig ist und auf der anderen Seite trotzdem immer noch die Härte hat, dass sie dir nicht auf den Sack geht. Es ist ultra-easy entweder das eine ODER das andere zu machen, also einen harten oder einen poppigen Chorus. Aber genau die richtige Balance zu finden, das ist das absolut Schwierigste. Da haben wir wirklich ewig daran gearbeitet, Chorusakkorde verändert, verglichen, angepasst, Zweitstimmen ausprobiert, Backgroundshouts ausprobiert und so, um eben jedes Mal genau diese Balance zu finden.

Ein Home-RecordingStudio zu betreiben und das auch auf ein gewisses Niveau zu bringen, das war unglaublich viel Arbeit. Ich habe Schinken gewälzt auf mehreren Sprachen, neben all dem, was ich im Studium lesen musste. Zudem musst du Investitionen tätigen, die du als Student so leicht aus dem Ärmel schüttelst. Und du brauchst einfach Übung! Gerade in der letzten Zeit musste ich da viele andere Sachen dafür fallen lassen –  wenn die anderen abends irgendwo mit ihren Freundinnen im Kino waren, saß ich in meinem Kämmerchen und schraubte an den Songs rum...

Das ganze Artwork und alle Internetpräsenzen haben wir auch selbst gemacht. Auf dem EP-Cover ist ein Leuchtturm, der symbolisiert so ein bisschen das Heimwehgefühl. Wenn man die Songs hört und das Cover dazu anschaut, dann kann man das hoffentlich auch nachvollziehen und mit der Botschaft der Platte verbinden... 

Inhalte

Auch inhaltlich unterscheidet sich die neueEP von der ‚State of Fear’. Es ist der gleiche sozialkritische und politische Input natürlich, aber es ist mehr mit meinem persönlichen Leben vermischt. ‚To be homesick’ heißt ja ‚Heimweh haben’ und mir ist irgendwann aufgefallen, dass ich auf der Suche nach einem geistigen Zuhause innerhalb meiner eigenen Generation bin. Dieses Gefühl, sich innerhalb der eigenen Generation fremd zu fühlen, fand ich echt eine schwierige Geschichte. Bewusst geworden ist mir das zu der Zeit, als in München die Bildungsproteste aufgeflammt sind. Da war ich richtig froh, dass es überhaupt eine Handvoll Leute in München gibt, die wie ich auf die Straße gehen und protestieren wollen. Aber in meinem eigenen Studiengang, da habe ich auch Werbung dafür gemacht und sowohl von Professoren als auch von Mitstudenten eher so ein bisschen dumme Fragen gestellt bekommen oder ein müdes Lächeln – statt ein bisschen Empathie für die soziale Situation, in der sich manch andere einfach befinden.

lyrics punchers plantEin Lehrer bei mir in der Schule hatte damals zu dem pubertären Haufen, der wir waren, gesagt: ‚Ach, ihr seid alle gefangen in der Diffusität des Seins’. Ich habe das zu dem Zeitpunkt nicht verstanden, was er damit gemeint hat, mit der ‚Diffusität des Seins’ – aber inzwischen weiß ich das. Es ist dieses Gefangensein im Hier und Jetzt, ohne viel an das Drumherum zu denken, nicht im größeren Kontext zu denken. Ich sag mal: Diese Ideenlosigkeit, und dieses Leben nur für den nächsten Tag oder für die nächste Folge von ‚Germany’s next Top-Model’, das ist im Prinzip das, was mir wirklich aufstößt an dieser Generation. Auf der anderen Seite möchte ich auf keinen Fall schwarz malen und für meine ganze Generation sprechen, das steht mir auch überhaupt nicht zu. Es teilt sich sehr in zwei Kluften und man muss eben versuchen, mit den richtigen Menschen im Kontakt zu sein, um nicht an der eigenen Generation zu sehr zu verzweifeln.

Die jungen Leute haben ja normalerweise das große Protestpotential. Aber meine Generation wird ja von außen immer als ‚Generation Praktikum’ beschrieben. Das ist wohl das einprägendste Beispiel. Wie viele Praktikumsstellen werden komplett ohne Bezahlung ausgeschrieben? Das ist eine totale Frechheit. Meiner Meinung nach sollte man einen Mindestlohn für Praktika einführen. Abgesehen davon gehört jedeForm von Arbeit, und wenn sie noch so gering ist, irgendwie gewürdigt. Ich finde es total entwürdigend, dass du aus lauter Zukunftsangst gezwungen wirst, so eine Stelle anzunehmen. Und es ist so, dass die meisten sich dem schweigend fügen, statt wenigstens zu versuchen, in Verhandlungen zu treten. Zu Verhandlungen über irgendeinen Arbeitsplatz gehört einfach auch eine Gehaltsverhandlung. Und wenn es dann nur 100 oder 200 Euro sind als würdigendes Element des Ganzen – denn davon kannst du in München noch nicht mal dein Essen zahlen für einen Monat.

Street Credibility

Alle Bandmitglieder von Punchers Plant sind – um ehrlich zu sein – Studenten, aber wir studieren ganz unterschiedliche Sachen. Na ja, oft schämt man sich ja schon ein bisschen, das zu sagen, dass man in einer Punkrockband spielt, aber STUDENT ist… Das ist nicht so, dass es anderherum wäre, von wegen: ‚Oh, ich bin Student – ABER ich spiele in einer Punkrockband’. Das versucht man immer irgendwie unerwähnt zu lassen, aber für mich passt das so was von perfekt zusammen – hey, der Sänger von BAD RELIGION ist Dozent für Evolutionsbiologie... Diese Problematik der Street-Credibility – allein, wenn du da anfängst, dir darüber Gedanken zu machen, bist du meiner Meinung nach schon mal nicht mehr Punkrock. Ich kann das natürlich nicht definieren, was Punkrock ist, aber ich weiß, DASS ES DAS AUF KEINEN FALL IST! Dann ist dieses ganze Toleranzding aus der Szene, was eigentlich da sein sollte, zunichte gemacht. Es gibt zu viele Leute, die sich in dieses Szenedenken viel zu sehr reinsteigern können, in dieses Schranken- und Grenzendenken ...

bandfoto-punchers plant

Es ist doch lustig, die unterschiedliche Art kennen zu lernen, wie sich die Leute selbst als Punks definieren. Es gibt Leute, die aus Style-Gründen so herumlaufen und auf der anderen Seite triffst du jemanden, zum Beispiel aus dem Autonomen-Umfeld, die überhaupt nicht danach aussehen, aber unheimlich viel auf die Beine stellen. Zum Beispiel in der Gegend Magdeburg, da gibt es die ALGE, die ‚Alternative Lebensgemeinschaft’, ein autonomes Jugendzentrum aus einen Schrottplatz gebaut. Die werden wirklich wöchentlich von den Nazis mit Bierflaschen attackiert und haben dauernd Straßenschlachten am Hals, weil sie umgeben sind von Glatzen. Die bewunderst du dann, weil die so aktiv sind und echt antifaschistische Aufklärungsarbeit betreiben, aber nach außen hin scheinen die überhaupt nicht so.

D.I.Y. Tourbooking

homesick_tourWir sind vorletzte Woche erst von Tour zurückgekommen: 2500 km von München über Lindau, Bayreuth, Dresden, Hamburg, Kiel, Göttingen, Passauund das Ganze in acht Tagen. Das war ein ziemlich enges Programm. Vier Shows waren im Vorprogramm von TURBONEGRA, eine total nette US Mädls-Coverband von TURBONEGRO, den großartigen Schweden. So konnten wir Gott sei Dank auch in größeren Clubs auftreten, wo wir auch mal eine Montags- oder Dienstagsshow spielen konnten, zum Beispiel in Hamburg und in Kiel. Für die Band XY aus München würden an solchen Abenden normalerweise überhaupt keine Leute kommen, aber eine US Band, die zieht halt immer und so spielst du dann vor gutem Publikum in verdammt guten Clubs, die dir auch ein Essen und einen Schlafplatz bieten können. Ein anderer super Support-Abend war in Dresden, zusammen mit TOTAL CHAOS aus USA. Die Band ist eine richtige Legende – da hat man dann schon erstmal auch so etwas wie Ehrfurcht vor denen. Dann hab ich aber angefangen, mich mit dem Sänger und dem einen Gitarristen, der lustigerweise aus Deutschland kommt und perfekt Deutsch spricht, zu unterhalten und nach kurzer Zeit schon haben wir uns blendend verstanden und viel Spaß gehabt miteinander.

bottropsDas war die dritteDeutschlandtour, die wir gemacht haben, und bisher auch die größte. Davor ging es immer nur bis Göttingen, das ist ja genau die Mitte von Deutschland, und unser Ziel war es immer, auch bis in den Norden von Deutschland zu kommen. Das scheint immer erstmal so unerreichbar… In Österreich und Tschechien zum Beispiel zu spielen ist vielleichter, aber in Deutschland so ne richtige Runde hinzubekommen, das ist wahnsinnig schwierig. Wir haben auch über ein halbes Jahr vorher angefangen zu planen und Veranstalter anzurufen und so. Wir machen auch das Bookingselbst, das ist unglaublich anstrengend. Du musst Hunderte von Veranstaltern anrufen, oft mehrmals, weil die teilweise auch nicht erreichbar sind. Das ist immer wieder diese Kombination aus eMail, Bemusterung und gleichzeitigem Anrufen. Das Wichtigste ist, dass du ein bisschen ein soziales Gespür hast. Wenn du gut telefonieren kannst, grundsätzlich, wenn du ein bisschen Talent am Telefon hast, dann schaffst du das auch, dass die Veranstalter, die wirklich Hunderte von Mails und fünfzig Anrufe pro Tag bekommen, bei dir NICHT genervt sind. Das ist natürlich schon relativ schwierig...

mastersAuch muss man realistisch einschätzen können, welche Clubs für deine Band wirklich in Frage kommen, denn zu viele Leute versuchen es gleich bei den großen Clubs, man darf sich da nicht selbstüberschätzen. Wenn möglich sollte man sich mit anderen Bands aus der Gegend anfreunden und Austauschgigs organisieren, das ist super  - nur haben leider nicht alle dieses Solidaritätsprinzip unter Bands mit Löffeln gegessen. Ansonsten musst du früh dran sein! Um an Support-Shows irgendwo ranzukommen, da musst du im Prinzip von der Show wissen, bevor die bei der Band im Tourkalender steht. Wenn du das nicht vorher weißt, hast du keine Chance, da ranzukommen. Aber das hat nichts mit Glück oder Zufall zu tun, das ist reine Arbeit.

Das Publikum bei unseren Gigs ist total gemischt. Wir haben ja noch kein Stammpublikum, dazu sind wir zu klein und zu unbekannt ... Das reicht von Punks, die nicht wissen, wo sie die nächste Nacht schlafen werden bis hin zu Doktoranden. Das ist sehr interessant, diese vollkommen unterschiedlichen Leute dann auch kennen zu lernen. In Dresden kamen wir super an, und das war ein Laden screed dailysoapmit 150-200 echten Punk-Kiddies. Und da stehst du erst mal auf der Bühne, die haben noch nie von dir gehört und nach dir kommt die absolute US Legende – na ja, und dann ist mir das passiert, wovor jeder Sänger einen Horroralbtraum hat: Ich bin nach dem Intro, beim Hochgehen auf die Bühne, über das Basedrum-Mikro gestolpert. Bevor ich einen einzigen Ton gesungen hatte! Ich dachte, der Abend kann nur noch den Bach runter gehen, und hatte keine Idee, wie ich das noch retten sollte. Wir haben einfach weitergespielt, ich hab versucht, einen Witz draus zu machen, nach dem Motto, die Bayern können’s halt nicht besser ...Und so hat sich das Ganze zum Positiven gewendet und ist noch ein supercooler Abend geworden. Da wir immer vermuten, dass irgendwelche blöden Sprüche darüber kommen, dass wir aus Bayern sind, bauen wir das einfach grundsätzlich mit ins Programm ein mit ziemlich viel Selbstironie. Das Gute daran ist, dass du dann ja eigentlich nur noch gewinnen kannst.

Und wieder: Grauzone

Über die Grauzone-Diskussion und den Oireszene-Blog hab ich mich letztens auch lange unterhalten. Ich sage jetzt auch gerne meinen Standpunkt dazu, weil es mir wichtig ist. Ich finde es auf der einen Seite extrem wichtig, dass es so etwas gibt, weil die Punkszene einfach nichtunterwandert werden darf von rechtem Gedankengut. Es darf nicht soweit kommen, dass irgendwelche ‚Autonomen Faschisten’ in falschen Gewändern marschieren! Auf der anderen Seite muss ich sagen, soll man die Toten zu einem gewissen Maße auch ruhen lassen.

Hier ein Beispiel: Die Band STOMPER 98, die sind ja momentan auch ziemlich ins Kreuzfeuer geraten. Und jetzt, ein riesiger Tour-Zufall, haben wir in Göttingen beim Flyern dem Sänger zufällig einen Flyer in die Hand gedrückt. Und der ist dann auch prompt zu unserem Konzert gekommen und wir haben mit dem geredet. Der Typ ist ein Straight-Edge Veganer, total sympathisch, ich habe mich super mit dem verstanden. Das hat nicht ganz zusammen gepasst mit den Vorwürfen, die da so vorgebracht werden. Ich habe dann natürlich auch die Meinungen der Kritiker und die Statements auf der Homepage von STOMPER 98noch mal gelesen. Wenn ich das richtig verstanden habe, dann klingt das schon alles glaubhaft. Wenn die sich absichtlich dagegen aussprechen, wenn die öffentlich bekannt machen, dass sie diese Meinung nicht vertreten und auch mit diesem Scheißdreck nicht in Verbindung gebracht werden sollen, dann kann man den Leuten doch so lange vertrauen, bis was Gegensätzliches kommt. Für mich ist keiner ‚rechts’, der vielleicht mit 15 irgendeiner Scheiß-Ideologie nachgelaufen ist! Dieser Mist hätte jedem von und doch irgendwann passieren können. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele von den Leuten, die sich als so unglaublich tolle Antifaschisten oder sonst was sehen, irgendwann mal in der Schule doch nen Scheiß-Negerwitz gebracht haben und das wahnsinnig witzig fanden mit 15. So leid es mir tut: Jugendsünden auf irgendeine Art begeht jeder, und ich finde es bewundernswert und unterstützenswert, wenn Leute irgendwann auf dem richtigen Pfad landen. Wenn die jetzt auf irgendeinem Weg wieder aus der Szene vergrault werden sollen, dann ist das für mich die absolut falsche Art, damit umzugehen.

Ich hätte jetzt zufällig auch mit STOMPER 98 spielen können irgendwo, und danach hätte irgendjemand Mist über meine Band geschrieben... Allein schon durch dieses Interview hier, dadurch, dass ich den jetzt irgendwo in Schutz nehme, könnte es sein, dass irgendjemand auf die Idee kommt, dass ich mich jetzt mit irgend sowas identifizieren kann, auch wenn ich die ganze Zeit nur über linke Sachen geredet habe... Wer sich aber dadurch den Mund verbieten lässt, der ist für mich auch nur wie eine Marionette! Wenn man sich zu viel mit sich selbst beschäftigt, fehlt einem der Blick nach außen. Das war, so leid es mir tut, schon immer die Schwäche jeglicher Form von Linksaktivismus und Linkspolitik. Warum haben sich alle linken Parteien immer zigtausendmal zersplittert...

nothing at   allKeiner lernt aus der Geschichte – das ist genau der Text von unserem Song ‚Nothing at All’: ...’if there is one thing humans have learned, than that they have learned nothing at all.’

 

 

 

 

 


Release Party am 8. Mai 2010 / Feierwerk (Kranhalle)

Punchers Plant Homesick Promo

Wir spielen bei der Release-Party am 8. Mai im FEIERWERK in der dann umgebauten Kranhalle mit neuer Soundanlage und neuer Bühne unser 100stes Konzert in fünf Jahren. Wir spielen zusammen mit DAILYSOAP, das sind eigentlich unsere besten Bandfreunde. Dass es unser 100stes Konzert ist, kommt zufällig dazu. Ich hoffe, dass es noch deutlich mehr Konzerte werden in der Zukunft, denn wir haben wirklich riesig Spaß dabei, auch wenn es schwierig ist, das terminlich hinzukriegen. Ich wüsste nicht, was ich mir noch mehr wünschen könnte als mehrmals pro Jahr für ein, zwei Wochen auf eine richtig große Tour zu gehen und gleichzeitig Wochenendshows zu spielen, wann immer es geht. Eben mit großartigen Bands wie den BOTTROPS, also den Ex-TERRORGRUPPE-Leuten, oder mit TOTAL CHAOS oder so aufzutreten – mehr kann man sich doch gar nicht wünschen.

Die Release-Party wird für uns sicher mehr eine Relieve-Party werden, weil der ganze Arbeitsdruck endlich weg ist. Was ich alles an Sachen schon verpasst und Vorlesungen geschwänzt habe, nur um den Mix rechtzeitig fertig zu bekommen … Zwei Tage, bevor sie online geht, muss die Scheibe noch ins Mastering-Studio, dann haben wir noch eine Woche Zeit, um in der Stadt noch richtig flyern zu gehen und alles berühmt-berüchtigten Clubs abzuklappern und dort noch Plakate aufzuhängen und so – das gehört natürlich auch dazu. Bei der Release-Party werden wir einfach Spaß haben, mit unseren Freunden und mit unseren teilweise langjährigen Fans, die wirklich teilweise 200 Kilometer fahren, um uns irgendwo wieder zu sehen. (April 2010, DANKE fürs Interview!)

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Links und mehr Infos:

www.punchers-plant.de
www.myspace.com/punchersplant
www.homesickep.com/
www.dailysoap.de/

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